Wirtschaft
Sachsen profitierte in den vergangenen Jahren von einem gleichbleibenden Wachstum.
Sachsen profitierte in den vergangenen Jahren von einem gleichbleibenden Wachstum.(Foto: dpa)

Nach rechten Protesten in Clausnitz: Wirtschaft bangt um Standort Sachsen

Sachsen hat ein Image-Problem - dafür haben die Pegida-Bewegung und der Clausnitzer Mob gesorgt. Die Folgen für die Wirtschaft im Land sind kaum abzusehen. Schon jetzt gibt es weniger Touristen in Dresden. Und Experten fürchten weitere Negativeffekte.

Die Wirtschaft in Sachsen sorgt sich nach den fremdenfeindlichen Vorfällen in Clausnitz, Bautzen und anderen Städten des Landes um den Standort. Das Image Sachsens habe durch die Geschehnisse bereits gelitten, sagte die Ostbeauftragte der Bundesregierung, Iris Gleicke, und verwies etwa auf den Rückgang der Touristenzahlen in Dresden. Sie forderte im Interview mit dem "Handelsblatt" insbesondere die Landesregierung auf, diejenigen stärker zu unterstützen, die sich gegen Fremdenhass engagieren. "Das Problem des Rechtsextremismus in Ostdeutschland wurde zum Teil systematisch runtergespielt", sagte Gleicke.

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Messbare Nachteile für die Wirtschaft fürchtet auch der Dresdner IHK-Hauptgeschäftsführer Detlef Hamann. Im Ausland würden die meisten Beobachter lokale Phänomene auf eine Gesamtregion verallgemeinern, sagte Hamann dem Blatt. Dies könne sich etwa bei Auftragseingängen oder der Gewinnung von Fachkräften bemerkbar machen. Gerade fremdenfeindliche Vorfälle in Sachsen würden "medial eine besonders hohe Priorität" haben - für Sachsens Unternehmer werde es deshalb "immer schwieriger, auf den Märkten ein positives Bild sächsischer Wirtschaftskraft zu präsentieren".

Hamann forderte die Politik auf, den bestehenden Vorbehalten gegen Menschen aus anderen Ländern "wirksam" den Boden zu entziehen. "Dazu gehört auch, die Befürchtungen der Menschen zur Kenntnis zu nehmen", sagte der IHK-Chef. Zugleich dürfe es aber keine rechtsfreien Räume geben. Gelingt das nicht, prognostiziert auch der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, dem Land Sachsen "geringere Investitionen, ein schlechteres Wachstum und eine steigende Arbeitslosigkeit".

Tllich sieht Gesellschaft in der Pflicht

Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich sagte am Montagabend in der ARD, es habe in Sachsen bereits viele Anstrengungen gegeben, um rechtsextremistisches Gedankengut zurückzudrängen. Dafür könne aber nicht allein die Landesregierung sorgen. "Dafür muss die gesamte Gesellschaft eintreten, nicht allein die Polizei und die Politik." Den fremdenfeindlichen Mob in Clausnitz nannte der CDU-Politiker "menschenverachtend" und "verbrecherisch".

Derweil ermittelt die Staatsanwaltschaft Görlitz nach dem Brandanschlag auf die geplante Flüchtlingsunterkunft in Bautzen gegen drei junge Männer. Dabei geht es laut Behörde um den Vorwurf, die Feuerwehr bei den Löscharbeiten behindert zu haben. Eine solche Tat kann mit bis zu drei Jahren Freiheitsstrafe oder einer Geldstrafe geahndet werden. Zudem hat die Polizeidirektion Chemnitz nach den Vorfällen von Clausnitz eine Ermittlungsgruppe mit elf Beamten eingerichtet, die auch das Vorgehen der Beamten an dem Abend prüfen soll.

Quelle: n-tv.de

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