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Rückkauf von 600.000 Fahrzeugen? "Das sind alles Spekulationen."
Rückkauf von 600.000 Fahrzeugen? "Das sind alles Spekulationen."(Foto: dpa)

Diesel-Kat für 430.000 Fahrzeuge?: Volkswagen muss Washington überzeugen

Die kommende Woche wird für VW heikel: Konzernchef Müller reist persönlich nach Washington - angeblich, um dort eine technische Lösung zu präsentieren. Sollte der Plan schiefgehen, heißt es, "dann steht die Existenz von VW auf dem Spiel".

VW-Chef Matthias Müller will der US-Umweltbehörde EPA einem Bericht der "Bild am Sonntag" zufolge eine technische Lösung für die vom Abgas-Skandal betroffenen Dieselautos des Konzerns vorstellen. Bei seinem geplanten Treffen mit EPA-Chefin Gina McCarthy in Washington wolle Müller einen neuentwickelten Katalysator vorstellen.

Mit dem neuen Bauteil will VW demnach erreichen, dass die Grenzwerte bei einem Großteil der betroffenen Autos eingehalten werden können. Dem Bericht zufolge soll dieser Katalysator in rund 430.000 US-Fahrzeuge eingebaut werden, die mit der ersten Generation des Dieselmotors EA 189 unterwegs sind.

Insgesamt sind in Amerika knapp 600.000 Autos mit einer Software zur Verschleierung der Abgaswerte ausgestattet. Die US-Behörden müssten den neuen Katalysator nur noch genehmigen, heißt es. Dann könnte der Konzern seine Serienproduktion starten.

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Tag der Entscheidung

Überzeuge das Konzept EPA-Chefin McCarthy nicht, stehe weiter der Rückkauf der betroffenen Fahrzeuge im Raum, heißt es in dem Bericht weiter. "Dann steht die Existenz von Volkswagen auf dem Spiel", zitierte die Zeitung einen VW-Manager.

Ein VW-Sprecher wollte am Wochenende lediglich bestätigen, dass den US-Behörden Lösungen für das Problem vorgelegt worden seien. Zu Details wollte er nichts sagen: "Das sind alles Spekulationen". Die zuständigen US-Stellen wollten sich am 14. Januar äußern - also am Tag nach dem Termin von VW-Chef Müller bei EPA-Chefin McCarthy in Washington.

Ein Art Außenminister für VW?

Nach Informationen von "Süddeutscher Zeitung", NDR und WDR will VW zudem eine angesehene Persönlichkeit gewinnen, die den Konzern in den USA künftig bei Politik und Behörden vertritt. Damit solle verloren gegangenes Vertrauen zurückgewonnen werden. "Wir brauchen einen Außenposten in den USA", hieß es aus Konzernkreisen. Der Repräsentant solle einen Neuanfang glaubwürdig verkörpern. Ein VW-Sprecher wollte sich dazu nicht äußern. "Personalspekulationen kommentieren wir nicht", hieß es auf Anfrage.

Dem Bericht zufolge ist Christine Hohmann-Dennhardt, die das neu geschaffene Vorstandsressort für Integrität und Recht bei VW übernommen hat, die treibende Kraft hinter dem Plan. Die Juristin hatte zuvor in ähnlicher Funktion bei Daimler geholfen, eine Schmiergeldaffäre zu bewältigen. Die Stuttgarter engagierten mit Ex-FBI-Chef Louis Freeh einen angesehenen Aufpasser, der darüber wachte, dass die Geschäfte nun sauber liefen. Das kam bei den US-Behörden gut an.

VW stelle sich aber nicht in erster Linie einen Chef-Aufpasser vor, sondern eher eine Art Außenminister, der Vertrauen schaffe, hieß es unter Berufung auf Konzernkreise weiter.  Das US-Justizministerium wirft Volkswagen in einer Klage vor, nach dem Bekanntwerden der Abgas-Affäre im September die Ermittlungen gebremst und behindert zu haben. Es drohen Milliardenstrafen in bislang schwer kalkulierbarer Höhe.

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Quelle: n-tv.de

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