Wirtschaft

Schuldenkrise belastet: Wirtschaft wächst kaum

Die europäische Krise wird auch hierzulande immer spürbarer: Die deutsche Konjunktur verliert an Fahrt, die Aussichten für die wirtschaftliche Entwicklung trüben sich ein. Schuld sind vor allem die schwächelnde Konjunktur in Europa und verunsicherte Unternehmer.

Auch im Hamburger Hafen ist die Krise zu spüren.
Auch im Hamburger Hafen ist die Krise zu spüren.(Foto: picture alliance / dpa)

Die schwache Konjunktur in Europa bremst das deutsche Wirtschaftswachstum. Im dritten Quartal stieg das Bruttoinlandsprodukt gegenüber dem Vorquartal preis-, saison- und kalenderbereinigt um 0,2 Prozent. Das teilte das Statistische Bundesamt mit.

Damit geht der Konjunktur nach einem überraschend rasanten Jahresstart offenbar allmählich die Puste aus. Im ersten Vierteljahr war die deutsche Wirtschaft noch um 0,5 Prozent gewachsen, im zweiten Vierteljahr um 0,3 Prozent. Für das Schlussquartal deutet sich aus Sicht von Ökonomen eine merkliche Eintrübung der Konjunktur an. "Die aktuelle Datenlage lässt nicht erwarten, dass die Konjunktur im vierten Quartal spürbar anziehen wird. Insbesondere die Daten aus dem Industriesektor geben derzeit keinen Anlass zu Optimismus", sagte Bernd Hartmann von der VP Bank.

Positive Impulse kamen im dritten Quartal von den Exporten sowie den privaten und staatlichen Konsumausgaben. Außerdem wurde mehr in Bauten investiert. Hingegen gingen die Investitionen in Ausrüstungen wie Maschinen und Fahrzeuge gegenüber dem Vorquartal erneut zurück.

Die deutsche Wirtschaft leide offensichtlich an der Unsicherheit, die von der Staatsschuldenkrise ausgeht, meinte Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. "Dafür spricht, dass die Unternehmen ihre Investitionen seit der Jahreswende senken und dies auch im dritten Quartal getan haben, obwohl die Exporte in der Tendenz weiter gestiegen sind."

Im Vergleich zum dritten Quartal des Vorjahres legte das BIP in Deutschland preisbereinigt um 0,4 Prozent zu. Allerdings gab es in diesem Jahr einen Arbeitstag weniger. Bereinigt um diesen Effekt lag der Zuwachs bei 0,9 Prozent.

Wachstum in Frankreich

Unterdessen wuchs die zweitgrößte Euro-Volkswirtschaft Frankreich im dritten Quartal zur Überraschung von Experten leicht. Von Juli bis September erhöhte sich das Bruttoinlandsprodukt zum Vorquartal um 0,2 Prozent. Bankvolkswirte hatten im Schnitt mit einer Stagnation gerechnet. Die Notenbank hatte sogar einen leichten Rückgang vorausgesagt. Die Daten für das zweite Quartal wurden allerdings etwas schlechter als bisher ausgewiesen. Anstatt einer Stagnation ergibt sich nun ein Rückgang der Wirtschaftsleistung um 0,1 Prozent.

Italien überrascht

Italiens Wirtschaft verlor im Sommer deutlicher weniger an Schwung als befürchtet. Das Bruttoinlandsprodukt schrumpfte zwischen Juli und September zwar das fünfte Quartal in Folge, der Rückgang fiel mit 0,2 Prozent aber überraschend gering aus. Ökonomen hatten im Schnitt ein Minus von 0,5 Prozent erwartet. Im Frühjahr war die Wirtschaftsleistung um 0,7 Prozent gesunken.

Seit mehr als einem Jahrzehnt gehört Italien zu den am langsamsten wachsenden Ländern Europas und steckt derzeit tief in der Rezession. Die EU-Kommission sagt der drittgrößten Volkswirtschaft der Euro-Zone für 2012 einen Konjunktureinbruch um 2,3 Prozent voraus. Auch im nächsten Jahr werde die Wirtschaft mit 0,5 Prozent weiter schrumpfen und erst 2014 wieder um 0,8 Prozent zulegen.

Quelle: n-tv.de

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