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Der Tesla X - wenn man das nötige Kleingeld hat.
Der Tesla X - wenn man das nötige Kleingeld hat.(Foto: picture alliance / dpa)

Aktienkurs schießt nach oben: Wie lange kann Tesla noch feiern?

Der Elektroautohersteller Tesla hat noch nie Geld verdient und weitet den Verlust nun sogar aus. Wie man Investoren trotzdem begeistert, demonstriert Unternehmensgründer Musk eindrucksvoll. Doch die Party könnte ein jähes Ende finden.

Tesla hat noch nie Gewinn erwirtschaftet. Nun weitet der Elektroauto-Pionier seine Verluste sogar aus. Und die Anleger? Feiern trotzdem. Der Grund: Konzernchef Elon Musk kündigte bei der Präsentation der jüngsten Quartalszahlen an, das Unternehmen werde in diesem Jahr erstmals schwarze Zahlen schreiben – trotz hoher Investitionen. Wie hoch der Gewinn ausfallen könnte, verriet Musk allerdings nicht.

Doch die Ankündigung reichte aus, den Aktienkurs kräftig in die Höhe zu treiben. Im nachbörslichen Handel der Wall Street verteuerten sich die Papiere zeitweise um 15 Prozent. Dass sich der Verlust im vierten Quartal verglichen mit dem Vorjahreszeitraum auf 320 Millionen Dollar fast verdreifachte, tat der Euphorie keinen Abbruch.

Will die Mobilität revolutionieren: Elon Musk.
Will die Mobilität revolutionieren: Elon Musk.(Foto: REUTERS)

Das ist auch deshalb bemerkenswert, weil viele Investoren Musk in den vergangenen Wochen mit Liebesentzug bestraft hatten. Um fast 40 Prozent war der Aktienkurs seit Anfang des Jahres eingebrochen, bevor der Tesla-Chef mit zuversichtlichen Aussagen die Begeisterung neu entfachte.

Wird sie anhalten? Obwohl Tesla regelmäßig hohe Verluste einfuhr, wurde das Unternehmen an der Börse lange als Speerspitze der E-Mobilität abgefeiert. Doch dann schien sich das Blatt zu wenden. Zweifel an den Erfolgsaussichten des seit der Gründung im Jahre 2003 chronisch defizitären Unternehmens wuchsen.

Und so versprachen Musk und sein neuer Finanzvorstand Jason Wheeler nun, die Kosten und die Verluste in den Griff zu bekommen und die Produktionsziele zu erreichen. "Nur Bares ist Wahres", sagte Wheeler. In diesem Jahr sollen sich die hohen Investitionen endlich auszahlen: Bis zu 90.000 Autos sollen ausgeliefert werden – das wäre eine Steigerung von fast 80 Prozent zum Vorjahr.

Billiges Benzin ist Teslas Alptraum

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Es bleibt abzuwarten, ob Musk seine ehrgeizigen Ankündigungen umsetzen kann. Es wäre nicht das erste Mal, dass er optimistische Prognosen später kassiert. Skeptiker weisen darauf hin, dass das Umfeld für E-Autos derzeit nicht besonders erfreulich ist. Denn der niedrige Ölpreis und damit das billigere Benzin dämpfen die Nachfrage nach Alternativen zu herkömmlichen Autos.

Dieses Problem trifft Tesla zwar nicht so stark wie andere Anbieter, weil der Hersteller bislang nur Luxus-Modelle anbietet und nicht über mangelnde Kauflust reicher Kunden klagen kann. Doch perspektivisch könnte Billigsprit die geplante Offensive im Massenmarkt erschweren.

Die Firma kämpft zudem mit hausgemachten Schwierigkeiten. Vor allem der lahme Anlauf der Produktion des Elektro-SUV "Model X", dessen Auslieferung im Herbst nach diversen Verschiebungen begann, lässt Analysten an Tesla zweifeln. Die schleppende Fertigung könne zu Lieferschwierigkeiten führen und noch mehr Geld verbrennen, warnt etwa Autoexperte Brian Johnson von der Großbank Barclays. "Das ruft die Risiken der aggressiven Wachstumsambitionen für die nächsten Jahre zurück ins Gedächtnis", meint Johnson.

Musk, der sein Vermögen mit dem Bezahldienst Paypal machte und nebenher unter anderem auch noch die Raumfahrtfirma SpaceX führt, hat mit Tesla große Pläne. In Nevada baut das Unternehmen eine riesige Batteriefabrik. Die "Gigafactory" soll Tesla in Zukunft einmal profitabel machen, kostet aber zunächst viel Geld.

Im nächsten Monat will die Firma, die bislang nur die Limousine "Model S" in größerem Stil verkauft, mit dem "Model 3" ein für die breitere Bevölkerung erschwingliches E-Auto  vorstellen. Es soll mit etwa 35.000 Dollar weniger als die Hälfte der Premium-Modelle kosten und 2017 den Massenmarkt betreten. Die Reichweite soll bei etwa 320 Kilometern liegen.

Allerdings macht General Motors (GM) mit einem ähnlichen Angebot Konkurrenz. GM will Tesla mit dem Chevrolet Bolt EV zuvorkommen - mit einer Reichweite von ebenfalls rund 320 Kilometern und einem Preis von rund 30.000 Dollar nach Abzug staatlicher Vergünstigungen ein ernstzunehmender Wettbewerber. Barclays-Analyst Johnson sieht trotzdem gute Chancen für Musks Projekt: "Das Model 3 könnte das Interesse an Tesla Ende März wieder entfachen."

Quelle: n-tv.de

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