Wirtschaft
Rasanter Aufstieg, rasantes Ende: Ein Gericht muss die Hintergründe der Beluga-Insolvenz klären.
Rasanter Aufstieg, rasantes Ende: Ein Gericht muss die Hintergründe der Beluga-Insolvenz klären.(Foto: dpa)

Pleite-Reederei vor Gericht: Wer ist schuldig am Untergang von Beluga?

Der Aufstieg der Reederei Beluga war so rasant wie ihr Absturz. Verbunden ist ihr Schicksal - im Guten wie im Schlechten - untrennbar mit dem Namen Stolberg. Die wahre Geschichte um die Reederei muss nun ein Gericht herausfinden.

Jahrelange Ermittlungen, tausende Seiten Akten, 56 Verhandlungstage - das Bremer Landgericht hat am heutigen Mittwoch einen der größten Wirtschaftsprozesse seiner Geschichte eröffnet. Angeklagt sind der Gründer der Beluga-Reederei, Niels Stolberg, sowie drei weitere Ex-Manager. Die Schwergut-Reederei war 2010 tief in die Krise und 2011 schließlich in die Insolvenz gerutscht. Danach häuften sich die Vorwürfe gegen Stolberg. Die wichtigste Frage in dem Fall: Was steht hinter Beluga?

1994 hatten Stolberg und ein Partner die Reederei gegründet und anschließend alles verschifft, was schwer war: Generatoren, Pipelines, Kräne. Die Firma wuchs zunächst rasant. 72 Schiffe waren zuletzt auf den Weltmeeren mit Beluga-Flagge unterwegs. 2010 machte Beluga noch rund 500 Millionen Euro Umsatz. Vor allem die Schifffahrtskrise ließ die Aufträge dann einbrechen und die Reederei stranden. Nach der Insolvenz wurde sie abgewickelt.

Kreditbetrug, Bilanzfälschung und Untreue

Was wirft die Staatsanwaltschaft Stolberg vor? Mehrfacher Kreditbetrug, Bilanzfälschung, Untreue und Betrug. Der Reederei-Gründer und ein anderer Manager sollen unter anderem Banken belogen haben, um höhere Kredite zur Finanzierung von Schiffsneubauten zu bekommen. Außerdem sollen Stolberg und zwei führende Mitarbeiter die wirtschaftliche Lage des Konzerns beim Einstieg des US-Investors Oaktree geschönt haben. Einem früheren Geschäftspartner sollen der Ex-Beluga-Chef und ein anderer Angeklagter die wahren Kosten für vier neue Frachter verheimlicht haben. Der Schaden soll insgesamt in zweistelliger Millionenhöhe liegen.

Wieso hat es so lange bis zum Prozess gedauert? Fast drei Jahre lang haben zwei Staatsanwälte und eine Ermittlungsgruppe der Polizei die Vorwürfe gegen Stolberg und andere Beluga-Verantwortliche geprüft. Dabei werteten sie Daten mit einem Umfang von zehn Terabyte aus. Dem Prozess selbst liegen 42 Ordner mit mehr als 10.000 Seiten Ermittlungsakten und Hunderte Ordner mit Beweismaterial zugrunde. Das Landgericht stellte drei Richter eineinhalb Jahre frei, damit diese über die Eröffnung der Hauptverhandlung entscheiden konnten. "Es handelt sich um ein außergewöhnlich umfangreiches und kompliziertes Verfahren", sagte Gerichtssprecher Thorsten Prange.

Die Wirtschaftsstrafkammer hat bisher 56 Verhandlungstage bis Ende Oktober angesetzt. Wie lange es am Ende dauert, wird maßgeblich davon abhängen, inwieweit sich die Angeklagten zu den Vorwürfen äußern. Was müssen die Richter in der Verhandlung bewerten? Im Kern müssen sie beurteilen, ob Stolberg und seine Mitangeklagten Geldgeber bewusst täuschten, um von ihnen Kredite für Investitionen zu bekommen. "Es muss auch geklärt werden, ob und wieweit Niels Stolberg eine persönliche Schuld trifft", sagte Prange. Hätte er rechtzeitig erkennen können, dass Beluga Darlehen nicht mehr bedienen kann? Und was war möglicherweise das Motiv: Wollte sich Stolberg selbst bereichern, oder wollte er sein Unternehmen am Leben erhalten?

Was sagen Stolbergs Anwälte dazu? Stolberg wird von Bernd Groß vertreten, einem Experten für Wirtschaftsstrafrecht von der Kanzlei Feigen Graf vertreten. Die Kanzlei zeigte sich zuversichtlich, dass sich viele Vorwürfe vor Gericht als haltlos erweisen werden. "Die Einstellungen einiger Verfahren in der jüngsten Vergangenheit haben ja auch gezeigt, dass sich ganz erhebliche Vorwürfe gegen unseren Mandanten, die auch zu einer massiven öffentlichen Vorverurteilung geführt haben, letztlich als gegenstandslos erwiesen haben", meinte Groß.

Quelle: n-tv.de

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