Wirtschaft
(Foto: picture-alliance/ dpa)

Rückgang auf ein Viertel: Weniger Schwarzgeld auf Schweizer Konten

Jahrelang gilt die Schweiz als Steueroase. Doch die Behörden etlicher Länder beginnen einen Feldzug gegen die Hinterzieher - mit Erfolg. Bei den eidgenössischen Banken lagert einer Studie zufolge weniger Schwarzgeld. Und Deutschland will den Druck weiter erhöhen.

Auf Schweizer Bankkonten liegt immer weniger Schwarzgeld. 2013 verwalteten die Geldhäuser des Landes noch rund 200 Milliarden Franken an nicht deklarierten Vermögen von Ausländern, schätzt die Beratungsgesellschaft PwC. Fünf Jahre zuvor waren es 800 Milliarden Franken. Derweil treibt die Bundesregierung die ab 2015 geplanten schärferen Regeln für die strafbefreiende Selbstanzeige reuiger Steuerbetrüger voran.

Dank eines weitreichenden Bankgeheimnisses war die Schweiz jahrzehntelang eine der weltweit bedeutendsten Steueroasen. Doch 2008 begannen die Behörden in den USA und später auch in europäischen Ländern einen Feldzug gegen Steuerhinterzieher und die Banken, die sie beherbergten. Viele Kunden haben ihre Konten dem Fiskus inzwischen offen gelegt und ihre Gelder zurück in die Heimatländer transferiert.

Schweiz dürfte wieder an Attraktivität gewinnen

PwC zufolge flossen in diesen Jahren insgesamt rund 350 Milliarden Franken von Schweizer Banken ab, ein großer Teil davon dürfte unversteuert gewesen sein. "Die schlimmsten Abflüsse sind vorüber", erklärte PwC-Experte Martin Schilling. Er schätzt, dass nochmals rund 70 Milliarden Franken das Land verlassen könnten. Mittelfristig rechnet Schilling dann mit einer Trendwende. Die Schweiz werde bei der Einwerbung neuen Geldes zwar boomenden asiatischen Standorten wie Hongkong oder Singapur hinterherhinken, aber in einigen Jahren trotzdem wieder Wachstumsraten von jährlich bis zu fünf Prozent erreichen.

Von den Abflüssen der vergangenen Jahre waren kleine Institute stärker betroffen. Während bei Riesen wie UBS oder Credit Suisse die Zuflüsse in Asien das schrumpfende europäische Geschäft mehr als ausgleichen konnten, litten etwa auf unversteuerte deutsche Kundengelder ausgerichtete Banken stärker. Bei den kleinen Anbietern schlugen zudem die höheren Anforderungen der Aufseher stärker zu Buche, weil sie diese Kosten auf weniger Kunden abwälzen können.

PwC rechnet dann auch damit, dass die kleinen, verlustschreibenden Banken aus dem Markt gedrängt oder übernommen werden. Gab es 2008 noch 185 Institute in der Schweiz, die hauptsächlich Gelder von reichen Privatkunden betreuten, ist dieser Wert inzwischen auf 151 gesunken. "Davon werden mittelfristig weitere 20 bis 25 Prozent verschwinden", prognostiziert Schelling.  

Strafen bei Selbstanzeigen sollen stiegen

Unterdessen plant die Bundesregierung, dass es ab 2015 für geständige Steuerbetrüger deutlich teurer wird, mit einer Selbstanzeige straffrei davonzukommen. So sieht der Referentenentwurf vor, dass die Grenze, bis zu der Steuerhinterziehung ohne Zuschlag bei einer Selbstanzeige straffrei bleibt, von 50.000 auf 25.000 Euro sinkt. Bei höheren Beträgen wird bei gleichzeitiger Zahlung eines Zuschlages von zehn Prozent von einer Strafverfolgung abgesehen.

Ab einem Hinterziehungsbetrag von 100.000 Euro werden 15 Prozent Strafzuschlag fällig, ab einer Million Euro 20 Prozent. Bisher wird ein Zuschlag von 5 Prozent berechnet. Zudem müssen neben dem hinterzogenen Betrag in Zukunft auch die Hinterziehungszinsen in Höhe von sechs Prozent pro Jahr sofort entrichtet werden. Und die Strafverfolgungsverjährung wird auf zehn Jahre ausgedehnt.

Zudem sieht der Entwurf vor, dass künftig nicht jeder Buchungsfehler von Unternehmen als Steuerhinterziehung geahndet wird. Sogenannte Teilselbstanzeige bieten Unternehmen so die Möglichkeit, unter anderem Umsatzsteuervoranmeldungen und Lohnsteueranmeldungen zu korrigieren, ohne dass dies strafrechtliche Folgen auslöse.

Quelle: n-tv.de

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