Wirtschaft
Ohne Arbeitshemd und Schutzhandschuhe: Fleischer zerlegen ein Schwein in einem Markt im chinesischen Shenyang.
Ohne Arbeitshemd und Schutzhandschuhe: Fleischer zerlegen ein Schwein in einem Markt im chinesischen Shenyang.(Foto: dpa)

Banger Blick auf Preise in China: Warum Schweinefleisch Börsen bewegt

In China wird Schweinefleisch billiger, und weit entfernt werden Anleger nervös. Dabei könnte der niedrige Preis für die Lieblingsspeise auch als gute Nachricht interpretiert werden.

Schweinefleisch ist das am meisten verzehrte Fleisch in China. Wie billig oder teuer es gerade ist, hat gerade für den ärmeren Teil der Bevölkerung große Auswirkungen auf den täglichen Speiseplan. Entsprechend ist es im Verbraucherpreisindex stark gewichtet - wie stark, verraten Chinas Statistiker nicht. Analysten schätzen jedoch, dass Nahrungsmittel insgesamt zu einem Drittel zum Preisindex beitragen und Schweinefleisch alleine zu einem Zehntel. Damit ist es der größte Posten im Warenkorb.

Im September hat sich der Preisanstieg bei Schweinefleisch von 19,6 Prozent im Vormonat auf 17,4 Prozent verlangsamt. Entsprechend fiel der Anstieg der gesamten Verbraucherpreise zahmer aus -die Preise kletterten um lediglich 0,1 Prozent nach 0,5 Prozent im August. Im Vorjahresvergleich stiegen die Preise um 1,6 Prozent. Ökonomen hatten einen Anstieg um 1,8 Prozent erwartet. Bei den Produzentenpreisen ging es im September wie schon im Vormonat um 5,9 Prozent nach unten.

Die Inflationszahlen lösten an den Börsen Ängste aus, dass sich die chinesische Wirtschaft noch weiter abkühlen könnte. Nach einer Wachstumsrate von 7,3 Prozent im vergangenen Jahr rechnen Ratingagenturen und der IWF im laufenden Jahr nur noch mit 6 Prozent - und das gilt noch als optimistisch.

Volkswirte warnen jedoch davor, die jüngsten Inflationszahlen überzubewerten. Da die schwächere Preisentwicklung vor allem auf den deutlichen Rückgang bei Nahrungsmitteln zurückzuführen sei, dürfte sie nur vorübergehend sein, meinen etwa die Ökonomen von Capital Economics.

Andere Analysten weisen darauf hin, dass die Inflationsschwäche zwar die konjunkturelle Abkühlung in China reflektiere, gleichzeitig jedoch die Wahrscheinlichkeit für eine weitere Lockerung der Geldpolitik der Bank of China erhöhe. Das würde wiederum den Börsen noch mal Schubkraft geben.

Nicht zuletzt ist das billige Schweinefleisch gut für den sozialen Frieden in China - und für die kommunistische Führung in Peking. Denn wie ein chinesisches Sprichwort sagt: Dem Volk ist das Essen der Himmel.

Quelle: n-tv.de

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