Wirtschaft
(Foto: Gatesnotes)

Wie man die Probleme der Welt löst: Von Melinda und Bill Gates lernen

Von Diana Dittmer

Sie sind das nette Paar von nebenan. Trotzdem sind sie anders: Die Gates sind nicht nur unfassbar reich, sondern auch immer auf großer Mission. Jetzt verraten sie, welche Superkräfte sie sich wünschen. Und versprechen ein Wunder - in 15 Jahren.

80 Milliarden Dollar - Wie kann man nur ein so großes Vermögen aus eigener Kraft verdienen? Dass man vor so viel Schaffenskraft und geballtem Wissen nicht in Ehrfurcht erstarrt, hat eigentlich nur einen Grund: Melinda und Bill Gates kommen rüber wie das nette Paar von nebenan. Genau dieses Bild füttern sie auch immer wieder gerne mit kleinen Details an.

Supermann und Superfrau Gates im Interview.
Supermann und Superfrau Gates im Interview.(Foto: REUTERS)

Der Jahresbrief der Gates ist wieder einer dieser Momente. Diesmal erfährt man zum Beispiel, dass Bill gerne zum Frühstück Cocoa Puffs und Melinda Wheat Chex isst, und dass er gerne ein Bonobo, also ein Zwergschimpanse, und Melinda ein weißer Leopard wäre. Außerdem geben sie preis, dass sie keine Supermenschen sind, sondern eigentlich mit fast ganz alltäglichen Problemen kämpfen. So klagt Melinda Gates zum Beispiel wie viele andere Menschen über mangelnde "Zeit" und Bill über fehlende "Energie".

"Zeit" und "Energie"

Das hört sich simpel an, ganz so simpel ist es jedoch nicht. Die Gates sind eben doch anders. Ihre Wünsche haben nämlich nichts mit mehr oder weniger banalen Sorgen eines alten Ehepaars in den USA zu tun. Melinda wünscht sich nicht mehr Zeit, um zum Frisör zu gehen. Was sie möchte, ist, mehr Zeit für Frauen generell, damit diese ihre Potenziale jenseits von Haushalt und Kindern entfalten können. Ihr Mann, Microsoft-Gründer Bill Gates, denkt in noch größeren Dimensionen: Für ihn steht die Lösung der globalen Energieprobleme über allem anderen.

Die Inspiration für den diesjährigen Rundbrief, der sich an die Jugend richtet, war ein Fragenkatalog von High-School-Schülern aus Kentucky. Die Lieblingsfrage des netten reichen Paares von nebenan war, welche Superkräfte sie denn gerne hätten. Ihre spontane Antwort darauf, "Zeit" und "Energie", hätte ihnen zu denken gegeben, schreiben Melinda und Bill. Hinter diesen simplen Antworten, so hätten sie sehr schnell erkannt, würde sich doch viel mehr verbergen, wenn man sie von der Warte der ärmsten Familien dieser Welt betrachten würde.

"Armut ist mehr als nur das Fehlen von Geld", beschreiben Bill und Melinda diesen Erkenntnisgewinn in ihrem Brief. Armut habe mit dem "Fehlen von Ressourcen" zu tun. Kritisch seien das Fehlen von "Zeit" und "Energie".

Machbare Wunder sind gefragt

Ohne eine Lösung des Energiemangels für Milliarden Menschen seien alle Mühen gegen Armut umsonst, führt Bill das Thema dann weiter aus. Mehr als eine Milliarde Menschen auf dieser Welt hätten keinen Zugang zu Energie, keinen Strom und keine Heizung. Hinzu käme die mangelnde Zeit und Energie, die Knochenarbeiten zu verrichten, die nötig werden, wenn man keinen Strom hat. Das Power-Paar appelliert an die jungen Menschen, die Herausforderungen der Zeit anzunehmen und Lösungen für die Probleme zu finden.

Wegen des Klimawandels müsste alle Energieversorgung rasch auf eine Basis ohne fossile Brennstoffe umgestellt werden, führt Bill Gates das Thema weiter aus. "Wir brauchen ein Wunder", räumt er ein. Er meint damit aber nichts Unmögliches, sondern vielmehr einen realistischen Durchbruch in der Art, wie es sie schon viele gegeben hat: Computer, Internet oder die Polio-Impfung. Große Erfindungen eben, die aus dem menschlichen Forschergeist resultieren. Hoffnungen setzt Gates zum Beispiel auf Winddrachen, die hoch oben in der Stratosphäre Strom erzeugen. Der Vorteil hierbei: In diesen Höhen weht der Wind konstant, die Drachen würden also Strom wie ein herkömmliches Kraftwerk liefern.

Eine Lösung für unser Energieproblem muss möglich sein, lautet die Botschaft. Egal wie sie aussieht. An Geld soll es dabei nicht mangeln. Dafür wollen die Gates - nicht das erste Mal - sorgen. Aus ihrem Vermögen haben die beiden bereits zwei Milliarden Dollar versprochen. Weil das nicht ausreichen wird, gründete der Microsoft-Gründer mit anderen Multimilliardären - mit denen er durch seine philanthropische Kampagne "The Giving Pledge" gut vernetzt ist - die Initiative "Breakthrough Energy Coalition". Flankiert wird sie von einer Allianz aus 20 Staaten namens "Mission Innovation". Sie sicherten zu, ihre Forschungsbudgets für erneuerbare Energien kräftig zu erhöhen.

Die Frage bleibt: Hilft viel auch viel?

Angesichts der geballten Kraft aus Geld und Macht wagt Gates eine konkrete Prognose: "Ich wage die Vorhersage, dass innerhalb der nächsten 15 Jahre die Welt einen Durchbruch für saubere Energie finden wird, der unseren Planeten rettet." Ein genauer Rettungsplan fehlt dem Microsoft-Gründer und Berufsstiftungsgründer zwar noch, aber ihm ist eins klar: "Wir brauchen eine Riesenmenge an Forschung in Tausende neuer Ideen, auch solche, die etwas verrückter klingen mögen". Nach dem Motto: Irgendeinen Treffer werde man schon landen.

Das Gießkannenprinzip ist neu für die Gates. Für ihre Stiftung haben sie entschieden, den Rat des dänischen Klimaskeptikers Björn Lomborg zu befolgen, der ihnen von dem Viel-hilft-viel-Ansatz abriet, weil er Geldverschwendung sei. Stattdessen empfahl er ihnen die Konzentration auf Projekte mit günstigerem Kosten-Nutzen-Verhältnis – so praktiziert es die Gates-Stiftung auch bis heute. Doch viele Entscheidungen liegen sowieso schon in der Hand der nächsten Generation. Bill Gates ist inzwischen 60 Jahre alt.

Gute Denkanstöße sind die Initiativen von Superfrau und Supermann Gates allemal. Mut und Selbstvertrauen vermitteln sie der nächsten Generation auch: "Ihr werdet wie Clark Kent sein, der in sein Alter Ego schlüpft. Und ihr werdet ohne Kostüm Superkräfte entwickeln, deren Ihr Euch nicht einmal bewusst wart", lauten die letzten Worte des Powerpaares. Zeit und Energie für solche Ansprachen haben sie offenbar genug.

Quelle: n-tv.de

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