Wirtschaft
Eigentlich ist es kinderleicht.
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Was Hänschen nicht lernt: "Weltspartag" sollte "Weltinvestitionstag" heißen

Zum "Weltspartag" gibt es ein Sparschwein, ein Sparbuch und leuchtende Kinderaugen. Und der Grundstein für einen falschen Umgang mit Geld wird gelegt. Dabei müsste man Hänschen nur sagen, dass er nicht sparen, sondern investieren soll, meint Vermögensverwalter Markus C. Zschaber.

Jedes Jahr Ende Oktober wird andächtig der "Weltspartag" ausgerufen und viele, viele Kinder, die meistens schon in den ersten Schulklassen mit einer Spardose der örtlich angesiedelten Bank ausgestattet sind, gehen gemeinsam mit ihren Eltern zu eben dieser Bank, öffnen freudestrahlend und glücklich den Behälter und sind ganz verzückt, wenn die kleinen und glänzenden Münzen oder vielleicht auch vereinzelt Scheinchen, dann auf das berühmte Sparbuch, natürlich mit der addierten Summe, gutgeschrieben werden. Wer dieses einmal miterlebt hat, wird schnell feststellen, dass es in den Augen der Kinder ein wirklich freudiges Ereignis ist, auch wenn in diesem Kindesalter weder erkannt wird, wie hoch der Wert einer Münze oder gar eines Scheins ist. Es geht um das Ereignis selbst und die Quantität steht im Vordergrund. Für Kinder zählt tatsächlich, dass viele Münzchen in der Spardose sind. Kinderaugen sind groß, sind freudig, sie tauschen sich aus und sprechen miteinander - es ist ein toller Tag!

Dr. Markus C. Zschaber
Dr. Markus C. Zschaber

Das ist auch gewünscht von den Erfindern und Urvätern dieses Tages, der 1924 in Mailand von 29 Ländervertretern beschlossen wurde. Denn das Ziel war möglichst frühzeitig den Umgang mit Geld zu erleichtern, vielleicht auch den Eltern die Möglichkeit zu geben, erklärend für die Kinder zu agieren und sozusagen in frühester Kindheit schon den Leitsatz zu prägen: "Wenn du etwas sparst, dann kannst du dir später einen Wunsch erfüllen". Wie jeder weiß, gibt es für Kinder nicht schöneres, als sich einen Wunsch zu erfüllen, meistens sind es schon kleine Konsumwünsche! Aber: Genau hier endet dann auch schon der erste und frühzeitige Kontakt mit dem Geld und das ist fatal!

Auf dem späteren Entwicklungsweg bis hin zum Jugendlichen wird nur sehr selten das Thema "Geld" angesprochen oder auch einmal in den Mittelpunkt gestellt. Nicht umsonst gibt es die Aussagen "über Geld spricht man nicht". Kaum ein Thema ist in unserer Gesellschaft mit so vielen Tabus behaftet, wie die Frage nach dem lieben Geld und wir alle wissen, Tabus bewegen sich im Spannungsfeld zwischen Glauben und Wissen!

Die Frage, die sich nun stellt, ist, warum wird nicht konsequent daran gearbeitet, schon in der Kindheit, mag es ab der 5. Schulklasse sein, sich diesem Thema zumindest etwas zu widmen? Denn das Thema "Geld" wird einen das ganze Leben lang begleiten und daher ist es wichtig, auch schon frühzeitig etwa den Unterschied zwischen "Sparen" und "Investieren" kennen zu lernen!

Es geht nicht darum, den Kindern den Kreislauf des Geldes, die Funktion in der Wirtschaft oder ähnliches zu erläutern. Wie auch - es sind Kinder. Es geht darum, Verständnis zu schaffen im Umgang mit Geld, auch etwa die Wertigkeit, dass man auch hart dafür arbeiten muss. Aber die Leichtigkeit, die ein Kind im Umgang mit Geld noch in der Jugend hat, darf nicht verloren werden. Laut einer aktuellen Studie sprechen Erwachsene zu 47 Prozent mit Freunden über den Job, aber nur noch vier Prozent über das Thema Geld.

Die meisten kennen die Aussage: "Was das Hänschen nicht lernt, lernt der Hans nimmer mehr" und das ist auch richtig, also lohnt es sich, beim Thema Sparen, Finanzen, Vermögen, sofort einzugreifen und dem Hänschen Wege zu erläutern und aufzuzeigen!

