Samstag, 24. Oktober 2009
Mehr Mut gewünscht: Wirtschaft lobt Koalitionsvertrag
Die Wirtschaft lobt die schwarz-gelben Koalitionsvereinbarungen im Grundsatz. Dennoch fordern Verbände Mut zu mehr Reformen und eine stärkere Förderung von Innovationen. Arbeitgeberpräsident Hundt sieht in den Vereinbarungen einen "guten Kompass" für die nächsten Jahre.Für den Präsidenten des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Hans-Peter Keitel, weist der Vertrag in die richtige Richtung. Es sei aber enttäuschend, "dass die Regierungsparteien nicht den Mut hatten, auf breiter Ebene in die steuerliche Forschungsförderung einzusteigen. Die Förderung von Innovation ist entscheidend für den Erfolg Deutschlands im internationalen Wettbewerb."
Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt nannte die Vereinbarungen einen "guten Kompass" für die nächsten Jahre. "Endlich werden die drängenden Finanzierungsprobleme in der Sozialversicherung angegangen", sagte er. "Ich begrüße den Einstieg in die Entkopplung der Kosten für Gesundheit und Pflege vom Arbeitsverhältnis, um die Systeme zukunftsfähig zu machen." Die Übernahme der krisenbedingten Defizite aus Kranken- und Arbeitslosenversicherung sei ein "wichtiger und folgerichtiger Beitrag zur Begrenzung der Lohnzusatzkosten".
"Es ist positiv, dass Union und FDP sich zum Vorrang der Tarifautonomie vor staatlicher Lohnfestsetzung bekennen. Gesetzliche Mindestlöhne gefährden Arbeitsplätze und erschweren den Einstieg in Arbeit", betonte Hundt. "Leider hat die Koalition keine weitergehenden Schritte zur Flexibilisierung des Arbeitsrechts beschlossen, mit denen Neueinstellungen erleichtert würden."
Reformansätze und Impulse
Der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Hans Heinrich Driftmann, sagte der Berliner Zeitung "B.Z. am Sonntag", im Koalitionsvertrag von Union und FDP stünden viele gute Reformansätze. "Wir brauchen aber sicher noch mehr Reformmut, um Arbeitsplätze zu schaffen und der demografischen Entwicklung zu begegnen."
Die Chemieindustrie erwartet von der Koalitionsvereinbarung einen Impuls für den Standort Deutschland. "Der Vertrag gibt das Signal für die notwendige Stärkung des Industriestandortes", sagte der Hautgeschäftsführer des Verbandes der Chemischen Industrie (VCI), Utz Tillmann. Die Branche mit knapp 437.000 Mitarbeitern begrüße, dass die neue Regierung Zukunftstechnologien wie die Nanotechnologie fördern will.
dpa
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