Wirtschaft
März 2013 - Bankkunden stehen Schlange vor einer geschlossenen Filiale der Cyprus Popular Bank in Athen.
März 2013 - Bankkunden stehen Schlange vor einer geschlossenen Filiale der Cyprus Popular Bank in Athen.(Foto: REUTERS)

Geheimsache Banken-Rettung: Welche Tipps ein EZB-Mitglied Zypern gab

Von Diana Dittmer

2012 - die Cyprus Popular Bank steht vor der Pleite. Eine Refinanzierung ist nötig. In der EZB herrscht keine Einigkeit. Während der EZB-Rat heiß diskutiert, versucht das Direktorium auf dem kurzen Dienstweg zu helfen.

Der "New York Times" hat eine geheime E-Mail-Korrespondenz eines EZB-Direktoriumsmitglied mit dem Chef der zyprischen Notenbank von Juli 2012 veröffentlicht, in der Empfehlungen für die Rettung der notleidenden Cyprus Popular Bank gegeben werden. Brisant dabei: Der gegenüber großzügigen Notenbankkrediten kritische EZB-Rat wurde dabei anscheinend bewusst umgangen. Eine wichtige Stimme dieser Opposition gehörte Bundesbank-Chef Jens Weidmann.

EZB-Direktor Benoit Coeuré
EZB-Direktor Benoit Coeuré(Foto: REUTERS)

Die Ratsmitglieder hatten zu dem Zeitpunkt den Plan, dass die Regierung in Nikosia der taumelnden Bank Staatsanleihen übereignete und sie damit mit neuem Kapital ausstatte, abgelehnt. Auch eine Refinanzierung bei der europäischen Notenbank hatten sie ausgeschlossen. Die Cyprus Popular Bank war damit auf Notkredite ihrer eigenen Notenbank angewiesen.

Kritik unerwünscht

Wie das Blatt unter Berufung auf die internen Unterlagen berichtet, empfahl das EZB-Direktoriumsmitglied, Benoit Coeuré, dem zyprischen Notenbankpräsidenten Panicos Demetriades deshalb Refinanzierungs-Maßnahmen für die Bank, die allein das Direktorium - ohne den kritischen EZB-Rat - beschließen konnte. Das Direktorium der EZB besteht lediglich aus dem Präsidenten der Zentralbank, seinem Vize sowie vier weiteren Mitgliedern. Der Rat der Zentralbank ist wesentlich größer. Hier sitzen neben den Direktoriumsmitgliedern die 18 Präsidenten der nationalen Zentralbanken des Euroraums.

Coeuré schlug dem Bericht zufolge dem klammen Institut demnach vor, Anleihen auszugeben und diese von der Regierung garantieren zu lassen. In seiner Mail soll er explizit darauf hingewiesen haben, dass das Direktorium dies alleine genehmigen könne.  Alternativ sollte die zyprische Notenbank die von den Banken für Notkredite hinterlegten Sicherheiten laxer bewerten. So könnten großzügigere Kredite vergeben werden. Diese Empfehlung widerspricht den Statuten aller Notenbanken. Sie dürfen Instituten allenfalls bei vorübergehenden Liquiditätsschwierigkeiten Kredite gewähren.

Wann ist eine Bank pleite?

Das Kapital der Cyprus Popular Bank war zu dem Zeitpunkt weitgehend aufgebraucht. Schon seit längerem war sie nur aufgrund von Notkrediten ihrer Zentralbank liquide. Gemäß dem Jahresabschluss 2011 war ein Minus von 3,3 Milliarden Euro aufgelaufen, die Kernkapitalquote der Bank lag bei minus 0,6 Prozent. Von vorübergehenden Schwierigkeiten konnte keine Rede mehr sein.

Die EZB bestätigte die Echtheit der Korrespondenz. Bundesbankkreise betonten unterdessen, dass sich Bundesbank-Chef Weidmann mit seiner kritischen Haltung am Ende durchgesetzt habe. Ein knappes Jahr später sei die zyprische Regierung gezwungen gewesen, einem Sanierungsplan aus EZB, Internationalem Währungsfonds und EU-Kommission zuzustimmen. Die zyprische Notenbank musste keine Verluste hinnehmen. Die Sparer mussten dagegen Guthaben abschreiben.

Coeuré gehört zu EZB-Chef Draghis sogenanntem Küchen-Kabinett. Diese Runde ist zuletzt stark in die Kritik geraten. Dem obersten Währungshüter wird vorgeworfen, dass er die wirklich relevanten Entscheidungen alleine oder höchstens abgestimmt mit einer Handvoll enger Vertrauter trifft.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen