Wirtschaft
Den Bond-Markt im Fokus, aber auch immer ein Auge auf den Aktienmarkt: Dessen Revival kommt bestimmt.
Den Bond-Markt im Fokus, aber auch immer ein Auge auf den Aktienmarkt: Dessen Revival kommt bestimmt.(Foto: picture alliance / dpa)

Bond-Rally geht weiter: Warten auf das Aktien-Revival

Dax, EuroStoxx und Co. können auf satte Gewinne schauen. Das Problem dabei: die vergleichsweise geringen Volumina. Nur wenige Investoren waren auf dem Weg nach oben dabei. Ganz anders das Bild am Bond-Markt. Und allen Unkenrufen zum Trotz wird sich daran auch so schnell nichts ändern.

Video

Totgesagte leben länger: Seit Monaten sagen Marktstrategen ein Ende der Bond-Rally voraus und preisen die Vorteile der Aktie. Anleihen werfen kaum etwas ab, und die Inflation frisst noch die letzte Rendite au f - so trommeln viele Fondsgesellschaften für einen Wechsel in Dividendentitel. Bewertung, Inflationsschutz und Gewinnbeteiligung machten den Schwenk "alternativlos", erklären die Experten. Doch Investoren hängen anscheinend stärker an ihren Anleihen als gedacht. Das Aktien-Revival lässt auf sich warten.

"Bislang sehen wir keinen großen Schwenk von Renten in Aktien", stellt Allianz Global Investors fest, einer der großen deutschen Fondsanbieter. "Wir haben nach wie vor die stärksten Zuflüsse in Rentenpapiere und in Produkte, die auf eine Mischung verschiedener Anlageklassen setzen. Bei Aktien sehen wir eine leicht positive Entwicklung, aber sie stehen definitiv noch nicht vorn auf der Agenda."

Die Nachfrage nach den als vergleichsweise riskant geltenden Aktienfonds hat sich zuletzt belebt, ist aber bislang "mehr eine kleine Schwingung denn eine große Rotation", so eine aktuelle Europa-Studie der Thomson-Reuters-Tochter Lipper.

Bonds bleiben gefragt

Auf den ersten Blick überraschen diese Aussagen: Immerhin sind die Aktienmärkte in den vergangenen Monaten steil gestiegen. So hat der Index der 50 größten börsennotierten Unternehmen der Eurozone seit Juni fast 30 Prozent zugelegt. Das Problem dabei: die vergleichsweise geringen Volumina. Nur wenige Investoren waren auf dem Weg nach oben dabei.

Anders am Anleihemarkt: Sowohl Staats- als auch Unternehmensanleihen stehen bei Investoren seit Monaten hoch im Kurs. Selbst eine schlechte Kreditwürdigkeit von Firmen schreckt Anleger bislang nicht ab, lediglich um Staatsanleihen hochverschuldeter Länder machten sie lange einen Bogen. Aber das ändert sich allmählich. Am Euro-Bond-Markt sammelten Unternehmen nach Angaben der LBBW allein seit Januar gut 28 Mrd. Euro ein, das ist noch mehr als im bereits sehr starken Vorjahreszeitraum. Die Analysten der WGZ Bank gehen davon aus, dass das Emissionsvolumen 2013 mit 200 Mrd. bis 230 Mrd. Euro in Reichweite des starken Vorjahres bleiben wird. 

Nach Einschätzung von Analysten verhindern die klaren Vorgaben, die viele Vermögensverwalter für ihre Investments haben, eine drastische Umschichtungen von Bonds in Aktien. "Viele Gelder sind rein formal bestimmten Anlageklassen wie Anleihen, Aktien oder Cash zugeteilt", sagt Geldmarkt-Analyst Alex Roever von JP Morgan in New York. "Änderungen dieser Quoten erfolgen nur marginal, das ist ein sehr langwieriger Prozess." So legen zum Beispiel deutsche Versicherer die Gelder ihrer Kunden traditionell sehr konservativ an. In der Regel haben sie eine Aktienquote von weniger als zehn Prozent.

Zudem wird die demografische Entwicklung als Grund für eine bleibende Attraktivität von Bonds genannt. Ältere Menschen seien nicht allzu flexibel mit ihren Investments, und viele von ihnen dürften ihr Geld in den vergangenen Jahren in relativ sichere Anlagen gepackt haben, sagt Zinsstrategin Ira Jersey von der Credit Suisse in New York.  "Ich habe keine Ahnung, wie viele 60-Jährige wohl ihre Anleihen, die sie in den vergangenen zwei Jahren gekauft haben, verkaufen werden, um das Geld dann in Aktien anzulegen."

Quelle: n-tv.de

Video-Empfehlungen
Empfehlungen