Wirtschaft
Wie das Referendum ausgeht, ist offen.
Wie das Referendum ausgeht, ist offen.(Foto: REUTERS)

Wetten auf den Brexit: Was wird aus dem Britischen Pfund?

Von Gian Hessami

Der mögliche Austritt der Briten aus der EU belastet das Pfund. Experten glauben jedoch, dass der Devisenmarkt übertreibt und rechnen damit, dass sich die britische Währung wieder erholt. Davon könnten Anleger profitieren.

"Should I stay or should I go?", heißt ein bekannter Song der englischen Punkrockband "The Clash" aus den 1980er-Jahren. Soll ich bleiben oder gehen? Das fragt sich derzeit ganz Britannien. Jüngst verkündete Premier David Cameron, dass die Briten per Referendum am 23. Juni über den Austritt aus der EU entscheiden werden. Anschließend brach die britische Währung gegenüber dem US-Dollar um mehr als zwei Prozent ein.

Das Pfund befindet sich schon länger auf dem absteigenden Ast. Zu Jahresbeginn bekam man für einen Euro noch 0,737 Pfund – jetzt sind es hingegen 0,773 Pfund. Damit legte der Euro gegenüber dem Sterling um rund fünf Prozent zu. Die Unsicherheit an den Märkten wurde zuletzt durch den Londoner Bürgermeister Boris Johnson noch verstärkt, als dieser für den britischen Ausstieg, den sogenannten Brexit, warb. Der in Großbritannien beliebte konservative Politiker gilt als ernst zu nehmender Gegenspieler Camerons, der für den Verbleib der Briten in der EU kämpft.

Die Brexit-Debatte bewegt also nicht nur die Politik, sondern auch die Devisen. Der Devisenmarkt ist – betrachtet man alle Währungen, die gehandelt werden – mit einem Tagesumsatz von rund fünf Billionen US-Dollar der liquideste Markt der Welt. Kein Wunder, denn er bildet die globalen Warenströme ab. Hinzu kommt, dass alle internationalen Konzerne täglich mit Währungen handeln, um ihre Geschäfte gegen Währungsverluste abzusichern.

Privatanleger können mit Optionsscheinen von den Kursbewegungen überdurchschnittlich profitieren. Wer eine Marktmeinung zur künftigen Devisenentwicklung hat, kann mit Call-Scheinen auf steigende Währungskurse oder mit Put-Scheinen auf einen fallenden Wechselkurs setzen. Die Bezugsgröße ist stets die erstgenannte Währung des Währungspaares. So bedeutet ein Put-Schein auf das Währungspaar Euro/US-Dollar, dass man auf einen fallenden Euro gegenüber dem Greenback setzt. Weiterhin wichtig zu wissen: Optionsscheine sind Hebelprodukte. Geht die Spekulation auf, profitieren Anleger überproportional von Kursbewegungen. Geht jedoch die Wette schief, verlieren sie viel Geld – im schlechtesten Fall erleiden sie einen Totalverlust.

"Ängste sind übertrieben"

Was ist nun mit dem Pfund? In den vergangenen Wochen verlor die britische Währung gegenüber dem Euro deutlich an Boden. Jetzt also alles auf die steigende europäische Leitwährung setzen? Das könnte gefährlich werden. Der Haken: An der Börse wird die Zukunft gehandelt. Das heißt, die Brexit-Unsicherheit ist schon im aktuellen Kurs eingepreist.

"An der Entwicklung des britischen Pfunds kann man ablesen, dass die Ängste vor einem Brexit übertrieben sind", sagt Jochen Stanzl, Marktanalyst des Brokers CMC Markets gegenüber n-tv.de. Beim Blick auf die Charttechnik befinde sich der Euro gegenüber dem Pfund bei 0,80 in einem Widerstandsbereich. "Daher könnte die britische Währung bereits das Schlimmste hinter sich haben", so Stanzl.

Jens Klatt, Marktanalyst vom Broker FXCM, sieht dies auf Nachfrage von n-tv.de ähnlich: "Das britische Pfund besitzt zum Euro Aufwertungspotenzial." Klatt erwartet, dass die Europäische Zentralbank künftig ihre expansive Geldpolitik wieder verstärkt und damit den Euro abwertet. "Ich gehe davon aus, dass das Währungspaar Euro/Britisches Pfund mittelfristig nicht über 0,80 steigen wird." Klatt schätzt, dass der Euro mittelfristig zwischen 0,70 und 0,75 notiert. "Mittelfristig" heißt für ihn ab Ende Juni/Anfang Juli. "Sprich, wenn das Referendum in Großbritannien durch ist und dort mit 'Nein' gestimmt wurde – wovon ich aktuell ausgehe", fügt Klatt hinzu.

Risikobereite Anleger, die ebenfalls an das Aufwärtspotenzial des Sterlings gegenüber der europäischen Leitwährung glauben, können mit Put-Optionsscheinen auf das Währungspaar EUR/GBP spekulieren. Geht die Wette nicht auf, können auch sie das Lied der Briten singen, das häufig auch zur Börse passt: "Should I stay or should I go?"

Dieser Beitrag stellt keinerlei Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Aktien oder Anlageprodukten dar. Für die Richtigkeit der Daten wird keine Haftung übernommen.

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Quelle: n-tv.de

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