Wirtschaft
Dienstag, 10. August 2010

US-Notenbank vor der Entscheidung: Wirft die Fed die Notenpresse an?

Hochspannung im Sommerloch: Die Fed entscheidet im Angesicht immer weniger Jobs in den USA über weitere Lockerungen in der Geldpolitik. Das ist leichter gesagt als getan, denn der Leitzins steht schon quasi bei null Prozent. Doch Spekulationen zufolge könnten die Notenbanker abermals alle Register ziehen, um die US-Konjunktur endlich in die Spur zu setzen.

Am US-Arbeitsmarkt ist von einer Erholung von der Krise wenig zu spüren.
Am US-Arbeitsmarkt ist von einer Erholung von der Krise wenig zu spüren.(Foto: REUTERS)

Auf den ersten Blick sollte man glauben, die Fed hätte im Kampf gegen die schwersten Turbulenzen seit den 30er Jahren bereits ihr Pulver verschossen. Sie hat fast 1,7 Billionen Dollar in das US-Finanzsystem und die strauchelnde Wirtschaft gepumpt, Staatsanleihen gekauft und mit dem Erwerb von hypothekenbesicherten Anleihen den Häusermarkt so gut es ging gestützt. Seit Beginn der Krise hat die Fed damit aus allen Rohren gefeuert - doch zu mehr Jobs für Millionen Amerikaner, die Einkommen, Haus und Hof verloren haben, hat das nicht geführt. Vergangene Woche kam der Beweis schwarz auf weiß: Weitere 131.000 Jobs sind alleine im Juni weggefallen. Die Konjunkturerholung steht mehr denn je auf tönernen Füßen.

Notenbankchef Ben Bernanke hat bereits vor Veröffentlichung dieser enttäuschenden Daten versprochen, dass seine Notenbank nichts unversucht lassen wird, um weiteren Schaden abzuwenden. Im Juli erklärte er vor dem US-Kongress mit markigen Worten, die Fed "steht bereit und wird handeln", sollte die Wirtschaft keine Fortschritte machen. Seitdem rätseln Experten und Öffentlichkeit was Bernanke genau versprochen hat. Wie gesagt: Am Leitzins, der in normalen Zeiten schärfsten Waffe der Fed, kann er kaum noch schrauben.

Doch er kann Geld, das die Notenbanker bei Fälligkeit früher gekaufter Wertpapiere einnehmen, investieren und damit neue Staatsanleihen kaufen, meinen beispielsweise die Analysten der italienischen Großbank Unicredit. Bislang tut die Fed dies nur bei auslaufenden Staatsanleihen, nicht aber zum Beispiel bei Hypothekenpapieren. Der reale Effekt einer solchen Aktion wäre zwar begrenzt. Doch psychologisch könnte Bernanke nach Ansicht von Analyst Harm Bandholz, einiges erreichen, "da die Märkte dies möglicherweise doch als allerersten Schritt hin zu einer Ausweitung der quantitativen Lockerung auffassen".

Ob es dazu wirklich kommen wird, bleibt abzuwarten. Bernd Weidensteiner, Fed-Experte der Commerzbank, bleibt vorsichtig: "Die in den sechs Wochen seit der letzten FOMC-Sitzung veröffentlichten Daten signalisierten eine Abschwächung des Wachstums. Allerdings fielen die Zahlen wohl kaum so schlecht aus, dass sie die Fed zu einer völlig neuen Lageeinschätzung bringen könnten." Aus seiner Sicht ist die Bestätigung des Leitzinskorridors von 0 bis 0,25 Prozent eine reine Formsache. Auch das seit vielen Monaten gebetsmühlenartig wiederholte geldpolitische Mantra, die Fed werde den Leitzins noch "für einen längeren Zeitraum auf einem außerordentlich niedrigen Niveau" halten, dürfte seiner Ansicht nach bestätigt werden.

Was also wird die Fed tun? Wird sie auf Zeit spielen oder wird sie damit beginnen die Finanzmärkte darauf vorzubereiten, dass sie demnächst etwas gegen die schwächelnde Erholung der Wirtschaft zu tun gedenkt? Und wenn das so kommenden sollte, bleibt die Frage, welche ihrer Werkzeuge die Notenbanker dann nutzen wollen, um auf eine Verschlechterung des wirtschaftlichen Ausblicks zu reagieren. Kaum ein Analyst rechnet damit, dass sich Bernanke schon dieses Mal in die Karten schauen lassen wird. Aber der Tonfall des Begleitstatements zum Zinsbeschluss dürfte wohl härter werden und zeigen: Die Notenbank lässt die Gelddruckmaschinen für den Notfall schon mal warm laufen.

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Quelle: n-tv.de

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