Wirtschaft
"Herr Großmann hatte unser volles Vertrauen": Blick in die Anlagen für Wärme- und Kälteversorgung (Rohrsystem oben) und die Entrauchungsanlage (rechts) im Keller des Terminals (Archivbild).
"Herr Großmann hatte unser volles Vertrauen": Blick in die Anlagen für Wärme- und Kälteversorgung (Rohrsystem oben) und die Entrauchungsanlage (rechts) im Keller des Terminals (Archivbild).(Foto: dpa)

Korruption am Hauptstadtflughafen?: Wowereit fürchtet "Konsequenzen"

Es ist nicht die erste Sondersitzung zum neuen Hauptstadtflughafen, aber die erste zum Vorwurf der Bestechlichkeit bei dem Milliardenprojekt. Aufsichtsratschef Wowereit sorgt sich um den "Baufortschritt". Gerät Mehdorns Stuhl ins Wanken?

Alle sind "etwas sauer": Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit soll als Aufsichtsratschef der Flughafengesellschaft den Airportbau überwachen.
Alle sind "etwas sauer": Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit soll als Aufsichtsratschef der Flughafengesellschaft den Airportbau überwachen.(Foto: dpa)

Der Aufsichtsrat des neuen Hauptstadtflughafens erörtert seit dem frühen Morgen, ob die Korruptionsaffäre den Zeitplan für das Krisenprojekt weiter zurückwirft. "Welche Konsequenzen hat das für den Baufortschritt?", fragte der Aufsichtsratschef, Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit, vor Beginn der Sitzung am Berliner Flughafen Tegel, dem Sitz der Betreibergesellschaft der Berliner Flughäfen.

Wowereit sprach von einem schlimmen Vorgang, der restlos aufgeklärt werden müsse. Der drittgrößte deutsche Flughafen kann wegen Baupfusch, Technikproblemen und Fehlplanung noch immer nicht in Betrieb gehen. Der ursprünglich angekündigte Eröffnungstermin liegt mehr als zwei Jahre zurück. Einen neuen Termin können die Verantwortlichen noch immer nicht nennen.

Neueste Planungskatastrophe in der an Debakeln reichen Entstehungsgeschichte des künftigen Großflughafens sind die Korruptionsvorwürfe gegen den bisherigen Technikchef Jochen Großmann. Die Staatsanwaltschaft Neuruppin ermittelt gegen Großmann wegen des Verdachts, für die Vergabe eines lukrativen Auftrags an ein Unternehmen 500.000 Euro von einem Bewerber verlangt zu haben.

"Pragmatische Lösung"?

Unter Verdacht: Jochen Großmann - bis vor kurzem noch amtierender BER-Technikchef - will die Vorwürfe aufklären (Archivbild).
Unter Verdacht: Jochen Großmann - bis vor kurzem noch amtierender BER-Technikchef - will die Vorwürfe aufklären (Archivbild).(Foto: dpa)

Wowereit zufolge haben sich die Vorwürfe inzwischen erhärtet. Gleichzeitig betonte der SPD-Politiker jedoch, gegen Korruption könne man sich nie hundertprozentig schützen. Flughafenchef Hartmut Mehdorn sollte dem Kontrollgremium in der Sondersitzung berichten, an der auch Finanzchefin Heike Fölster teilnahm.

Der Berliner Innensenator und Aufsichtsrat Frank Henkel (CDU) sagte vor Beginn: "Es ist ein ernster Vorfall und ich erwarte eine Menge Antworten auf eine Fülle von Fragen, die ich habe." Der Staatssekretär des Bundesverkehrsministeriums, Rainer Bomba (CDU), kündigte an, in der Sitzung eine externe Kontrolle für das Projekt zu fordern. Eine entsprechende Weisung soll er einem Medienbericht zufolge in der vergangenen Woche von Verkehrsminister Alexander Dobrindt erhalten haben.

Der Aufsichtsrat sei von der Korruptionsaffäre überrascht worden, heißt es. "Herr Großmann hatte unser volles Vertrauen." Alle seien nun "etwas sauer". Großmanns Büro hatte in der vergangenen Woche angekündigt, den Vorwurf im Ermittlungsverfahren entkräften zu wollen.

Ist Mehdorn noch zu halten?

Unterdessen sorgt die Verantwortung von Flughafenchef Hartmut Mehdorn in der Korruptionsaffäre für Diskussionen. Wowereit nahm Mehdorn in Schutz. Die Mechanismen in der Flughafengesellschaft hätten funktioniert, sagte er. Indirekt verteidigte er Mehdorn auch gegen Kritik aus dem Aufsichtsrat, dass die Kontrolleure erst zeitgleich mit der Presse informiert wurden.

Es sei ganz wichtig gewesen, dass es vor den Durchsuchungen bei Großmann keine Vorwarnung gab, sagte Wowereit. Dagegen sieht der Vorsitzende des Flughafen-Untersuchungsausschusses im Abgeordnetenhaus, Martin Delius (Piraten-Partei), Mehdorn in der Mitverantwortung.

Die Auftragsvergaben durch Großmann könnten nur in Abstimmung mit Mehdorn erfolgt sein, sagte Delius. Es habe bereits in der Vergangenheit "pragmatische Lösungen" bei der Auftragsvergabe ohne Ausschreibungen gegeben. "Innerhalb der Flughafengesellschaft hat man Herrn Großmann offensichtlich nicht auf die Finger geschaut."

Mehdorn selbst müsse fragen, "inwiefern er da seinen Heilsbringer nicht ordentlich kontrolliert hat, ihm zu viel freie Hand gelassen hat und einfach auch auf das falsche Pferd gesetzt hat", erklärte Delius bei n-tv. Dies sei, so Delius weiter, "vielleicht auch aus der Not heraus" geschehen. Schließlich habe Mehdorn ja die personelle technische Kompetenz der Flughafengesellschaft "in der Vergangenheit stark ausgedünnt". Insofern sei Mehdorn auf jeden Fall auch "verantwortlich für das, was da gerade passiert." Der haushaltspolitische Sprecher der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, Sven-Christian Kindler, hatte bereits zuvor gefordert, die Entlassung von Mehdorn auf den Weg zu bringen.

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Quelle: n-tv.de

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