Wirtschaft

China Thema bei G20-Treffen: Weidmann sieht Turbulenzen gelassen

Die Wachstumsschwäche China hat die Börsen in Atem gehalten. Bundesbank-Chef Weidmann ist alles andere als alarmiert. Er spricht von Anpassungen der Volksrepublik, um das Wachstum ausgewogener zu gestalten.

"In China beobachten wir schon seit einiger Zeit eine Abschwächung des Wachstums".
"In China beobachten wir schon seit einiger Zeit eine Abschwächung des Wachstums".(Foto: dpa)

Die konjunkturelle Abkühlung und die Börsenturbulenzen in China sind für Bundesbank-Präsident Jens Weidmann kein Grund für Alarmstimmung. "Eine dauerhafte Gefahr für die Weltwirtschaft sehe ich darin nicht", sagte Weidmann. "In China beobachten wir schon seit einiger Zeit eine Abschwächung des Wachstums". Zum Teil dürfte es sich dabei um eine "Anpassung hin zu einem ausgewogeneren Wachstumspfad" handeln, ergänzte er.

Weidmann äußerte sich kurz vor Beginn einer Konferenz der Finanzminister und Notenbankchefs der 20 führenden Industrie- und Schwellenländer (G20) in der türkischen Hauptstadt Ankara. Dort werden die Schwächetendenzen in China das beherrschende Thema sein.

Mehrere Teilnehmer haben bereits angekündigt, von der Regierung in Peking Aufklärung zu verlangen über Hintergründe des jüngsten Aktienmarktcrashs und die beschlossenen Gegenmaßnahmen. Die Volksrepublik ist zur weltweit zweitgrößten Wirtschaftsnation herangewachsen. Sie strebt die Aufnahme ihrer Landeswährung Renminbi in den Währungskorb des Internationalen Währungsfonds (IWF) an. In dem Korb sind bislang nur der US-Dollar, der Euro, das britische Pfund und der japanische Yen enthalten. Wenn der IWF den Renminbi hinzunimmt, würde dieser zur internationalen Reservewährung aufrücken, was China einen Riesen-Prestigegewinn brächte.

Debatte über Chinas Währung

Aus Sicht Weidmanns sprechen die aktuellen ökonomischen Probleme des Landes nicht gegen einen solchen Schritt. Er sei offen für die Aufnahme-Diskussion. "Der Währungskorb sollte im Grundsatz die weltwirtschaftlichen Kräfteverhältnisse widerspiegeln", erläuterte er.

Allerdings müsse China die Bedingungen dafür erfüllen. Dazu gehört zum Beispiel die freie Handelbarkeit. Ganz wesentlich seien marktbasierte Wechselkurse und Zinssätze, fügte Weidmann hinzu. Ob China den Anforderungen gerecht wird, werde die anstehende Prüfung des IWF zeigen. Die Entscheidung soll im November fallen. Zur Aufnahme in den Korb kann es frühestens im Herbst 2016 kommen.

Die Gefahr, dass der Preisverfall am chinesischen Aktienmarkt auf die Konjunktur durchschlägt, hält Weidmann für begrenzt. Es sei allerdings schwer zu sagen, wie sich der Börsenrutsch auf das Vertrauen der Wirtschaftsakteure auswirken wird. Sollte die Nervosität der Anleger auf andere Märkte übergreifen oder es zu einer deutlich stärkeren Abschwächung der chinesischen Wirtschaft kommen, wären "natürlich auch Bremsspuren im Euro-Raum und besonders in Deutschland zu erwarten", warnte der Bundesbank-Präsident. Bislang jedoch setze sich in der Eurozone wie in den USA eine "moderate Aufwärtsentwicklung" fort. "Für Deutschland rechnen wir weiterhin mit einem recht kräftigen Wirtschaftswachstum", unterstrich Weidmann.

Quelle: n-tv.de

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