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Raimund Brichta: Wird das ein Crash?

Ein Kommentar von Raimund Brichta

Am 20. Juni markiert der Dax bei 10.050,98 Punkten sein bisheriges Allzeithoch. Zum Wochenschluss fällt er kurzzeitig unter 9200 Zähler - macht knapp 800 Punkte Minus in sechs Wochen. Ist das noch Korrektur oder schon Crash?

Raimund Brichta, n-tv Telebörse
Raimund Brichta, n-tv Telebörse(Foto: n-tv)

Unzählige Male bin ich in den vergangenen Monaten gefragt worden: "Wann kommt denn endlich die Börsen-Korrektur?" Und immer wieder habe ich geantwortet: "Ich weiß es auch nicht, aber das Zeitfenster dafür ist noch bis Oktober geöffnet."

Mir scheint so, dass ein Kursrutsch selten so sehnlichst erwartet wurde wie diesmal. Und das  könnte, jetzt wo er da ist, dafür sprechen, dass er auch früher vorbei ist als gedacht. Denn wenn diese Leute tatsächlich das tun, was sie vorhatten, nämlich zu günstigeren Kursen einzusteigen, dann sollte doch die Wende bald kommen, oder?

"Greife niemals in ein fallendes Messer"

Wenn da nur die dumme Psychologie nicht wäre: "Was? Ausgerechnet jetzt soll ich kaufen, wo die Kurse gerade purzeln? Was ist, wenn es noch weiter runter geht? Greife niemals in ein fallendes Messer, heißt es doch, oder? Außerdem Russland, die Ukraine, Blasenbildung, Argentinien-Pleite, Zinswende und, und, und .... Bei so viel Garstigem warte ich lieber ab!" Und schwups, werden die Kaufpläne von gestern ad acta gelegt.

Aus denselben Gründen drücken gleichzeitig andere auf den Verkaufsknopf. Zum Beispiel diejenigen, die erst vor Kurzem auf Höchstständen eingestiegen sind. Solche Hände gelten als besonders schwach, weil sie fürchten müssen, gleich zu Beginn ihres Engagements in die Miesen zu geraten.

Psychologie eben

Börse ist bekanntlich hauptsächlich Psychologie, und deshalb geht es bei einem Crash dann auch relativ schnell. Wie im Sommer 2011: Damals plumpste der Dax in wenigen Wochen um mehr als 30 Prozent - kein ausgewachsener Crash, zugegeben,  aber wegen seiner Heftigkeit zumindest ein Rutsch, der die Bezeichnung Mini-Crash verdient. Dass er damals um die gleiche Zeit begann, nämlich Ende Juli / Anfang August, ist übrigens kein Zufall. In dieser Zeit sind die Börsen seit jeher anfällig für Rückschläge - Psychologie eben.

Und solange es anschließend wieder nach oben geht wie vor drei Jahren, bleibt das Ganze auch nur eine Korrektur - egal, ob sie nun 10, 20 oder 30 Prozent beträgt. Genau das ist auch meine Erwartung. Für einen ausgewachsenen Crash - das wären 40 Prozent Einbruch oder mehr - ist die Zeit meines Erachtens noch nicht reif. Auch der wird in den nächsten Jahren mit Sicherheit mal wieder kommen, aber dann vermutlich von einem viel höheren Niveau aus.

8000, 7500, ...?

Ohne also das Ausmaß der laufenden Korrektur exakt vorausberechnen zu wollen,  möchte ich zumindest die maximalen Spannen nennen, die ich nach unten in den nächsten 5 bis 10 Wochen für möglich halte: Wenn's ganz schlecht läuft, dann testet der Dax noch mal den Bereich um 8000 Punkte, wenn's noch schlechter kommen sollte, dann sogar den um 7500. Aber spätestens dort müsste Schluss sein, sofern nicht gerade der Dritte Weltkrieg ausbricht. Jede Umkehr darüber ist natürlich ebenfalls möglich. Und eines halte ich sogar für ausgemacht: Spätestens im Lauf des Oktober dürfte das Schlimmste überstanden sein, vermutlich schon früher.

Das alles natürlich unter dem üblichen Vorbehalt, dass künftige Ereignisse unsicher sind, weil sie die Zukunft betreffen, und ich zugegebenermaßen immer noch keine Glaskugel habe. Ich muss mir wohl endlich mal eine besorgen, meint Ihr

Raimund Brichta

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Quelle: n-tv.de

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