Wirtschaft
Waschmaschinen werden zum ersten Testfall für Donald Trumps "America First"-Politik.
Waschmaschinen werden zum ersten Testfall für Donald Trumps "America First"-Politik.(Foto: REUTERS)
Donnerstag, 12. Oktober 2017

Profite dank Protektionismus: Waschmaschinen-Krieg entlarvt America First

Von Hannes Vogel

Donald Trump macht nun sogar Haushaltsgeräte zum Schlachtfeld seiner Handelspolitik. Um fairen Handel geht es dabei kein bisschen. Sondern um Wirtschaftsnationalismus, für den die zahlen, die er angeblich schützen will.

Wie absurd Donald Trumps "America First"-Politik ist, zeigt sich derzeit an einem Alltagsgegenstand: Waschmaschinen sind in den USA zum Schlachtfeld der Handelspolitik geworden. Whirlpool, ein altehrwürdiger Weiße-Ware-Hersteller aus Michigan, verliert zunehmend Marktanteile an innovativere, günstigere Konkurrenten. Das passiert in der Wirtschaft eigentlich jeden Tag: Amazon verdrängt die Buchläden, Netflix die Videotheken und Wikipedia den gedruckten Brockhaus.

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Doch weil die Whirlpool-Rivalen Samsung und LG heißen, aus Südkorea kommen und Trump US-Präsident ist, geht die Geschichte diesmal anders aus: Die US-Handelskommission hat entschieden, dass der größte Haushaltsgerätehersteller der Welt vor ausländischer Konkurrenz geschützt werden muss. Trump wird nun voraussichtlich Anfang 2018 über Zölle und andere Strafmaßnahmen entscheiden.

Zwar hatte schon die Obama-Administration Samsung und LG wegen Dumping angezählt: Aus deren Sicht verkauften beide Firmen ihre Waschmaschinen aus Mexiko und Südkorea unter Herstellungskosten in die USA. Sie wichen drohenden Strafen aus, indem sie die Produktion erst nach China und dann nach Vietnam und Thailand verlagerten. Deshalb hat die Trump-Regierung nun eine ihrer schärfsten Waffen im Handelskrieg reaktiviert: eine Gesetzesklausel, die es Trump erlaubt, auch ohne konkrete Beweise für Dumping massive Beschränkungen von Importen aus allen Ländern zu verhängen. Zuletzt hatte sie US-Präsident George W. Bush 2002 eingesetzt, wurde aber von der Welthandelsorganisation (WTO) zurückgepfiffen.

Whirlpool ist nicht "America First"

Die Entscheidung, seine Firma vor Importen abzuschirmen, sei "ein wichtiger Sieg für amerikanische Hersteller und Arbeiter", sagt Whirlpool-Chef Jeff Fettig nun. Sie werde "US-Jobs im verarbeitenden Gewerbe schaffen". Nichts könnte weiter von der Wahrheit entfernt sein. Whirlpool braucht keine Regierungsalmosen: Die an der New Yorker Börse gelistete Firma, der in Europa die Marke Bauknecht gehört, machte im vergangenen Jahr fast eine Milliarde Dollar Gewinn. In den letzten fünf Jahren hat sie ihren Profit verdoppelt und mehr als 1,1 Milliarden Dollar Dividende ausgeschüttet.

Mit "America First" hat Whirlpool sein Geld in den letzten Jahren nicht verdient. Der Waschmaschinengigant hält der Konkurrenz aus Korea die Produktion in Billiglohnländern vor, lässt aber selbst in Mexiko, Polen, Russland, der Slowakei, Türkei, Brasilien, Kolumbien, Argentinien, Indien, China und Taiwan produzieren. Nur noch knapp ein Drittel der 93.000 Angestellten arbeitet in den USA. Nur jede vierte Fabrik steht dort. Die Hälfte ihres Umsatzes macht die Firma im Ausland.

25.000 Menschen sind in den letzten fünf Jahren zum Whirlpool-Konzern gestoßen - die meisten allerdings außerhalb der USA. Die Belegschaft hat sich durch einen Zukauf in China und neue Werke in Asien um ein Drittel vergrößert. Es ist kaum zu erwarten, dass Whirlpool plötzlich anfängt, Jobs in der Heimat zu schaffen, wenn die US-Regierung sie vor ausländischer Konkurrenz schützt. Dafür verdient Whirlpool an der Globalisierung einfach zu gut.

Koreaner schaffen Jobs in den USA

Doch um Fakten geht es weder Whirlpool noch Trump. Die Firma freut sich über zusätzliche Profite durch seinen Protektionismus. Und der US-Präsident kann mit Strafzöllen die Illusion aufrechterhalten, seine Wirtschaftsagenda diene US-amerikanischen Arbeitern. Statt sie zu beschützen, schadet er ihnen sogar: Sie zahlen die Zeche für den Waschmaschinen-Krieg.

"Beschränkungen für Waschmaschinenimporte zu verhängen, schadet nur den Verbrauchern durch höhere Preise", teilte Samsung nach der Entscheidung der US-Handelskommission mit. Trotz möglicher Zollbarrieren wollen die koreanischen Hersteller bald erste Fabriken in den USA eröffnen. LG baut bereits ein Werk in Tennessee, Samsung plant eine Anlage in South Carolina. Die Rivalen aus Korea schaffen Tausende Jobs in den USA.

Statt durch Staatshand wird Whirlpool sich die Konkurrenz nur durch Innovation vom Hals halten können - so wie früher. Einst entwickelte die Firma die Kühlschränke und die Abfallentsorgung für alle Apollo-Weltraumflüge der Nasa. Als Firmengründer Lou Upton vor dem Ersten Weltkrieg bei der Lieferung seiner ersten 100 Waschmaschinen feststellte, dass Getriebeteile defekt waren, tauschte er sie aus und verbesserte sein Produkt. Sein Kunde war von dieser Ehrlichkeit so beeindruckt, dass er seine Bestellung auf 200 Waschmaschinen verdoppelte. Weder Zollschranken noch Importbeschränkungen können das je erreichen.

Quelle: n-tv.de

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