Wirtschaft
Metallbauer arbeiten nicht nur in der Automobilbranche, sondern oft auch bei den stillen Stars aus dem deutschen Mittelstand.
Metallbauer arbeiten nicht nur in der Automobilbranche, sondern oft auch bei den stillen Stars aus dem deutschen Mittelstand.(Foto: picture alliance / dpa)

Ein neuer Mann für die IG Metall: Wetzel stellt sich zur Wahl

Eine Woche nach den Arbeitgebern steht an der Spitze einer der mächtigsten deutschen Interessensvertretungen ein weiterer personeller Wechsel bevor. IG-Metall-Chef Huber tritt ab - und empfiehlt seinen bisherigen Vize als geeigneten Nachfolger.

Detlef Wetzel, hier noch in seiner Funktion als Vize-Vorsitzender der IG Metall (Archivbild).
Detlef Wetzel, hier noch in seiner Funktion als Vize-Vorsitzender der IG Metall (Archivbild).(Foto: picture alliance / dpa)

Reden ist Silber, Zuhören ist Gold. So könnte eine Erfolgsformel von Detlef Wetzel lauten, der zu Wochenbeginn zum neuen Chef der IG Metall gewählt werden soll. Wenn alles wie erwartet klappt, dann wird Wetzel künftig der mit 2,3 Millionen Mitgliedern nach eigenen Angaben größten Einzelgewerkschaft der Welt vorstehen.

"70 Prozent zuhören und 30 Prozent sprechen" - diese Formel müssten IG-Metall-Beauftragte beherzigen, wenn sie erfolgreich Mitglieder in Betrieben gewinnen wollten, sagt Wetzel. Als Gewerkschafts-Vize hatte er sich in den vergangenen Jahren der Mitgliederwerbung verschrieben. Und in der Tat: Es gab eine Trendwende. Die Mitgliederzahlen steigen wieder.

Wetzel gilt als Verfechter des sogenannten Organizings, einer Strategie aus den USA zur Mobilisierung von Gemeinschaften, die mittlerweile auch Gewerkschaften hierzulande zur Mitgliedergewinnung nutzen. Dabei geht es darum, die Interessen von Menschen und Menschengruppen zu erkennen und diese dazu zu bewegen, sich gemeinsam für Interessen einzusetzen - in der Metallbranche etwa im Bereich der Zeitarbeiter. Dazu braucht es Kontakt zur Basis. Und der war Wetzel immer wichtig.

Gelernter Werkzeugmacher

Der heute 60-Jährige wurde Ende Dezember 1952 in Siegen geboren. Wenn die Gewerkschaftsarbeit nicht seine Anwesenheit in der IG-Metall-Zentrale in Frankfurt am Main verlangt, ist Wetzel auch heute nach wie vor am liebsten in seiner Heimat. Dort machte er ab 1967 eine Werkzeugmacher-Ausbildung beim Anlagen- und Maschinenbauer SMS Demag. In Aufsichtsräten der SMS-Unternehmensgruppe sitzt Wetzel heute noch.

Nach dem Studium der Sozialarbeit zwischen 1977 bis 1980 in seiner Heimatstadt wurde Wetzel Gewerkschaftssekretär vor Ort. In den Jahren darauf kletterte er in der Region die Gewerkschaftsleiter nach oben und war schließlich von 1997 bis 2004 Erster Bevollmächtigter der IG Metall Siegen. Dann machte ihn die Gewerkschaft zum Chef des mächtigen Bezirks Nordrhein-Westfalen. Seit 2007 ist er Stellvertreter von Gewerkschaftschef Berthold Huber, dessen Amt er nun übernehmen soll.

Werkverträge, Lohndumping und Mitbestimmung

Für Wetzel stehen Eckpunkte seiner künftigen Arbeit bereits fest. Auf zwei Themen werde er Wert legen, sagt der Gewerkschaftsvize und rollt dabei das "R" in Siegerländer Art, ähnlich der englischen Aussprache. "Das ist einmal das Thema des Missbrauchs der Werkverträge, damit diese nicht benutzt werden, um Lohndumping zu betreiben und die Arbeitsbedingungen zu verschlechtern. Der zweite Punkt ist: Wie schaffen wir es, Mitbestimmung und Beteiligung in der Arbeitswelt und auch in der Gesellschaft weiter zu stärken?"

Damit setzt Wetzel auf Kontinuität. Seit Jahren arbeitet er daran, die Mitgliederbeteiligung zu stärken. Die IG Metall bezeichnet sich heute als "Mitmachorganisation" und nutzt auch im Internet alle denkbaren Kontaktmöglichkeiten.

"Wir sind stärker geworden"

Daneben ist Wetzel die Kampagnenarbeit wichtig. In den vergangenen Jahren schaffte die Gewerkschaft öffentliches Bewusstsein für die Probleme der Zeitarbeit. Jetzt sind die Werkverträge an der Reihe. Und auch die Vielfalt der Interessen der unterschiedlichen Beschäftigtengruppen in der Metall- und Elektroindustrie will die Gewerkschaft möglichst ideal vertreten.

Die Zahlen geben Wetzel Recht. Über zwei Jahrzehnte musste die Gewerkschaft einen Mitgliederschwund verkraften. In den vergangenen zwei Jahren gelang der Wandel. "Wir sind stärker geworden - in allen Beschäftigtengruppen, sowohl bei den Facharbeitern wie bei den Ingenieuren", sagt Wetzel. Mitgliedergewinnung ist Knochenarbeit, auch für hochrangige Gewerkschaftsfunktionäre. Wetzel entspannt von seiner Arbeit, wenn er seinem leidenschaftlichen Hobby nachgeht, der Imkerei. Dann sei er im Einklang mit der Natur - in seiner Heimat, sagte der designierte Gewerkschaftschef.

Die Wahl Wetzels wäre bereits der zweite Führungswechsel bei einer einflussreichen Interessenorganisation binnen weniger Wochen: Eine Woche zuvor hatte bereits der Spitzenverband der deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) mit Ingo Kramer einen neuen Chef bestimmt. Der langjährige BDA-Präsident Dieter Hundt gab sein Amt nach mehr als 17 Jahren ab. Wenn Wetzel gewählt wird, stehen sich bei Verhandlungen zwischen BDA und IG Metall zwei Metaller gegenüber: Auf der einen Seite der gelernte Werkzeugmacher Wetzel und auf der anderen der Metall-Unternehmer Kramer.

Quelle: n-tv.de

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