SpotanalyseVolkswirte zum GfK-Konsumklima
Die Furcht vor dem Jobverlust und den Folgen der explodierenden Schuldenlast vieler Euro-Länder dämpft die Kauflaune der deutschen Verbraucher. Das Konsumklima trübt sich im März zum fünften Mal in Folge ein.
Die Furcht vor dem Jobverlust und den Folgen der explodierenden Schuldenlast vieler Euro-Länder dämpft die Kauflaune der deutschen Verbraucher. Das Konsumklima trübt sich im März zum fünften Mal in Folge ein, wie die GfK-Konsumforscher am Mittwoch mitteilten. Der GfK-Konsumklimaindex sank auf 3,2 Punkte von revidiert 3,3 Zählern im Februar. Von Reuters befragte Analysten hatten einen etwas stärkeren Rückgang auf 3,0 Punkte erwartet. Sie sagten in ersten Reaktionen:
Ulrike Kastens, Sal. Oppenheim:
"Das Konsumklima hält sich sehr gut. Es ist positiv, dass die Anschaffungsneigung der Konsumenten nach wie vor sehr gut ist. Es scheint ein gewisser Ersatzbedarf da zu sein, den man noch tätigen möchte.
Die Situation am Arbeitsmarkt wird sich nicht so verschlechtern, wie wir es uns gedacht haben. Darauf weist auch die Tarifeinigung in der Metallindustrie hin, bei der die Beschäftigungssicherung im Mittelpunkt steht. Der Anstieg der Arbeitslosigkeit fällt geringer aus als wir es befürchtet haben. Die Leute bleiben in Lohn und Brot. Das ist für die Stimmung positiv. Für die realen Ausgaben ist es trotzdem eine Belastung: Die Leute arbeiten weniger und bekommen weniger Geld, viele Sonderleistungen sind gestrichen, und deswegen kann man nicht damit rechnen, dass sich die Einkommenssituation verbessert. Das bedeutet letztlich, dass für den Konsum ein geringer Spielraum bleibt."
Jörg Löschow, WestLB:
"Das Konsumklima verschlechtert sich seit Herbst kontinuierlich. Anfangs hatte das etwas mit dem Auslaufen der Abwrackprämie zu tun, jetzt ist es eher die Sorge vor dem Verlust des Arbeitsplatzes. Hinzu kommt, dass die Energiepreise wieder recht deutlich steigen. Das belastet die real verfügbaren Einkommen. Wegen der steigenden Arbeitslosigkeit und der hohen Zahl der Kurzarbeiter sind auch keine größeren Lohnzuwächse drin. Die Konsumschwäche wird sich deshalb noch einige Monate fortsetzen.
Im ersten Quartal dürfte das Bruttoinlandsprodukt leicht sinken. Danach dürfte eine Erholung folgen, die aber holprig bleibt. Eine Rückkehr zu alten Wachstumsraten wird es vorerst nicht geben."
Alexander Koch, UniCredit:
"Das sind keine großen Überraschungen. Bei den Komponenten gab es keine riesigen Bewegungen. Anschaffungsneigung und Einkommenserwartung sind leicht gesunken, hier dürfte sich die anhaltend schlechte Arbeitsmarktlage bemerkbar machen. Das ist aber eine schleichende Bewegung, der Abwärtstrend wird sich nicht beschleunigen.
Wir hatten im zweiten Halbjahr 2009 eine Konsumrezession. Hier dürfte es in der Dynamik eine Verbesserung geben. Der Rückgang war allein eine Folge der Autoverkäufe, die nach dem Auslaufen der Abwrackprämie zurückgegangen sind. Die Kern-Einzelhandelsumsätze sind dagegen noch gestiegen.
Die Aussichten für das erste Quartal sind unsicher. Wir erwarten zwar noch ein deutliches Wachstum, aber die Abwärtsrisiken sind groß. So leidet der Bau unter dem kalten Wetter, und wie es mit den Lagerbeständen weitergeht, ist unsicher. Immerhin sieht es bei den Exporten gut aus."