Wirtschaft
Reihenweise erhöhen die Wirtschaftsforscher derzeit ihre Prognosen für 2015. Mittelfristig sieht es aber weniger rosig aus.
Reihenweise erhöhen die Wirtschaftsforscher derzeit ihre Prognosen für 2015. Mittelfristig sieht es aber weniger rosig aus.(Foto: picture alliance / dpa)

Konjunkturforscher warnen: Wirtschaftsboom ist nur Strohfeuer

Das Institut der deutschen Wirtschaft hat seine Prognose für die deutsche Wirtschaft erneut nach oben geschraubt. Doch die Experten warnen: Genau die Faktoren, die derzeit das Wachstum treiben, werden kommendes Jahr zur Belastung.

Der gesunkene Ölpreis und die niedrigen Zinsen lassen die deutsche Wirtschaft in diesem Jahr laut Frühjahrsprognose des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) um knapp 2,25 Prozent wachsen. Im Herbst war das IW noch von einem Wachstum für 2015 in Höhe von gut 1,5 Prozent ausgegangen. Im kommenden Jahr werde der Aufschwung jedoch wieder deutlich an Kraft verlieren, warnen die IW-Ökonomen in ihrer am Montag in Berlin vorgestellten Frühjahrsprognose. Für 2016 sieht das arbeitgebernahe Institut noch 1,5 Prozent Wachstum.

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"Die aktuell gute Wirtschaftslage bestätigt keinesfalls den wirtschaftspolitischen Kurs der Bundesregierung", erklärte IW-Direktor Michael Hüther. "Im Gegenteil: Vieles, was aktuell einmalig positiv zu wirken scheint - beispielsweise Mindestlohn und Rentenpolitik - wird mittelfristig die Wirtschaft und den Arbeitsmarkt belasten."

Das erwartete reale Wachstum im laufenden Jahr sei vor allem auf kurzfristige Sondereffekte wie die sehr geringe Inflation zurückzuführen, erklärten die Experten. Hinzu kämen einmalige Kaufkraftschübe ausgelöst zum Beispiel durch den Mindestlohn. All dies befeuere die Konsumlaune der Deutschen, die laut IW auf einem 13-Jahreshoch liegt.

Wachstum wird 2016 abgebremst

Für die IW-Frühjahrsumfrage wurden den Angaben zufolge fast 3000 deutsche Unternehmen befragt. Rund 43 Prozent der Firmen gehen demnach für das laufende Jahr davon aus, dass die Produktion steigt. Nur 13 Prozent erwarten einen Rückgang. Damit hat sich die Stimmung in der deutschen Wirtschaft laut IW deutlich aufgehellt, denn im vergangenen Herbst waren lediglich 31 Prozent der befragten Firmen für 2015 zuversichtlich, 21 Prozent dagegen skeptisch.

Für 2016 sind die IW-Konjunkturforscher indes deutlich zurückhaltender. "Das hohe konsumgetriebene Wachstum dürfte wohl nur ein Strohfeuer sein", erklären sie. Der Ölpreis werde voraussichtlich wieder leicht steigen, die Inflation werde auch aus anderen Gründen anziehen: Die Euro-Abwertung, die Importpreise und der gesetzliche Mindestlohn werden den Lohnkostendruck nach IW-Einschätzung weiter erhöhen. Zudem dürften die privaten Investitionen nach Erwartung der IW-Forscher auch im nächsten Jahr nur moderat zunehmen.

Im Jahresdurchschnitt 2015 erwartet das IW eine Inflationsrate von nur rund 0,5 Prozent, wie Hüther erklärte. "Die derzeit sehr niedrige Inflation birgt aufgrund der guten Konjunkturlage in Deutschland - anders als in anderen Teilen des Euroraums - keine Gefahr einer Deflationsspirale." Vielmehr stärke sie über die höhere Kaufkraft den Konsum und damit die Wirtschaftsdynamik weiter, sagte der IW-Direktor.

Bundesregierung zurückhaltender als Institute

Für 2016 gelte dies aber nicht mehr in diesem Ausmaß, die Inflation werde deutlich auf rund 1,5 Prozent zunehmen. Als Gründe nannte Hüther neben einem leicht steigenden Ölpreis vor allem Erhöhungen von Lohnkosten und Importpreisen sowie eine Zunahme der Kapazitätsauslastung.

Die Bundesregierung hatte kürzlich ihre Wachstumsprognosen für dieses und nächstes Jahr auf jeweils 1,8 Prozent beziffert. Laut aktueller Gemeinschaftsprognose des Münchner ifo Instituts, des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung in Berlin, des IWH aus Halle und der Ökonomen des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung steigt die Wirtschaftsleistung in diesem Jahr um 2,1 Prozent. Für 2016 erwarten sie 1,8 Prozent Wachstum.

Quelle: n-tv.de

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