Wirtschaft
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Freitag, 10. Februar 2017

"Kauft amerikanisch": Warum Trump Japan-Bashing betreibt

Von Jan Gänger

Shinzo Abe steht vor einer gewaltigen Herausforderung: Der japanische Premier trifft Donald Trump - und damit auf einen US-Präsidenten, der davon überzeugt ist, dass Japan die USA rücksichtslos ausnutzt.

Japan gehörte im Wahlkampf zu den bevorzugten Zielen von Donald Trump. Neben China und Mexiko rangierte das Land in dieser Hinsicht ganz weit oben. Nach seinem Triumph wurde der neue US-Präsident zwar zurückhaltender, verstummt ist die Kritik an Japan aber nicht. Mit anderen Worten: Wenn der japanische Ministerpräsident Shinzo Abe heute zu einem zweitägigen Besuch in den USA eintrifft, gibt es mit Trump sehr viel zu besprechen.

Trump wirft Japan seit Jahren vor, die USA auszunutzen - und zwar auf zweierlei Art und Weise: Zum einen halte Japan den Yen zum Dollar künstlich schwach, steigere so seine Exporte in die USA und erschwere zugleich US-Firmen den Verkauf ihrer Produkte in Japan. Zum anderen genieße das Land den Schutz des US-Militärs und gebe deshalb viel zu wenig für die eigenen Streitkräfte aus. "Wir haben einen Vertrag mit Japan: Wenn Japan attackiert wird, müssen wir sie mit aller Macht und Kraft der USA verteidigen", schimpfte Trump im vergangenen Juni auf einer Wahlkampfveranstaltung in Iowa. "Wenn wir angegriffen werden, muss Japan gar nichts tun. Sie können zuhause sitzen und Sony-Fernsehen gucken."

Das weckte in Japan neue Zweifel daran, ob die USA auch unter dem neuen Präsidenten dem Land bei einem Angriff beistehen würden. Zuvor hatte Trump laut darüber nachgedacht, US-Truppen aus Japan abzuziehen, sofern das Land nicht mehr Geld dafür bezahle. Japan sieht sich militärisch vor allem durch das Atomprogramm Nordkoreas und Gebietsansprüche Chinas bedroht.

Der neue US-Verteidigungsminister James Mattis sicherte Japan zwar kürzlich den uneingeschränkten Schutz seines Landes zu. Doch der erratische Charakter Trumps dürfte dafür sorgen, dass die Bedenken Japans in dieser Hinsicht bestehen bleiben.

Trump und Abe dürften aber in erster Linie über die wirtschaftlichen Beziehungen reden. Denn der US-Präsident wirft Japan vor, die USA ökonomisch regelrecht auszubeuten. Im Wahlkampf unterstellte er dem Land mehrfach, den Yen durch ultra-lockere Geldpolitik künstlich niedrig zu halten, um sich so unfaire Vorteile zu verschaffen. Ein Beispiel: "Das transpazifische Abkommen [TPP] ist ein Angriff auf Amerikas Unternehmen. Es stoppt Japans Währungsmanipulationen nicht. Das ist ein schlechter Deal."

Trump will das TPP-Abkommen nicht ratifizieren, es ist damit so gut wie beerdigt. Das ist durchaus konsequent. Schließlich hat der US-Präsident das Freihandelsabkommen im Wahlkampf als "Vergewaltigung unseres Landes" bezeichnet, weil es Arbeitsplätze in den USA vernichte. Für die japanische Regierung ist das eine schlechte Nachricht: Sie hatte große Hoffnungen in TPP gesetzt, um China besser Paroli bieten zu können.

"America first"

Trump betrachtet Handel nicht als etwas, von dem beide Seiten profitieren. Er sieht darin einen Wettstreit, in dem die Gewinne der einen Seite die Verluste der anderen Seite sind. Daraus resultiert seine Abneigung von Freihandel und Sympathie für Handelsprotektionismus. Sein Motto lautet: "America first". In Trumps Version von Kapitalismus gilt das Recht des Stärkeren.

