Wirtschaft

Ein Prozent AusfallquoteWinter ärgert die Bahn

09.04.2010, 17:05 Uhr

Im vergangenen Winter mussten sich mehr Bahnkunden in Geduld üben als in den Jahren zuvor. Das Wetter sorgte für zahlreiche Zugausfälle.

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Im Winter fielen weitaus mehr Verbindungen aus als gewöhnlich. (Foto: dpa)

Der harte Winter hat bei der Deutschen Bahn für einen erheblichen Anstieg der Zugausfälle im Vergleich zu den vergangenen Jahren gesorgt. Ingesamt 114 Verbindungen seien im Schnitt pro Tag ganz oder teilweise entfallen, wie aus einer Antwort des Bundesverkehrsministeriums auf eine Anfrage der SPD-Bundestagsfraktion hervorgeht. Der Fahrgastverband Pro Bahn forderte vom Konzern mehr Reservezüge.

Vom Anstieg der Zugausfälle war den Angaben zufolge ausschließlich der Fernverkehr betroffen, wo zum Großteil ICE-Züge fahren. Dort verdreifachte sich die Zahl der ausgefallenen Züge gegenüber den Vorjahren, im Schnitt seien täglich rund 30 Züge komplett oder teilsweise gestrichen worden. In den Jahren zuvor bewegte sich die Anzahl der ganz oder teilweise gestrichenen Verbindungen pro Tag zwischen fünf und zehn.

Im Regionalverkehr habe in diesem Winter dagegen "kein Anstieg von Ausfällen oder Teilausfällen" im Vergleich zu den Frostperioden der Vorjahre festgestellt werden können, so das Verkehrsministerium. Im Schnitt seien 39 Züge pro Tag ganz entfallen, 45 teilweise. Dies entspreche einer Ausfallquote von einem Prozent.

Technische Probleme

SPD-Verkehrsexperte Uwe Beckmeyer forderte Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer zum Handeln auf. Ramsauer müsse angesichts des deutlichen Anstiegs der Zugausfälle "beherzt eingreifen." Dieser "massive Zugausfall" sei nicht hinnehmbar", sagte Beckmeyer der "Bild"-Zeitung.

Der Fahrgastverband Pro Bahn wies darauf hin, dass die Deutsche Bahn in diesem Winter von einer ganzen Reihe belastender Faktoren für den Zugverkehr betroffen gewesen sei. "Eine Entschuldigung für die Zugausfälle ist dies aber nicht", sagte Pro-Bahn-Sprecher Karl-Peter Naumann. Für die kommenden Winter müsse der Konzern "auf jeden Fall mit genügend Reservezügen vorsorgen".

Die Deutsche Bahn hatte in diesem Winter wegen niedriger Temperaturen und Schneefällen über Wochen hinweg mit massiven technischen Problemen zu kämpfen. Neben Zugausfällen kam es auch zu zahlreichen Verspätungen. Hinzu kam, dass die Bahn aufgrund der verkürzten Wartungsintervalle infolge von Achsproblemen an Teilen der ICE-Flotte kaum noch Reserven hat, auf die sie zurückgreifen könne. Naumann forderte daher, die Industrie müsse verlässlichere ICE-Züge bauen.

Quelle: AFP