Nehmen wir einmal an, unser Hänschen bekommt nun erklärt, dass es am Weltspartag sein Erspartes nicht auf einem Sparbuch "spart", sondern es "investiert" und da ist ein großer Unterschied, allein in der Begrifflichkeit.

Wenn ich etwas "spare" beispielsweise bei meiner Bank auf dem Sparbuch oder das Festgeld, dann entwickelt sich das Geld, je nach dem aktuellen Zins und vermehrt sich über Jahre mit dem Zinseszinseffekt. Dieses ist die in Deutschland die üblichste Variante, wenn man an Sparen und Vermögensaufbau denkt. Die Frage ist nur, schafft man wirklich Vermögen?

Wenn ich in etwas "investiere", dann stelle ich beispielsweise mein Geld einem Unternehmen zur Verfügung, eventuell über eine Aktienbeteiligung. Somit verschaffe ich gemeinsam mit vielen Aktionären dem Unternehmen die Möglichkeit, dass dort investiert wird, in Produktionsmaschinen, in die Entwicklung, in die Fertigung von Produkten, in die Schaffung von Arbeitsplätzen und in Wachstum – und daran bin ich dann als Aktionär beteiligt, zumal ich auch die Produkte des Unternehmens kenne und nutze!

Beispiel 1: Stellen Sie sich vor, zur Geburt Ihres Kindes hätten Sie einmalig 100 Euro "gespart" oder "investiert"? (01.10.1995 bis 30.09.2013)

Einzahlungen: 100 €

Entwicklung Festgeld: 141 € (1,94 % / p.a.) 41 % Wertzuwachs

Entwicklung MSCI AC World: 329 € (6,84 % / p.a.) 229 % Wertzuwachs

Beispiel 2: Und jetzt stellen Sie sich vor, ab der Geburt Ihres Kindes hätten Sie monatlich 50 Euro für ihr Kind "gespart" oder "investiert"? (01.10.1995 bis 30.09.2013)

Einzahlungen: 10.800 €

Entwicklung Festgeld:12.611 € (1,69 % / p.a.) 16,77 % Wertzuwachs

Entwicklung MSCI AC World: 17.328 € (5,00 % / p.a.) 60,45 % Wertzuwachs

Quelle: Finanzen, FVBS

(Festgeld = durchschnittlich über Anlagezeitraum)

(MSCI AC World = globaler Performance-Aktienindex)

Nun stellt sich erneut die Frage, warum gibt es diese Unterschiede, wenn es so einfach und plausibel ist? Was läuft falsch bei dem Gedanken an die richtige Geldanlage? Das Problem liegt in den Köpfen der Deutschen. Hier gibt es einen klaren Zusammenhang zwischen dem Umgang mit Risiko und dem Umgang mit Geld. Fast 90 Prozent scheuen das Risiko, damit aber auch die Chance auf Ertrag, das ist erstaunlich. Die Deutschen sind als Kultur höchst risikoscheu, sie wollen hohe Rendite bei Null Risiko – also mit Vollkasko.

Dieses ist im Übrigen in den USA, in England, aber auch schon in europäischen Nachbarländern ganz anders, dort assoziiert man Risiko viel stärker mit Chance und ist mutiger. Diesen Mut, den bräuchten wir aber heute so dringend, wo es doch verstärkt darum geht, sich selbst um sein Geld, seine Finanzen, sein Vermögen oder auch seine Altersversorgung zu kümmern und was machen wir stattdessen ?

Wenn wir auf die Zahlen schauen, dann preisen sich die Volks- und Raiffeisenbanken derzeit damit, dass die Bürger im Jahr 2012 ca. 200 Milliarden Euro an Sparvermögen aufbrachten und davon 158 Milliarden in die Geldanlage investiert wurde. Und, als wenn wir es nicht geahnt hätten, als Geldanlage wird beim überwiegenden Teil an folgende gedacht:

"Die Deutschen setzen weiterhin auf sicher angelegte und schnell verfügbare Ersparnisse", heißt es in einer repräsentativen Studie des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes in Berlin. 94 Prozent der Befragten erklärten danach, dass ihnen die Sicherheit "wichtig" oder "sehr wichtig" ist!

