Wirtschaft
Die deutsche Wirtschaft geht auf Wachstumskurs: Der ZEW-Index ist überraschend im fünften Monat in Folge angestiegen.
Die deutsche Wirtschaft geht auf Wachstumskurs: Der ZEW-Index ist überraschend im fünften Monat in Folge angestiegen.(Foto: picture alliance / dpa)

ZEW-Index legt zum fünften Mal zu: Wirtschaft auf Wachstumskurs

Die Schuldenkrise kann der Konjunktur in Deutschland offenbar nichts anhaben: Wichtige Konjunktursignale wie der ZEW-Index zeigen weiter steil nach oben. Die deutsche Wirtschaft dürfte damit mindestens bis Herbst auf einer Insel der Glückseligkeit leben, während bei vielen Nachbarn Krise herrscht. Denn aus der Eurozone gibt es leider weniger gute Nachrichten.

Die Konjunkturerwartungen von Finanzmarktanalysten und institutionellen Anlegern für Deutschland haben sich im April überraschend aufgehellt. Wie das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim mitteilte, stieg der Index der Konjunkturerwartungen überraschend auf 23,4 Punkte von 22,3 Punkten im März. Der Index hat damit den fünften Monat in Folge zugelegt, obwohl Experten erstmals nach vier Monaten einen Rückgang des ZEW-Erwartungsindex auf 20,0 Zähler erwartet hatten.

Nach Einschätzung des ZEW wird damit signalisiert, dass sich die positiven Erwartungen für die deutsche Wirtschaft auf Sicht des nächsten halben Jahres stabilisieren. Eine Notierung im positiven Bereich zeigt an, dass die Mehrheit der Befragten eine positive Konjunkturentwicklung voraussieht.

Konjunkturerwartungen stabilisieren sich

Mit dem fünften Anstieg in Folge wurde der höchste Wert seit Juni 2010 erreicht, die Börsenexperten bewerten damit die Aussichten für die deutsche Wirtschaft so gut wie seit knapp zwei Jahren nicht mehr. "Die Stimmung der Finanzmarktteilnehmer hat sich weiter verbessert. Die Erwartungen liegen weiterhin auf hohem Niveau, sodass eine Fortsetzung der wirtschaftlichen Erholung wahrscheinlich ist", schätzt die Helaba die Wachstumsaussichten ein.

Der ZEW-Index der Lagebeurteilung stieg im April ebenfalls überraschend und notiert nun bei 40,7 Punkten. Im Vormonat hatte der Index bei 37,6 Punkte notiert, erwartet worden war auch hier ein leichter Rückgang auf plus 35,0 Zähler. "Die Finanzmarktexperten halten den positiven Ausblick für das nächste halbe Jahr aufrecht", kommentierte ZEW-Präsident Wolfgang Franz. "Dass der Indikator im April auf der Stelle tritt, zeigt allerdings, dass der realwirtschaftliche Optimismus durch erhebliche Risiken gebremst wird, wie beispielsweise die Konjunkturschwäche wichtiger Handelspartner, die Entwicklung der Rohstoffpreise und die Staatsschuldenkrise in der Eurozone."

Auch die Konjunkturerwartungen für die Eurozone stiegen im April um 2,1 Punkte auf plus 13,1 Zähler, der Indikator für die aktuelle Konjunkturlage im Euroraum sank dagegen um 0,6 Zähler auf minus 49,0 Punkte. Die deutsche Wirtschaft war im vierten Quartal 2011 geschrumpft - zum ersten Mal seit knapp drei Jahren. Die meisten Experten sagen ihr spätestens im Frühjahr einen Aufschwung voraus. Wegen des schwachen Jahresauftakts rechnet die Bundesregierung für 2012 mit einem Wachstum von 0,7 Prozent. 2011 waren es noch drei Prozent.

Inflation in Eurozone bleibt hoch

Einen Dämpfer könnte der Konjunktur allerdings die anhaltend hohe Inflation in Europa versetzen: Die hohen Kosten fürs Heizen und  für Treibstoff haben die Verbraucherpreise in den Euro-Ländern auch im März hoch gehalten. Die Jahresteuerung im Euroraum ist im März entgegen der ersten Veröffentlichung nicht zurückgegangen und hat sich in der Kernrate sogar erhöht. Die jährliche Inflationsrate verharrte laut Statistikbehörde Eurostat wie im Februar bei 2,7 Prozent und musste damit im Vergleich zur Vorabschätzung überraschend nach oben korrigiert werden. Im Vergleich zum Vormonat zogen die Verbraucherpreise in der Eurozone im März um 1,3 Prozent an. Ökonomen hatten lediglich ein monatliches Plus von 1,2 Prozent prognostiziert.

Grund für die weiterhin hohe Inflation sind Eurostat zufolge die  anhaltend hohen Preise für Benzin, Gas und Kraftstoffe. Ohne Energie und unverarbeitete Nahrungsmittel blieb die Jahresteuerung mit 1,9 Prozent ebenfalls auf dem Vormonatsniveau. In der Kernrate (ohne Energie sowie ohne Nahrungsmittel, Alkohol und Tabak) stieg die Jahresinflation auf 1,6 Prozent von 1,5 Prozent im Februar. Auf Monatssicht zogen die Preise in dieser Abgrenzung um 1,5 Prozent an.

Damit lag die Inflation in der Eurozone weiterhin deutlich über dem Bereich der Preisstabilitätsnorm der Europäischen Zentralbank (EZB) von "unter, aber nahe 2 Prozent" Inflation. Die EZB sieht dem jüngsten Monatsbericht zufolge weiterhin kurzfristig Aufwärtsrisiken für die Inflation und erwartet, dass die Rate 2012 über der Marke von 2 Prozent bleiben dürfte.

Quelle: n-tv.de

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