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Montag, 07. August 2017

Preisanstieg bis zu 62 Prozent: Wasser könnte deutlich teurer werden

Sauberes Trinkwasser kommt in Deutschland einfach aus der Leitung. Doch für die Versorger wird die Aufbereitung immer komplexer. Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft warnt vor extremen Preissteigerungen. Schuld sei die Landwirtschaft.

Knapp 6000 Versorgungsunternehmen sorgen in Deutschland für sauberes Trinkwasser aus der Leitung. Doch ihr Auftrag wird immer schwieriger, wie Martin Weyand, Hauptgeschäftsführer vom Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), der "Süddeutschen Zeitung" erklärt. Besonders betroffen seien die Bundesländer Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen sowie einige Landkreise Bayerns.

Schuld an der prekären Lage ist das überschüssige Nitrat, das ins Grundwasser gelangt, so Weyand. Jahrzehntelang werde bereits zu viel Gülle und Mineraldünger auf den Feldern verteilt. Auch die Bundesregierung warnte kürzlich vor den Folgen. Das Umweltministerium erklärte, dass etwa ein Drittel der Messstellen zu hohe Nitratwerte ausweist.

Doch die Lage sei noch dramatischer als bislang dargestellt, so Weyand. "Die Wasserwirtschaft hat eigene Messungen gemacht und zwar dort, wo das Grundwasser auf die Brunnen zufließt." Und: "Dort gibt es zum Teil noch viel höhere Nitratbelastungen, es werden Werte von bis zu 400 Milligramm pro Liter erreicht, der offizielle Grenzwert liegt bei 50 Milligramm. Es besteht dringender Handlungsbedarf."

Tiefer graben reicht nicht mehr

Statt des offiziellen Oberwertes sei nämlich der Grenzwert der europäischen Wasser-Richtlinie entscheidend. Dieser liegt bei 37,5 Milligramm pro Liter. Ab diesem Wert müssen Versorger Maßnahmen ergreifen, um den Zustand des Grundwassers aufzubessern. Bislang sei dies noch möglich, indem Versorger Wasser aus verschieden stark belasteten Brunnen mischen. Auch neu gebaute Brunnen, die tiefere Grundwasserschichten fördern, sind Weyand zufolge eine Lösung.

Doch mit der Tiefe steigt der Salzgehalt, was das Wasser unbrauchbar macht - ewig graben ist also nicht möglich. Dann werden spezielle Aufbereitungsanlagen benötigt. "Das wäre ein sehr kostspieliger Eingriff, in betroffenen Regionen könnte das Trinkwasser dadurch um bis zu 62 Prozent teurer werden", sagt Weyand. Das Umweltbundesamt hatte von einer Steigerung von bis zu 45 Prozent gewarnt.

"Wichtigste Ressource, die wir haben"

"Es kann nicht sein, dass Verbraucher für die Sünden der Landwirtschaft geradestehen", so Weyand, der auch die Massentierhaltung für die Belastung verantwortlich macht. Außerdem habe er große Sorgen um den Zustand des Grundwassers. "Das ist die wichtigste Ressource, die wir haben." Allerdings betont er gegenüber der "SZ" auch, dass sich Konsumenten keine Sorgen machen müssten. "Die deutschen Versorger stellen sicher, dass die Verbraucher jederzeit hochwertiges Trinkwasser bekommen."

Das Nitrat, das etwa in Gülle enthalten ist, liefert Stickstoff, der Pflanzen besser wachsen lässt. Aber zu viel ist eben zu viel. Insbesondere das Abbauprodukt Nitrit gefährde Kinder und Schwangere. Und so appelliert Weyand an die Bundesregierung: Das Düngerecht müsse verschärft werden. Großbetriebe müssten Stickstoff-Bilanzen offenlegen. Einige Versorger setzen bereits auf freiwillige Kooperationen mit Landwirten. So soll erreicht werden, dass weniger gedüngt wird.

Quelle: n-tv.de

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