Aus unserer Sicht hat diese Vorgehensweise nicht nur einen Gedankenfehler, sondern gleich mehrere und zwar gravierende. Wir befinden uns nach der Euro- und Finanzkrise jetzt und für die kommenden Jahre in einer "Niedrigzinsphase". Dieses bedeutet für den Sparer, er bekommt kaum noch Zinsen für sein "Erspartes" und das wird sich lange nicht ändern. Nun kommt noch etwas dazu, über das nicht gern gesprochen wird, nämlich das Thema Inflation. Um es besser einschätzen zu können möchten wir folgende Aussage tätigen:

Um tatsächlich Vermögen aufzubauen, muss der durchschnittliche, mittelfristige Zins oder auch die Wertentwicklung jährlich mindestens 100 Prozent höher sein als die Inflation (bezogen auf die Niedrigzinsphasen). Inflation bedeutet nämlich Kaufkraftverlust, also ohne dass die Sparer etwas merken, erhalten sie weniger beispielsweise an Produkten, Dienstleistungen usw. für ihr Geld. Dass eine höhere Inflation auch zeitweise staatlich sogar gewünscht wird, kann unter Umständen mit dem Schuldenabbau zusammen hängen, darüber kann sich jeder selbst informieren, die USA hat es bereits mehrmals so forciert.

Für ein oder zwei Jahre niedrige Zinsen und ein höhere Inflation mag noch nicht irritierend sein, aber gehen wir einmal davon aus, die Zinsen bleiben die kommenden 5 Jahren niedrig und die Inflation steigt!

Derzeit: Die Verzinsung der meisten Sparbücher liegt unterhalb der Inflationsrate von durchschnittlich 2,5 Prozent. Zwar nimmt der Sparbetrag durch die Zinsen von ca. 1 % zu, doch die reale Kaufkraft sinkt. Wer also 10.000 Euro für ein Jahr auf dem Sparbuch anlegt, kann nach Ablauf von 12 Monaten auf dem Sparbuch den Nominalwert von 10.000 Euro + 100 Euro (vor Steuern) sehen. In der gleichen Zeit ist der Realwert des Geldes durch die Inflation aber um 2,5 % gesunken, die Kaufkraft hat sich also um 250 Euro verringert.

Trotz der Zinseinnahmen hat sich unter dem Strich das Vermögen um 150 Euro verringert.

Dazu kommt noch, dass gerade die Deutschen in diesem Jahr ein Rekordvermögen im Bereich der privaten Haushalte aufgebaut haben, nämlich sage und schreibe 5.027 Milliarden Euro von denen hier gesprochen wird. Schmunzelnderweise kann man aber auch hier wieder das alte Muster erkennen, Sparbuchanlagen sind gestiegen, Aktienanlagen wurden verkauft!

Auf der anderen Seite sehen wir aber auch, dass der generelle Umgang mit Geld gerade den Deutschen wohl schwer fällt. Dies zeigt eine Studie der Creditreform, die ca. 6,6 Millionen Privatpersonen über 18 Jahre als überschuldet einstuft.

Wie können wir nun diesen Kreislauf durchbrechen? Denn es scheint, dass hier ganz große Wissenslücken entstanden sind.

Ja, es fängt dann doch bei den Kindern an, denn dort kann das Wissen aufgebaut werden, über die nächsten Generationen, welches benötigt wird, um beispielsweise gute Investitionen zu tätigen.

Es ist nichts schlimmes, wenn wir über Geld und die damit verbundenen Möglichkeiten sprechen. Es ist sinnvoll, wenn in Unternehmen investiert wird, deren Produkte wir kennen und auch überzeugt davon sind und damit den Kreislauf der Wirtschaft stimulieren.

Dr. Markus C. Zschaber ist geschäftsführender Gesellschafter der "V.M.Z Vermögensverwaltungsgesellschaft" (www.zschaber.de) und gibt seit mittlerweile 15 Jahren regelmäßig Interviews beim Nachrichtensender n-tv. Gemeinsam mit dem Nachrichtensender n-tv veröffentlicht er ebenfalls monatlich mit seinem "Institut für Kapitalmarktanalyse" (www.kapitalmarktanalyse.com) die Konjunkturbarometer "Welt-Index" und "Welt-Handelsindex".

Quelle: n-tv.de

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