Wirtschaft
Große Solaranlagen (hier in Israel) sollten bis zu 15 Prozent des europäischen Strombedarfs decken.
Große Solaranlagen (hier in Israel) sollten bis zu 15 Prozent des europäischen Strombedarfs decken.(Foto: REUTERS)

Ambitionierte Pläne vor dem Aus: Wird Wüstenstrom-Projekt Stecker gezogen?

Das Vorhaben ist ehrgeizig: Aus den sonnenreichen Regionen in Nordafrika will Europa einen Teil seines Stroms beziehen. Doch die Idee bleibt in den Kinderschuhen stecken - und könnte nun endgültig begraben werden. Afrika aber hat eigene Pläne.

Der vor fünf Jahren mit großen Hoffnungen ins Leben gerufenen internationalen Wüstenstrominitiative Desertec Industrial Initiative (Dii) droht einem Medienbericht zufolge das Aus. Der Zusammenschluss von 35 internationalen Konzernen kann sich nach Angaben aus Gesellschafterkreisen nicht auf eine Fortführung in bisheriger Form einigen, wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtet.

Hand drauf: Bei Der Gründung 2009 herrschte noch Optimismus.
Hand drauf: Bei Der Gründung 2009 herrschte noch Optimismus.(Foto: REUTERS)

Ende des Jahres laufen die Verträge mit den Gesellschaftern aus. Das Überleben sichern könnte nur eine rasche verbindliche Zusage für einen neuen Etat von rund zwei Millionen Euro. Doch die sei nicht in Sicht.

Für den Fall der Abwicklung liegt dem Bericht zufolge ein Plan B in der Schublade. So müsste zwar die Zentrale in München schließen. Doch die Dii könnte in kleinerer Form als Beratungsunternehmen unter der Leitung von Mitarbeiter aus Nordafrika oder dem Nahen Osten überleben. Allerdings sei auch dies nicht sicher.

Erneuerbare Energien durchkreuzen Pläne

Bei einem Treffen in Rom am kommenden Montag am Rande der Desertec-Jahreskonferenz wollen die Gesellschafter, zu denen RWE, MunichRe, ABB oder die Deutsche Bank gehören, dem Blatt zufolge über die Zukunft der Initiative beraten. Die Gesellschaft selbst äußerte sich der Zeitung zufolge nicht zu ihrer Zukunft. "Eine Entscheidung ist noch nicht gefallen", sagte ein Dii-Sprecher demnach. Sie werde am Montag von den Gesellschaftern getroffen.

Die Initiative galt damals als eines der ehrgeizigsten Erneuerbare-Energien-Projekte überhaupt. Bis 2050 sollte sie den Weg für den Bau Hunderter Öko-Kraftwerke in Nordafrika und dem Nahen Osten ebnen, die zusammen den Strombedarf der Region zu großen Teilen decken könnten - und dazu noch rund 15 Prozent deseuropäischen Verbrauchs. 

Doch aus den Plänen wurde nichts. Angesichts des Boom bei Erneuerbaren Energien verfügt Europa aktuell über zu viel und nicht zu wenig Strom. Zuletzt hatte sich die Dii darauf konzentriert, Anlagen für den schnell wachsenden Strombedarf in Afrika mit Machbarkeitsstudien zu fördern. Denn das Interesse in Ländern wie Marokko, Tunesien, Algerien und Ägypten an grünem Strom wächst.

Quelle: n-tv.de

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