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Umstrittener Lokführer-Chef: Weselsky ruft zum "Heiligen Krieg"

Der längste Streik in der Geschichte der Deutschen Bahn hat begonnen. Dazu aufgerufen hat erneut GDL-Chef Weselsky. Sein Verhandlungsstil und seine Rhetorik stoßen selbst in Gewerkschaftskreisen auf Kritik und provozieren drastische Vergleiche.

Den Führerstand im Zug hat er schon lange verlassen. Und doch kann Claus Weselsky in der ganzen Republik die Züge zum Stehen bringen. Das tut der 56-Jährige auch in dieser Woche wieder. Der Chef der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) bläst im turbulenten Tarifkonflikt mit der Deutschen Bahn erneut zum Streik, diesmal zum bisher größten in der Geschichte des Unternehmens. Fast die ganze Woche lang sollen die Züge im Güter- und im Personenverkehr still stehen.

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Wesels ky ist durch und durch Gewerkschafter. Der Sachse war bei der Geburtsstunde der GDL in Ostdeutschland dabei und wurde dort 1990 Vorsitzender der Ortsgruppe Pirna. Zwei Jahre später verließ der gelernte Lokführer die Schienen: Vom Büro aus arbeitete er für die GDL als Personal- und Betriebsrat, seit 2002 ist er für seine Gewerkschaftstätigkeit ganz freigestellt. Im Mai 2006 stieg Weselsky zum Vizevorsitzenden der GDL auf und wurde "Kronprinz" des damaligen Chefs Manfred Schell.

Bekannt wurde Weselsky 2007, als sich Schell mitten in der heißen Phase des Arbeitskampfes in die Kur am Bodensee verabschiedete. Damals zeigte Weselsky, dass als Verhandlungsführer die Position der Lokführer kompromisslos vertritt. Das nach monatelangem Streit Anfang 2008 erkämpfte Ergebnis konnte sich sehen lassen: Ein saftiges Lohnplus von elf Prozent. Wenige Monate später wählten die GDL-Mitglieder Weselsky zum Nachfolger von Schell, mit 90 Prozent der Stimmen.

Mehr Lohn, weniger Überstunden, bessere Arbeitszeiten

Mit harten Bandagen kämpft Weselsky auch im laufenden Tarifstreit. Er wirft der Deutschen Bahn vor, "ein böses Spiel" zu spielen, seine Gewerkschaft mit dem Ruf nach einem Gesetz zur Tarifeinheit in den "Selbstmord" treiben zu wollen. Weselsky bescheinigt der Bahn, eine "Schmierenkomödie" zu veranstalten und zu verhandeln, ohne ein Ergebnis erzielen zu wollen. Eine vom Konzern geforderte Schlichtung lehnt er ab.

Die Forderungen der GDL sind klar: mehr Lohn, weniger Überstunden, bessere Arbeitszeiten. Vor allem will sie aber erstmals einen Abschluss erzielen, der die Belange aller ihrer Mitglieder widerspiegelt - also nicht nur der Lokführer, sondern beispielsweise auch der Zugbegleiter und Bordgastronomen.

Auch die konkurrierende und ungleich größere Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft führt parallel Tarifgespräche mit der Deutschen Bahn. Und Weselsky wird den Eindruck nicht los, dass sich seine GDL einem Abschluss mit der EVG unterordnen soll. In der EVG sieht er ohnehin eine "handzahme Hausgewerkschaft", der er auch schon mal "Totalversagen" attestiert.

Weselsky der "Einheizer"

Wegen seiner Wortgewalt wurde der Mann mit dem Schnauzer von mehreren Zeitungen schon als "Einheizer" bezeichnet. Seine kräftigen Poltereien brachten Weselsky in der Vergangenheit aber auch Rücktrittsforderungen ein. Und selbst in Gewerkschaftskreisen ist sein Verhandlungsstil umstritten. "Der stellt sich hin, als würde er zum Heiligen Krieg aufrufen. Nur um sein Ego zu stärken", schimpfte sogar sein Vorgänger Manfred Schell.

Doch die Gefolgschaft der GDL-Mitglieder ist Weselsky bislang gewiss. Die Mitglieder seien "seit längerem unzufrieden", bekräftigt der Gewerkschaftschef noch einmal. Sie seien nicht mehr bereit, die Taktik der Deutschen Bahn nach dem Motto "ein Schritt vor, zwei zurück" zu dulden. Beim vorangegangenen Streik vor noch nicht einmal zwei Wochen sorgte die Gewerkschaftsbasis dafür, dass nur etwa jeder dritte Fernzug fahren konnte. So gut wie alle GDL-Mitglieder bei der Deutschen Bahn hätten "Flagge gezeigt", freute sich anschließend der Chef.

Quelle: n-tv.de

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