Wirtschaft
An den Börsen geht es derzeit vorzugsweise abwärts.
An den Börsen geht es derzeit vorzugsweise abwärts.(Foto: REUTERS)

Kursgewitter an Aktienmärkten: Wie Anleger in der Korrektur Gewinne machen

Ein Gastbeitrag von Marco Garzetti

An den Aktienmärkten herrscht Angst. Der Dax ist seit Jahresbeginn regelrecht abgestürzt, in der Schweiz sieht es kaum besser aus. Mutige Anleger greifen jetzt gezielt zu.

Wurde der Preissturz vom Erdöl noch bis vor wenigen Wochen als weltweites Konjunkturprogramm gefeiert, gilt er mittlerweile als Gefahr für die Finanzmärkte. Zum einen drohen in den USA bei den hoch verschuldeten Fracking-Unternehmen Zahlungsausfälle. Zum anderen gilt der Ölpreis-Crash als Warnsignal für das Wachstum der Weltwirtschaft. Sorge bereitet vor allem China, dessen Konjunktur eine Bruchlandung (hard landing) droht.

Wie üblich übertreiben die Börsen - aber diesmal nach unten. Die chinesische Volkswirtschaft wächst weiter, wenn auch langsamer als früher, und weltweit ist keine Rezession in Sicht. Vor diesem Hintergrund bietet die scharfe Korrektur günstige Einstiegschancen.

Für taktisch, also kurzfristig agierende Anleger sind insbesondere Unternehmen interessant, deren Rahmenbedingungen sich in der jüngsten Vergangenheit geändert haben. Gründe hierfür können das konjunkturelle Umfeld, die Marktnachfrage oder das Preisgefüge sein. So hat der Markt zuletzt eine durch und durch gesunde Firma wie Swatch massiv abgestraft. Eine Ursache für den Kurssturz ist die gesunkene Nachfrage aus China, die durch die Korruptionsbekämpfung deutlich nachgelassen hat. Außerdem leidet Swatch unter dem festen Schweizer Franken. Die Aktie kostet  rund 290 Euro. Vor gut zwei Jahren notierte der Wert noch doppelt so hoch.

Marco Garzetti verfügt über 15 Jahre Erfahrung als Investmentberater und Vermögensverwalter. Er ist Gründer und CEO der Swiss Fund Management AG und managt seit 2008 den flexiblen Mischfonds „Swiss Strategie – dynamisch“.
Marco Garzetti verfügt über 15 Jahre Erfahrung als Investmentberater und Vermögensverwalter. Er ist Gründer und CEO der Swiss Fund Management AG und managt seit 2008 den flexiblen Mischfonds „Swiss Strategie – dynamisch“.

Generell ist der Wunsch nach prestigeträchtigen Luxusgütern wie hochwertigen Uhren jedoch weiterhin ungebrochen. Vor allem in Asien werden sich diese künftig wieder mehr Menschen leisten können. Denn mittelfristig nehmen dort das Einkommen und das Vermögen der Menschen weiter zu. Außerdem gibt es für Swatch außer in Asien auch in anderen Regionen der Welt attraktive Absatzmärkte. Für Anleger mit einer etwas längeren zeitlichen Perspektive bietet Swatch eine gute Gelegenheit zum Einstieg.

Dasselbe gilt für Volkswagen. Vor allem aufgrund des Abgasskandals sind die Stämme vom Hoch von fast 250 Euro auf zuletzt weniger als die Hälfte abgestürzt. Trotz aller Probleme ist die Marke weiterhin wertvoll, und die Autos sind technologisch hochwertig. Wenn der Markt erkennt, dass der VW-Konzern unter seinem neuen Chef Matthias Müller wieder die Kurve kriegt, wird er das mit deutlich höheren Kursen honorieren.

Turnaround-Phantasie

Immer wieder ergeben sich auch aussichtsreiche Einstiegsgelegenheiten bei defizitären Firmen, die vor der Rückkehr in die schwarzen Zahlen stehen. Solche Investments sind aber immer mit entsprechenden Risiken verbunden. Ein typisches Beispiel hierfür ist der Schweizer Immobilienwert Züblin. Der Pennystock notiert derzeit im Bereich von umgerechnet 0,04 Euro, also dem Nominalwert der Aktie. Nach der jüngst erfolgten Kapitalerhöhung ist das Unternehmen nun mit ausreichend Finanzmitteln ausgestattet, um sich nach dem Rückzug vom französischen Markt neu aufzustellen und den Turnaround zu schaffen. Ein möglicher Erfolg der strategischen Neuausrichtung ist im Aktienkurs bislang noch nicht eingepreist.

Eine aussichtsreiche Gewinnchance bot zuletzt auch der Strategiewechsel des Reiseveranstalters Kuoni. Das Unternehmen verkaufte vor kurzem sein Reisebürogeschäft an die Rewe-Gruppe und positionierte sich damit als reiner Großhändler. Den Strategiewechsel und eine Goodwill-Abschreibung von 90 Mio. Euro quittierte die Börse mit einem Kursverlust von rund 275 auf 170 Euro.  Mittlerweile hat sich der Kurs auf 250 Euro erholt. Damit ist der ganz günstige Einstieg erst einmal passé. Doch Kuoni gilt als Übernahmekandidat. Sollte sich hier ein Interesse konkretisieren, sind noch höhere Kurse drin.

Der Erfolg an der Börse basiert neben dem günstigen Einkauf natürlich ebenso auf dem passenden Ausstieg. Der richtige Zeitpunkt dafür ist erreicht, wenn die mikro- und makroökonomischen Erwartungen eingetroffen sind und damit die Anlagestrategie aufgegangenen ist. Falsch ist es, gierig zu sein und auf noch größere Kurssteigerungen zu setzen, die über den ursprünglichen Erwartungen liegen, ohne dass sich fundamental etwas geändert hat. Zwar fällt es regelmäßig schwer, Hoffnungen aufzugeben. Doch es bieten sich immer wieder neue Investmentchancen, auf die der Anleger mit ausreichend Cash vorbereitet sein sollte.

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Quelle: n-tv.de

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