Wenn Handelsverträge abgeschlossen werden, sollen es seiner Ansicht nach bilaterale Verträge sein. Trump ist davon überzeugt, dann bessere Bedingungen für die USA herauszuholen. Wie er sich solche Deals vorstellt, beschrieb Trump 1990 in einem Interview mit dem "Playboy": "Ich werde alles verlangen, was ich kriegen kann. Wenn Sie Geschäfte machen, bringen Sie die Leute bis an den Rand des Zusammenbruchs, ohne dass dieser eintritt. (…) Das zeichnet einen guten Geschäftsmann aus. Andere würden lange vor dem 'Breaking Point' aufhören."

Unabhängig davon, ob darin auch Prahlerei steckt: "Vor einigen Jahren hat mich Donald Trump zum Mittagessen in sein Apartment in Manhattan eingeladen", erinnert sich Virgin-Gründer Richard Branson an seine erste Begegnung mit Trump. "Noch ehe die Vorspeise kam, erzählte er mir, wie er nach seiner jüngsten Pleite einige Leute um Hilfe gebeten habe – und fünf davon ablehnten. Er sagte mir, dass er den Rest seines Lebens damit verbringen werde, diese fünf Menschen zu zerstören."

Abe bringt Zusagen mit

Abe steht offensichtlich vor einer gewaltigen Aufgabe und muss viel Überzeugungsarbeit leisten. Berichten zufolge hat er zahlreiche Geschenke im Gepäck. Unter anderem will er demnach bei seinem Besuch verkünden, dass Toyota Milliarden in den USA investieren werde. Den Konzern hatte Trump im Januar direkt kritisiert: "Toyota hat angekündigt, eine neue Fabrik in Mexiko zu errichten, um dort Corolla-Modelle für die USA zu bauen. NIEMALS! Baut eine Fabrik in den USA oder zahlt eine hohe Grenzsteuer", twitterte Trump.

Insgesamt soll Abe Investitionszusagen von 400 Milliarden Dollar im Gepäck haben. Allerdings ist nach Angaben der "Financial Times" selbst in Japan unklar, ob es sich dabei lediglich um die Bündelung bestehender Pläne handelt. Zudem sollen die Vorhaben unter anderem Technologie für Hochgeschwindigkeitszüge umfassen. Das würde sich nicht mit Trumps Maximen "Amerika zuerst" und "Kauft amerikanisch" vertragen.

Ob es Abe gelingen wird, Trump gewogen zu stimmen? Viel Sympathie scheint der Präsident Japan nicht entgegenzubringen. Auf einer Wahlkampfveranstaltung machte er sich über das angebliche Verhalten japanischer Geschäftspartner lustig. Wie die Chinesen würden sie ein Gespräch nicht mit Freundlichkeiten beginnen. Kaum hätten sie den Raum betreten, käme ein "Wir wollen Deal", lästerte Trump in gebrochenem Englisch. Sein Publikum lachte.

Mehrfach erinnerte Trump in der Vergangenheit auch an den japanischen Überfall auf Pearl Harbour im Zweiten Weltkrieg: "Spricht Präsident Obama jemals über den Überraschungsangriff (…), während er in Japan ist? Tausende amerikanische Leben verloren", twitterte er im Mai vergangenen Jahres. Durch Trumps Sicht auf Japan zieht sich ein Narrativ: Eine Nation, gegen die die USA in den Krieg ziehen mussten und die sie dann besiegten, verhält sich sowohl undankbar als auch unfair und nutzt die USA gnadenlos aus.

Doch mit Japan ist es wohl wie mit der Nato. So richtig kann sich Trump nicht entscheiden, was er von dem Land hält: "Ich liebe Japan", sagte er im Wahlkampf. "Wir werden eine großartige Beziehung zu Japan haben." Was er darunter versteht, ließ er offen.

Quelle: n-tv.de

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