Wirtschaft

Eine Frage des Vertrauens: Warum Bundesbank-Gold im Ausland bleibt

Von Jan Gänger

Die Bundesbank holt einen Großteil ihrer Goldreserven aus dem Ausland nach Deutschland. Allerdings werden auch künftig viele Barren in New York und London liegen. Wieso?

Die Bundesbank besitzt den zweitgrößten Goldschatz aller Zentralbanken: 3384 Tonnen im Wert von rund 107 Milliarden Euro waren es Ende vergangenen Jahres. Ein Großteil davon lagert nicht im heimischen Keller in Frankfurt, sondern im Ausland. Seit 2013 holt die Bundesbank Gold nach Deutschland, bis zum Jahre 2020 sollen Hunderte Tonnen New York und Paris verlassen. Doch dann soll immerhin noch die Hälfte der Reserven außerhalb Deutschlands verbleiben.

Das hat vor allem einen Grund: "Gold kann im Krisenfall beliehen oder in eine andere Währung getauscht werden", sagt Bundesbank-Vorstand Carl-Ludwig Thiele. Darum ist es sinnvoll, einen Großteil der Bestände an den Goldhandelsplätzen New York und London aufzubewahren.

Und so soll nach Abschluss der Rückholaktion nur die Hälfte der deutschen Goldreserven in Frankfurt gelagert werden. 37 Prozent wird die US-Notenbank Fed in New York und 13 Prozent die Bank of England in London verwahren. Das Lager in Paris wird aufgelöst. Ende vergangenen Jahres befanden sich 35 Prozent der Goldreserve in Frankfurt, 43 Prozent in New York, 13 Prozent in London und 9 Prozent in Paris.

Dass ein so großer Teil des Goldes im Ausland lagert, liegt nicht nur an der Möglichkeit, das Edelmetall im Krisenfall in stabile Währungen tauschen zu können. Es liegt auch an historischen Gründen.

Ab Mitte 1951 baute die Bank deutscher Länder als Vorgängerin der Bundesbank erste Goldreserven auf, in den 50er und 60er Jahren wuchs der deutsche Goldschatz rasant: Die Wirtschaftswunderjahre brachten der Bundesrepublik dank des boomenden Exports viele Dollar ein, die bei der US-Zentralbank gegen Goldforderungen eingetauscht werden konnten. Während des Kalten Krieges war es zudem gewollt, deutsches Gold außerhalb der Landesgrenzen im befreundeten Ausland aufzubewahren.

Im Ernstfall eines bewaffneten Konflikts wären Truppen des Warschauer Pakts nach Einschätzung von Militärs auf beiden Seiten wohl binnen weniger Tage bis an den Rhein vorgerückt. Für westliche Strategen besonders problematisch: Der Sitz der Deutschen Bundesbank in Frankfurt am Main liegt nur wenige Autostunden von der ehemaligen innerdeutschen Grenze entfernt mitten im sogenannten Fulda-Gap, im damaligen Nato-Jargon das wahrscheinlichste Einfallstor feindlicher Truppen.

Dieses Szenario ist Geschichte. Und da Frankreich und Deutschland mit dem Euro eine gemeinsame Währung haben, ist für den Standort Banque de France das Argument hinfällig, das Edelmetall rasch in eine sichere Devise umtauschen zu können. Für New York und dem größten Gold-Handelsplatz London gilt das nicht.

Rechnungshof will Inventur

Dass die Bundesbank ihre Vorräte in New York trotzdem reduziert, hat politische Gründe. Immer wieder wurde vereinzelt behauptet, die Goldreserven im Ausland seien viel geringer als von der Bundesbank genannt. Ein weiterer beliebter Vorwurf: Die Barren würden einen Kern aus Blei besitzen und damit einen geringeren Goldanteil haben. Andere fürchten, im Krisenfall könne die Bundesbank auf ihre ausländischen Reserven womöglich nicht zugreifen. Und im Herbst 2012 fordert der Rechnungshof eine Inventur, nachdem eine öffentliche Debatte um die Sicherheit des deutschen Goldes entbrannt war.

Die Bundesbank entschied sich daraufhin, die Vorräte in Deutschland aufzustocken und bemüht sich seitdem um mehr Transparenz. Das ist insofern konsequent, als dass sie dem Vertrauen in die Währung einen besonderen Stellenwert einräumt. Deshalb erfüllt das in Frankfurt gelagerte Gold einen wichtigen Zweck: "Als Teil der Währungsreserve baut Gold zusätzliches Vertrauen in die Stabilität einer Währung auf", sagt Bundesbank-Vorstand Thiele.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen