Wirtschaft
Gerade wegen der Spannungen mit Moskau ist der Wirtschaftsgipfel wichtiger denn je, findet Peter Ramsauer.
Gerade wegen der Spannungen mit Moskau ist der Wirtschaftsgipfel wichtiger denn je, findet Peter Ramsauer.(Foto: imago/ITAR-TASS)

Trotz Spannungen und Sanktionen: Wirtschaft setzt auf russischen Markt

Auf dem Wirtschaftsforum in St. Petersburg bekennen sich deutsche Unternehmer trotz allerhand Problemen zur Zusammenarbeit mit Russland. Gastgeber Putin kann sich über reichlich Zulauf freuen - auch wenn teilweise nur die zweite Riege angereist ist.

Russland muss aus Sicht der deutschen Wirtschaft einiges tun, um das im Ukraine-Konflikt eingebüßte Vertrauen ausländischer Investoren zurückzugewinnen. "Die Russen wissen, dass sie verlässliche Investitionsbedingungen anbieten müssen, wenn sie ausländisches Kapital anlocken wollen", sagte der Chef des Ost-Ausschusses, Eckhard Cordes. Gemeint ist damit auch eine stabile und berechenbare Politik.

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Cordes, der zum Auftakt des Wirtschaftsforums in St. Petersburg ein Podium leitete, betonte, dass laufende Projekte deutscher Unternehmen in Russland durch die Krise nicht gefährdet seien. "Anders sieht das für Unternehmen aus, die neue Aktivitäten in Russland planen. Sie müssen ihre Vorhaben natürlich kritisch prüfen", sagte er. Es gebe eine wachsende Angst in der Wirtschaft vor einem Rückfall in die Zeit des Kalten Krieges.

Nach dem umstrittenen Anschluss der zur Ukraine gehörenden Schwarzmeerhalbinsel Krim an Russland hatten die EU und die USA Einreiseverbote und Kontosperrungen gegen Funktionäre verhängt. Russland sieht sich seither dem Vorwurf ausgesetzt, in Jahren aufgebautes Vertrauen zerstört zu haben und unberechenbar zu sein.

Bitte nur sanfte Sanktionen?

In den vergangenen Tagen hatten mehrere Dax-Vorstände die Teilnahme an der Wirtschaftskonferenz abgesagt. Dem rbb-Inforadio sagte Cordes, es habe keinerlei politischen Druck gegeben, dem Treffen unter Schirmherrschaft von Kremlchef Wladimir Putin fernzubleiben. Die deutsche Wirtschaft sei sich mit der Bundesregierung einig und hoffe auf eine diplomatische Lösung des Ukraine-Konflikts. Sollte es diese aber doch nicht geben, werde die Wirtschaft auch Sanktionen der Bundesregierung unterstützen.

Allerdings warnten deutsche Unternehmen, die in Russland vertreten sind, in St. Petersburg vor Sanktionen, die den Handel und Kapitalgeschäfte betreffen. Es säßen bereits asiatische Unternehmen in den Startlöchern, um Geschäfte auf dem attraktiven russischen Markt zu übernehmen, sollten westliche Firmen sich zurückziehen.

Wirtschaftsgipfel wichtiger denn je

Er habe Respekt vor jedem Manager, der an dem Treffen in der früheren Zarenmetropole teilnehme, sagte der Vorsitzende des Bundestags-Wirtschaftsausschusses, Peter Ramsauer, dem Nachrichtenradio MDR Info: "Nur durch Reden können Überzeugungen gewonnen werden, können Brücken wieder gebaut werden." Angesichts des Ukraine-Konflikts sei das diesjährige Petersburger Forum viel wichtiger als in den vergangenen Jahren.

Dennoch war bei vielen Großkonzernen nur die zweite Riege erschienen: Für den Energiekonzern Eon etwa nahm der Manager Jørgen Kildahl teil, nachdem Vorstandschef Johannes Teyssen seine Reise abgesagt hatte. Der Chef des Handelskonzerns Metro, Olaf Koch, rief in St. Petersburg zur weiteren Zusammenarbeit auf. Das Vertrauen in Russland habe zwar gelitten in den vergangenen Wochen, sagte Koch. "Dialog ist aber der Schlüssel", betonte der Manager. Metro wolle angesichts der "vielen Möglichkeiten" auch künftig hier investieren. Der Düsseldorfer Konzern betreibt in Russland vor allem Cash&Carry-Großmärkte sowie Filialen der Kette Media Markt.

Insgesamt hätten angesichts der politischen Spannungen 34 Konzernchefs auf eine Anreise verzichtet, darunter viele Stammgäste aus den USA, teilten die Organisatoren mit. Es gebe jedoch keinen einzigen Boykott durch ein Unternehmen, hieß es.

Präsident Putin will sich bei dem wichtigsten Wirtschaftstermin in Russland an diesem Freitag zur Zukunft der Rohstoff-Großmacht äußern. Ziel des noch bis Samstag dauernden Forums mit mehr als 6000 Teilnehmern aus über 60 Ländern ist es nach Angaben der Organisatoren, verlorenes Vertrauen wieder herzustellen. Die Tagungshallen auf dem Gelände Lenexpo sind gut gefüllt. Insgesamt eine Milliarde Rubel (21 Millionen Euro) lässt sich Russland seine Antwort auf das Forum im Schweizer Kurort Davos kosten.

Quelle: n-tv.de

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