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Willi Balz.
Willi Balz.(Foto: picture alliance / dpa)

Windpark-Entwickler in Nöten: Windreich meldet Insolvenz an

Dem schwäbischen Windpark-Entwickler Windreich ist das Geld ausgegangen. Das Unternehmen beantragt ein Insolvenzverfahren in Eigenregie - und Gründer Balz gibt den Chefposten ab.

Der bekannteste deutsche Pionier für Offshore-Windparks muss sein vorläufiges Scheitern eingestehen: Die Windreich GmbH reichte beim Amtsgericht Esslingen einen Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung ein. Die finanziellen Schwierigkeiten sollen zwar nicht das Ende des Unternehmens markieren, das Lizenzen für Windparks in großen Teilen der Nordsee besitzt. Der Neuanfang soll aber ohne den bisherigen Chef stattfinden. Der Unternehmer und Gesellschafter Willi Balz zieht sich mit sofortiger Wirkung aus der Geschäftsführung bei Windreich zurück.

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Windreich plant und baut Windanlagen im Meer und an Land. Das Unternehmen gilt als unangefochtene Nummer eins bei Windparkprojekten in der Nordsee mit einem Marktanteil von gut einem Drittel. Finanzielle Probleme hatten sich - auch angesichts der nur langsamen Fortschritte bei Offshore-Windkraft - schon seit längerem abgezeichnet.

Im Frühjahr war Balz in die Kritik geraten. Die Staatsanwaltschaft Stuttgart vermutete damals Bilanzmanipulation bei Windreich und durchsuchte den Hauptsitz in Wolfschlugen. Im Visier der Behörde standen dabei auch Vorstände, darunter Firmenchef Balz. Ihnen wurde vorgeworfen, Jahres- und Konzernabschlüsse durch Überbewertung von Vermögenspositionen geschönt zu haben. Damals betonte Balz noch, sich nicht durch die Vorwürfe von seinem Weg abbringen lassen zu wollen. Nun muss das Unternehmen ohne ihn in der Geschäftsführung weitermachen.

Leidtragende der Insolvenz dürften insbesondere die Anleihegläubiger sein. Windreich hatte oft Bonds bei privaten Anlegern untergebracht. Laut Webseite hatte das Unternehmen im Jahr 2010 eine Anleihe über bis zu 50 Millionen und ein Jahr später nochmals für bis zu 75 Millionen Euro ausgegeben.

Sanierungskonzept angekündigt

Eines der wichtigsten Projekte des Unternehmens ist der Nordsee-Windpark MEG 1. Dieses steht laut Windreich kurz vor dem Abschluss der Finanzierungsphase. Um die Entwicklung dieses Projekts soll sich nun Werner Heer kümmern, der als neuer und vorläufig einziger Geschäftsführer der Windreich GmbH ernannt wurde.

Heer ist für Balz kein Unbekannter. Der Manager war bislang schon Berater von Windreich. Auch kennen sich die beiden vom Windradbauer Fuhrländer, an dem Balz beteiligt war. Doch zumindest bei Fuhrländer hatte Heer keinen durchschlagenden Erfolg. Die Insolvenz in Eigenverwaltung scheiterte, vom Unternehmen existieren nur noch Reste.

Für die Entwicklung des Windparks MEG 1 war offenbar Balz selbst ein großes Hindernis. In der Presseerklärung von Windreich heißt es, in den Gesprächen mit Investoren sei deutlich geworden, dass ein Managementwechsel bei dem Windparkentwickler Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Fortsetzung der Gespräche ist. Diese Voraussetzung ist mit der Ernennung von Heer nun erfüllt. Zum vorläufigen Windreich-Sachwalter wurde Holger Blümle von der Kanzlei Schultze & Braun bestellt.

Offshore-Wind sollte lange ein zentraler Baustein der deutschen Energiewende werden. Die Anbindungen der Windparks an das Stromnetz waren jedoch mit großen technischen Problemen verbunden und verzögerten den gesamten Ausbau der Windparks vor der Küste. Der MEG 1-Windpark wird im Bereich der Deutschen Bucht, in einer Entfernung von 45 Kilometern nördlich von Borkum errichtet.

In den kommenden Wochen wollen Heer und das Management ein Sanierungskonzept erarbeiten. Dieses soll dem vorläufigen Sachwalter zur Prüfung vorgelegt und anschließend den Gläubigern und Investoren vorgestellt werden.

Quelle: n-tv.de

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