Wirtschaft
Die deutsche Wirtschaft wächst inzwischen über ihrem Produktionspotenzial.
Die deutsche Wirtschaft wächst inzwischen über ihrem Produktionspotenzial.(Foto: picture alliance / Julian Strate)
Donnerstag, 28. September 2017

Kräftiger Aufschwung: Wachstum wird noch robuster

Noch steht die neue Regierung nicht - doch die Wirtschaftsaussichten klingen rosig: mehr Wachstum, weniger Arbeitslose, höhere Steuereinnahmen. Doch die Konjunkturforscher haben auch ein paar Forderungen an die Politik.

Die führenden deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute zeigen sich optimistischer für die weitere Entwicklung des Wachstums als noch im Frühjahr. In ihrem Herbstgutachten schraubten sie ihre Wachstumserwartungen nach oben. Auch auf dem Arbeitsmarkt setzt sich die positive Entwicklung fort - allerdings deuteten sich hier erste "Anspannungen" an. Manchen Branchen fehlten schlicht geeignete Bewerber. Zugleich prognostizieren sie der Bundesregierung einen wachsenden Haushaltsüberschuss. Dies biete wiederum Spielräume für Steuersenkungen und geringere Sozialabgaben.

In ihrem Herbstgutachten sagten die Ökonomen für dieses Jahr einen Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 1,9 Prozent und für nächstes Jahr um 2,0 Prozent voraus. Damit hoben sie ihre Prognosen vom April kräftig an. Für 2019 sehen sie 1,8 Prozent Wachstum. "Der Aufschwung der deutschen Wirtschaft hat an Stärke und Breite gewonnen", konstatierten die Konjunkturforscher. Neben den Konsumausgaben trügen nun auch das Auslandsgeschäft und die Investitionen zur Expansion bei. Die Wirtschaftsleistung nehme in diesem und im nächsten Jahr stärker zu als die Produktionskapazitäten wachsen. Im Ergebnis steige die gesamtwirtschaftliche Auslastung, und die Wirtschaftsleistung liege über dem Produktionspotenzial.

Konjunktur zwingt zu Investitionen

Die Arbeitslosigkeit geht nach der Prognose der Institute weiter zurück, die Quote sinkt nach ihren Berechnungen auf 5,5 Prozent im kommenden und 5,2 Prozent im übernächsten Jahr. Allerdings wird sich der Beschäftigungsaufbau verlangsamen, warnten die Forscher. Der Anstieg der Verbraucherpreise wird nach ihrer Erwartung mit 1,7 Prozent in diesem und im kommenden Jahr merklich höher ausfallen als noch 2016. Für 2019 wird ein weiteres Anziehen auf 1,8 Prozent erwartet.

Die Investitionstätigkeit kommt laut den Ökonomen spürbar in Gang. Denn angesichts der hohen Kapazitätsauslastung dürften die Unternehmen mehr und mehr in die Erweiterung investieren. Etwas schwächer dürfte der weitere Anstieg der privaten Konsumausgaben ausfallen. Grund seien steigende Abgaben und die wieder anziehende Inflation.

Der Konjunkturchef des Kieler Instituts für Weltwirtschaft, Stefan Kooths, warnte aber vor zunehmenden wirtschaftlichen Anspannungen. "Da die Konjunktur bereits seit einiger Zeit kräftig aufwärtsgerichtet ist, machen sich in einigen Segmenten der Wirtschaft erste Zeichen einer Anspannung bemerkbar", sagte er. Insbesondere in der Baubranche gäben mehr und mehr Unternehmen an, dass ein Mangel an Arbeitskräften ihre Produktion beeinträchtige.

Sozialsysteme entlasten

Die Finanzlage des Staates wird sich nach der Prognose der Wirtschaftsforscher weiter verbessern. Für dieses Jahr deute sich ein Haushaltsüberschuss des Staates von 28 Milliarden Euro an. Im kommenden Jahr könnten - gemäß aktueller Planung - die Einnahmen die Ausgaben schon um 37 Milliarden Euro übersteigen und für 2019 prognostizieren die Forscher ein Plus von 44 Milliarden Euro.

Vor diesem Hintergrund plädierten sie für Steuersenkungen sowie geringere Sozialabgaben. Spielräume bestünden vor allem bei der Arbeitslosenversicherung. Zudem könnte nach der Analyse der Forscher die gesetzliche Rentenversicherung "konsequenter von versicherungsfremden Leistungen entlastet werden".

Quelle: n-tv.de

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