Wirtschaft
Es geht nichts über eine gute Deckung.
Es geht nichts über eine gute Deckung.(Foto: REUTERS)

"Deutschland wird das neue PIIG": Wie gefährlich sind Italiens Banken?

Von Egmond Haidt und Daniel Saurenz

Die faulen Kredite der italienischen Banken belaufen sich auf mehrere hundert Milliarden Euro. Mancher Experte erwartet daher auch für Deutschland große Probleme. Doch sie liegen ganz woanders.

Europas Bank-Aktien schütteln ihre Probleme ab und haben seit dem Mehr-Jahres-Tief vom Februar 2016 um knapp 20 Prozent zu gelegt. Viele Investoren haben damit die Schwierigkeiten ad acta gelegt, die die Branche in Europa weiterhin plagen. Ein Sinnbild der Krise sind die italienischen Institute. Sie sitzen auf faulen Krediten von rund 200 Mrd. Euro. Das ist eine Verfünffachung gegenüber Anfang 2009.

"Der Anteil der faulen Kredite beläuft sich auf 18 Prozent des gesamten Kreditvolumens", schreiben die Analysten der Citigroup. Wenn man jene Kredite dazuzählt, die sich zwar im Zahlungsverzug befinden, aber offiziell noch nicht zu den faulen Krediten gehören, summiert sich der Wert an Problemkrediten auf rund 350 Milliarden Euro. Nach langen Verhandlungen hat sich der italienische Finanzminister Pier Carlo Padoan mit der EU-Kommission auf die Gründung einer italienischen "Bad Bank" geeinigt, in die die Institute ihre faulen Kredite und Papiere auslagern können. Damit hellen sich die Perspektiven für die Banken auf.

George Friedman, Gründer von "Geopolitical Futures", befürchtet dennoch, dass Deutschland in den Schlamassel der italienischen Banken hineingezogen wird. Seine Firma hat sich auf die Vorhersage von geopolitischen Entwicklungen, wie den Handlungen von Politikern, spezialisiert. Die Probleme der italienischen Banken "werden nach Holland überschwappen, sie werden nach Deutschland überschwappen. Deutschland wird das neue PIIG-Land", meint Friedman. Die PIIGS-Staaten Portugal, Italien, Irland, Griechenland und Spanien standen in den Jahren 2011 und 2012 im Mittelpunkte der Schuldenkrise der Eurozone. Friedman befürchtet, dass Deutschland schlussendlich Italien retten müsse.

Die Sorgen sind allerdings überzogen. Das zeigt ein Blick auf die Fundamentaldaten. So hat beispielsweise die Deutsche Bank Kredite an Italien von lediglich 4,6 Milliarden Euro vergeben. Gemessen an der Bilanzsumme von zuletzt 1,63 Billionen Euro sind das "Peanuts", denn das Kreditengagement macht lediglich 0,3 Prozent der Bilanzsumme aus. Abzüglich der über Credit Default Swaps (CDS) abgesicherten Risiken, stehen netto sogar nur 244 Millionen Euro bei der Deutschen Bank im Feuer. Die Bruttokredite gegenüber italienischen Finanzinstituten belaufen sich auf lediglich 5,7 Milliarden Euro. Auch das sollte kein Problem für die Deutsche Bank darstellen.

EZB wird faule Kredite "entsorgen"

Zumal EZB-Chef Mario Draghi alles tun wird um, um eine Verschärfung der Bankenkrise in Italien zu verhindern. Zuletzt hat die EZB darüber nachgedacht, den Rahmen ihres Anleihenkaufprogramms zu erweitern, und künftig Pakete an faulen Krediten der italienischen Banken zu kaufen. Alternativ besteht die Möglichkeit, dass die italienischen Banken ihre faulen Kredite zu Anleihen verpacken und sie als Sicherheit bei der Vergabe von EZB-Krediten zu hinterlegen. Welchen Weg die EZB auch immer gehen wird, italienische Banken dürften eine Möglichkeit bekommen, sich möglichst schonend von ihren faulen Krediten zu trennen.

Diese Aussicht führt auch zu einer Beruhigung am Staatsanleihenmarkt, denn wenn es den dortigen Banken wieder besser geht, haben sie weiterhin Geld um kräftig italienische Staatsanleihen zu kaufen. Genau aus diesem Grund sind die Zinsen für zehnjährige Anleihen auf 1,43 Prozent gesunken und nehmen das Rekordtief vom Frühjahr 2015 bei 1,25 Prozent ins Visier. Für Zuversicht bei Investoren sorgt auch die EZB-Sitzung am 10. März. Experten gehen davon aus, dass Draghi die Zinsen für die Einlagen der Banken bei der EZB von minus 0,3 Prozent auf minus 0,4 Prozent senken wird. Zudem könnte Draghi das Gelddruckprogramm von zuletzt 60 Milliarden Euro monatlich auf 75 oder 80 Milliarden aufstocken.

Angesichts dessen könnten die Sorgen über die Bankenkrise in Italien bei den Besitzern der Aktien von Deutscher Bank und Commerzbank erst einmal in den Hintergrund treten. Ein Risiko ist allerdings, dass Draghi die Geldpolitik am 10. März zu sehr lockert, woraufhin der Zinsüberschuss vieler Banken noch mehr unter Druck kommen wird, weil die Zinsmargen weiter schrumpfen. Das würde die Bankaktien belasten, weshalb sie wieder nach unten drehen könnten. Deutsche Bank-Chef John Cryan hat daher zuletzt vor einer weiteren Zinssenkung ausdrücklich gewarnt. "Wenn die Zinsen negativer werden, dann werden die Verluste auf der rechten Seite der Bilanz größer."

Quelle: n-tv.de

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