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Die EZB hat es in der Hand: Wirtschaftsexperten warnen vor Negativzins

Dreht die EZB auf ihrer anstehenden Sitzung nicht nur an der Leitzinsschraube? Offenbar denken die Währungshüter auch darüber nach, Banken, die Geld bei der EZB parken, einen Strafzins aufzubrummen. Die Idee stößt auf wenig Gegenliebe.

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Die am Donnerstag anstehende Sitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) wirft bereits ihre Schatten voraus. So rechnen Experten etwa damit, dass die Zentralbank den Zins für Einlagen der Geschäftsbanken bei der EZB von derzeit null erstmals auf knapp unter null Prozent senken wird. Das wiederum sorgt für Kritik. Wie die "Wirtschaftswoche" berichtet, warnt Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn die Zentralbanker genau vor diesem Schritt: "Den Schaden haben die Sparer, deren Zins nun noch weiter unter die Inflationsrate gedrückt wird." Besonders betroffen sind Sinn zufolge die Sparer in Deutschland, "denn sie exportieren mehr Kapital als die Sparer irgendeines anderen Landes der Welt".

Bei einem Negativzins müssten Banken Zinsen an die EZB zahlen, wenn sie dort Geld deponieren. Der Strafzins fürs Geldparken soll die Banken animieren, mehr Kredite zu vergeben. Zudem erhoffen sich die Währungshüter eine Belebung des Interbankenmarktes.

"Symbolische Geste"

An eine große Wirkung zur Belebung der Kreditvergabe glaubt aber auch Marcel Fratzscher nicht, Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). "Die Erwartungen an einen negativen Einlagenzins sollten nicht zu hoch gesetzt werden", sagte Fratzscher der "Wirtschaftswoche". "Es ist eher als symbolische Geste zu verstehen, dass die EZB sich gegen das zunehmende Deflationsrisiko stemmen wird. Es wird weder die Kreditvergabe in den Krisenländern nachhaltig stärken, noch die Inflationserwartungen besser verankern."

Wie Reuters bereits von Insidern erfuhr, wird neben einer Senkung des Leitzinses von derzeit 0,25 Prozent auch erstmals ein Strafzins für Geld der Banken erwogen, das bei der EZB geparkt ist. Im Gespräch war dieser Schritt im vergangenen November.

Für breit angelegte Anleihekäufe (Quantitative Easing) gebe es im Juni im EZB-Rat hingegen wohl noch keine Mehrheit, sagte Commerzbank-Analyst Michael Schubert. "Gleichzeitig dürfte der EZB klar sein, dass die Wirkung jeder im Juni getroffenen Maßnahme umso größer ausfallen wird, je erfolgreicher die Notenbank die Fantasie auf weitere Schritte aufrechterhält."

 

Quelle: n-tv.de

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