Wie es mit Opel weitergeht, ist noch offen. Auch die Personalfragen sind ungeklärt. Die Auswahl im GM-Management ist sehr begrenzt.
(Foto: AP)
Sonntag, 08. November 2009
Personal-Karussell bei Opel: Widerstand gegen GM-Manager
Kein Konzept, keine Führung, kein Geld: Der marode Autobauer Opel gleicht einem Scherbenhaufen. Nach dem in letzter Sekunde gestoppten Verkauf an den Zulieferer Magna muss das Chaos nun schnellstens aufgeräumt werden. Die Frage ist nur, von wem. In den Glastürmen in Detroit wird eifrig nach einem Sanierer gesucht. Doch die Auswahl im Management des alten und neuen Opel-Eigentümers General Motors (GM) ist sehr begrenzt. "Alle Namen sind verbrannt", sagt ein Insider.
Und nach dem Abgang von Europa-Chef Carl-Peter Forster wäre eine neue Führung aus den Reihen der verhassten Mutter für Belegschaft, Betriebsrat und Gewerkschaften in Europa ein Schlag ins Gesicht. Heftiger Widerstand ist programmiert. Dabei muss der neue Opel-Chef die Gewerkschaften genauso überzeugen können wie die europäischen Regierungen, denen GM Staatshilfen abtrotzen will.
Nick Reilly als Interimslösung
Viel deutet daher auf einen Kompromiss hin. Denkbar ist, dass der US-Konzern den Opelanern zunächst GM-Manager Nick Reilly mangels Alternativen als neuen Europachef vor die Nase setzt - aber nur als Interimslösung. Mittelfristig soll wohl ein europäischer "Auto-Mann" von außen das Ruder übernehmen.
Nick Reilly könnte zunächst neuer Europachef werden. An Alternativen mangelt es.
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Und an der Spitze des Aufsichtsrats könnte nach gut informierten Kreisen der 77 Jahre alte GM-Veteran Bob Lutz Forster folgen. Noch ist diese Personalie nicht beschlossen, aber so viel ist klar: Lutz gilt in Europa als mitverantwortlich für den Niedergang von GM und Opel, Freunde hat er hierzulande nicht. "Ihn würde hier niemand akzeptieren - er ist ein Kerl, der in Aufsichtsratssitzungen die meiste Zeit schläft oder mit seinem Blackberry spielt", werfen Insider dem Amerikaner vor.
Für die Zukunft Opels unter Führung der alten GM-Manager, denen in Europa seit Jahren der Ruf arroganter Cowboys vorauseilt, die in Wild-West-Manier ohne Rücksicht auf die Erfordernisse des europäischen Markts Entscheidungen treffen, sieht auch Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer schwarz: "Die GM-Veteranen Reilly und Lutz stehen für die früheren "billiger" gebauten Fahrzeuge, die öfters auch mit schlechterer Qualität in den Ausstellungsräumen der Händler standen." Reilly werde bei Opel knallhart die Investitionen und damit die Arbeit an den Fahrzeugen von Morgen zusammenstreichen.
Hoffnung auf ein Entgegenkommen
Schon in dieser Woche wird GM-Präsident Fritz Henderson nach Deutschland reisen, um mit Politik und Betriebsrat über die Zukunft Opels zu reden. Dann will der US-Konzern nicht nur sein Konzept für das Europageschäft vorstellen, sondern auch über die neuen Köpfe an der Opel-Spitze sprechen.
Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz sagt unverhohlen, was er erwartet: "Einen Europäer mit Teamgeist und Benzin im Blut, der deutsch sprechen kann." Das alles trifft auf Reilly nicht zu. Der Chef-Aufräumer ist bisher für das GM-Asien-Geschäft und die Marke Chevrolet verantwortlich, die Opel auf dem Heimatmarkt Europa mit Kleinwagen Konkurrenz macht. Reilly steht aus Sicht der Opelaner für GM und Chevrolet und das Entwicklungszentrum in Südkorea. Letzteres wird in Europa als ganz schlechtes Zeichen gewertet, heißt es in Unternehmenskreisen: "Die Frage ist, wer den nächsten Corsa entwickelt - Südkorea oder wir."
Hoffnung auf ein Entgegenkommen der sonst kompromisslosen Amerikaner auch bei der Frage nach dem künftigen Führungspersonal gibt es vor allem deshalb, weil GM Opel wohl ohne Opfer der Belegschaft und ohne Staatshilfen aus Europa nicht sanieren kann. Die Arbeitnehmer haben sich als Vorbedingung für Verhandlungen einen eigenständigen Autobauer Opel auf die Fahnen geschrieben: Wichtige Modell- und Strategieentscheidungen für Opel sollen künftig in Rüsselsheim getroffen werden, nicht in Detroit.
Der Frankfurter IG-Metall-Bezirkschef Armin Schild, der im Opel-Aufsichtsrat sitzt, betont: "Wenn man mehr Eigenständigkeit hat, dann braucht man auch eigenständig denkfähige Spitzenmanager und nicht wie Marionetten funktionierende Abteilungsleiter." Und Franz, der mit dem Abgang Forsters vorübergehend auch dem Opel-Aufsichtsrat vorsitzt, stellt klar: "Ob Opel Europa eine Interessante Persönlichkeit mit gutem Ruf als Vorstandsvorsitzenden bekommen kann, hängt vom Grad der Freiheit ab, die GM Opel zubilligt: Je mehr Freiheit, umso potenter die Kandidaten."
Harald Schmidt, dpa
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