Wirtschaft
(Foto: picture alliance / dpa)

Im Sog der VW-Krise: Wer wird Dividendenkönig?

Von Egmond Haidt und Benjamin Feingold

Frühlingszeit ist Dividendenzeit im Dax. Aktionäre von Volkswagen gehen womöglich leer aus. Doch andere Anleger dürften sich freuen.

Nachösterliche Stimmung bei Dax-Anlegern: Der Index verdaut die Rally der vergangenen Woche. Da der Index trotz der kräftigen Erholung noch um rund acht Prozent unter dem Stand von Ende 2015 notiert, freuen sich Investoren umso mehr auf die Dividendensaison.

Die Aktionäre von Volkswagen mussten zuletzt allerdings einmal mehr schlechte Nachrichten einstecken. Aufgrund der Aussagen eines Aufsichtsratsmitglieds war bei Investoren die Sorge hochgekocht, dass VW wegen des Abgasskandals die Dividende für 2015 streichen könnte. Bisher waren die Analysten lediglich von einer Kürzung auf knapp zwei Euro je Vorzugsaktie ausgegangen, gegenüber 4,86 Euro im Vorjahr. Anleger müssen sich damit wohl bis zur Bilanzpressekonferenz am 28. April gedulden, bis VW-Chef Matthias Müller die Entscheidung bekannt gibt.

Ist ein Dividendenausfall oder eine Kürzung für VW-Aktionäre in jedem Fall nachteilig, ist ein solcher Schritt für die Besitzer von Produkten nicht immer negativ. Für die Inhaber von Aktienanleihen zum Beispiel wirken sich Dividendenkürzungen positiv aus. Das liegt daran, dass Aktienanleihen keine Dividende ausschütten, dafür wird die Struktur der Papiere mit Hilfe der Dividenden finanziert. Je niedriger aber die Dividende ausfällt, desto geringer die Finanzierungsmöglichkeiten, die wiederum Aktienanleihen verteuern. Stefano Angioni, Derivate-Experte der DZ Bank, sagt: "Sollte es zu unerwarteten Kürzungen oder einer Streichung der Dividende kommen, so profitieren Anleger, die entsprechende Aktienanleihen zuvor zu Konditionen mit höherer Dividendenerwartung gekauft haben."

Für den Dax hätte die Streichung der VW-Dividende ebenfalls Konsequenzen. Sollte es tatsächlich dazu kommen – VW hat 2014 2,3 Milliarden Euro für Stamm- und Vorzugsaktien ausgekehrt-, würden die Ausschüttungen der Dax-Unternehmen insgesamt um ein Prozent gegenüber dem 2014er-Rekord von 29,5 Mrd. Euro sinken. Im Verhältnis zum Börsenwert von 1,04 Billionen Euro für den Index stünde die Dividendenrendite damit bei 2,8 Prozent. Im Vergleich zu Zinsen von lediglich 0,15 Prozent für zehnjährige Bundesanleihen kann sich die Dividendenrendite des Dax mehr als sehen lassen. Wer die höhere Dividendenrendite haben will, ist aber dem höheren Aktienmarktrisiko ausgesetzt.

Zahlreiche Dividendenerhöhungen

Trotz des schwierigen Umfelds haben viele Dax-Firmen im Jahr 2015 ordentlich verdient, weshalb 24 Unternehmen die Dividende anheben werden. Weil das Geschäft bei Daimler brummt, schraubt der Premiumhersteller die Ausschüttung kräftig von 2,45 auf 3,25 Euro nach oben, was einer Dividendenrendite von beachtlichen 4,9 Prozent entspricht. Mit einer Dividendensumme von 3,5 Milliarden Euro ist Daimler der größte Zahlmeister aus dem Dax. Auf Platz zwei rangiert die Allianz mit 3,3 Milliarden. Wegen der hohen Profitabilität kehrt der Versicherer mit 7,30 Euro je Aktie deutlich mehr aus als im Vorjahr. Gemessen an der Rendite von 5,0 Prozent liegt die Allianz auf dem zweiten Platz hinter Eon. Obwohl sich der Gewinn des größten Versorgers Deutschlands in einer Abwärtsspirale befindet, hält er die Dividende mit 0,50 Euro stabil, weshalb die Rendite bei 6,1 Prozent liegt. Der Versorger hat aber bereits klar gemacht, dass sich die Investoren für 2016 auf eine Kürzung einstellen müssen. Damit kommt die wichtigste Stütze für die Aktie zusehends unter Druck.

Hingegen hat der Konkurrent RWE ebenso wie die Deutsche Bank angekündigt, dass die Dividende für 2015 ausfallen wird. Die Probleme der beiden Unternehmen sind Investoren hinlänglich bekannt. Abhängig von der Entscheidung bei VW würden damit drei Dax-Unternehmen die Dividende senken beziehungsweise streichen. Immerhin nimmt die Commerzbank nach etlichen Jahren ohne Dividende die Zahlung wieder auf und kehrt 0,20 Euro je Aktie aus. Mit einer Rendite von 2,5 Prozent liegt Deutschlands zweitgrößte Bank damit im Mittelfeld im Dax. Das heißt: Dax-Investoren können sich nicht nur auf den Frühling, sondern auch auf einen Dividendenregen freuen.

Quelle: n-tv.de

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