Wirtschaft

"Hitler und Stalin wären erfreut" : Wird das Bargeld abgeschafft?

(Foto: imago/McPHOTO)

Bargeld lacht. Noch. Denn mit den Überlegungen zur Einführung einer Bargeldobergrenze fürchtet mancher dessen Ende nahen. Andere sehen darin ein probates Mittel gegen Schwarzarbeit und Terror. Max Otte erklärt seine Sicht der Dinge.

n-tv.de: Haben Sie etwas dagegen, Steuerhinterziehung, Geldwäsche und Terrorismus einzudämmen?

Max Otte: Natürlich nicht. Dagegen kann niemand etwas haben. Aber das sind doch alles Scheinargumente, um die wahren Motive für die Bargeldabschaffung zu vertuschen.

Worum geht es Ihrer Meinung bei einer Bargeldbeschränkung?

Der "Handelsblatt"-Journalist Norbert Häring, der ein ausführliches Buch zum Thema verfasst hat, schreibt kurz und bündig: Ohne Bargeld werden wir zu Geiseln der Banken. Die Politik hat sich die Finanzbranche schon weitgehend gekauft, nun sollen auch die Bürgerinnen und Bürger noch erpressbar gemacht werden. Bei einer weitgehenden Abschaffung des Bargelds kann die Reorganisation des bankrotten Geldsystems der westlichen Staaten viel leichter erfolgen. Außerdem sind natürlich die Anbieter von Plastikgeld daran interessiert, an jeder Transaktion mitzuverdienen. Und die Datenkraken, für die wir dann völlig gläsern werden. Und die politischen Kontrollmöglichkeiten sind enorm. Sie können unliebsame Personen fast perfekt überwachen und ihnen im Zweifelsfall einfach den Saft abdrehen. Hitler oder Stalin hätten sich über ein solch perfektes Kontrollinstrument gefreut.

Aus ökonomischer Sicht: Wozu brauchen wir Bargeld?

Dr. Max Otte ist Wirtschaftsprofessor, Fondsmanager und Buchautor.
Dr. Max Otte ist Wirtschaftsprofessor, Fondsmanager und Buchautor.

Ökonomisch kann man eine Wirtschaft auch ganz ohne Geld betreiben. Das alte Ägypten oder das Inkareich sind Beispiele dafür. Nein, Bargeld ist einer der letzten Garanten für die ökonomische Freiheit von Bürgerinnen und Bürgern und gegen eine Staats- und Konzernwirtschaft. Nur mit Bargeld ist eine "Abstimmung mit den Füßen" möglich.

Glauben Sie, dass Bargeld ganz abgeschafft werden soll?

Ich glaube nicht. Das wäre zu auffällig. Aber schon bei einer Begrenzung der Bargeldzahlungen auf 1000 Euro - wie schon in Italien und Frankreich umgesetzt - wären viele Ziele der Bargeldgegner erreicht.

Wo nutzen Sie Bargeld?

In Restaurants, an Tankstellen, beim Kauf von Kleidung und Gütern des täglichen Bedarfs. Ich habe mir fest vorgenommen, es in Zukunft noch viel mehr zu nutzen.

Wie viel Bargeld haben Sie zu Hause?

Relativ wenig. Noch verlasse ich mich auf unser System. Deswegen ist es aber auch so wichtig, für den Bargelderhalt zu kämpfen.

In anderen Ländern Europas gibt es längst eine Obergrenze. Warum hängen die Deutschen so am Bargeld?

Weil es bei uns anscheinend noch mehr unabhängige Bürgerinnen und Bürger gibt. Und weil Deutschland für die Finanzlobby härter zu knacken ist als kleine Staaten wie Schweden oder Dänemark.

Ungeachtet dessen, erwarten Sie eine weitere Ausweitung von Billiggeld und Strafzinsen?

Ja.

Sie glauben nicht an eine Belebung der Wirtschaft durch negative Zinsen?

Das kann schon eine Weile funktionieren. Die Zwangs- und Staatswirtschaft - und um nichts anderes handelt es sich bei negativen Zinsen - hat auch in der Sowjetunion eine Weile funktioniert.

Mit Max Otte sprach Axel Witte

Quelle: n-tv.de

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