Wirtschaft

Muskelspiele und Machtpoker: Wunschkonzert bedroht Karstadt

Die anhaltende Funkstille zwischen dem Karstadt-Bieter Triton und der Gewerkschaft Verdi weckt Zweifel an einer Rettung des insolventen Warenhauskonzerns. Verdi will sich mit Triton an einen Tisch setzen, aber keine Blankoschecks für Jobabbau ausstellen. Viel Zeit bleibt beiden Seiten nicht mehr.

Die dunklen Wolken über Karstadt wollen sich einfach nicht verziehen.
Die dunklen Wolken über Karstadt wollen sich einfach nicht verziehen.(Foto: REUTERS)

Nach dem angedrohten Platzen des Karstadt-Verkaufs an den Finanzinvestor Triton hat die Gewerkschaft Verdi ihre Bereitschaft zu Gesprächen bekräftigt, sieht dafür aber den Sanierungstarifvertrag als Basis. Eine Verdi-Sprecherin sagte, Triton werde keinen "Blankoscheck" zum Abbau von Arbeitsplätzen erhalten. Der Vertrag biete Triton aber die Chance, einzelne "Stellschrauben" zu verändern. Der bisher einzige Bieter für Karstadt hatte mit seinem Rückzug gedroht, nachdem es noch nicht zu ernsthaften Verhandlungen mit Verdi gekommen sei.

Ein Sprecher von Insolvenzverwalter Klaus-Hubert Görg sagte, Triton sei trotz der Drohung weiterhin der bevorzugte Bieter für die 120 Warenhäuser. Der Finanzinvestor habe aber auch gegenüber Görg Enttäuschung über die Haltung der Gewerkschaft geäußert. "Wenn kein konstruktives Engagement auf Arbeitnehmerseite erkennbar ist, ist das Triton-Konzept zur Sanierung von Karstadt hinfällig", hatte ein Sprecher des Investors gesagt. Seit Anfang Mai hat es Kreisen zufolge nur ein unverbindliches Treffen mit Verdi gegeben.

Harte Forderungen

Die Forderungen von Triton gehen über die Zugeständnisse weit hinaus, die Vermieter und Belegschaft Insolvenzverwalter Klaus-Hubert Görg gemacht hatten. Unter anderem will Triton die bis 2012 befristeten Löhne dauerhaft niedrig halten, größere Leistungsanreize für die Mitarbeiter schaffen, einzelne Segmente aus Karstadt ausgliedern und ganze Abteilungen, die rote Zahlen schreiben, von Dritten führen lassen oder schließen, um Karstadt in die Gewinnzone zurückzuführen. In diesen Sparten sind knapp 5000 der 25.000 Karstadt-Mitarbeiter in den 120 Warenhäusern beschäftigt.

Nach Angaben des Gesamtbetriebsrates sollen rund 160 Stellen in der Zentrale und 431 in den Filialen wegfallen. Das Gremium hatte sich in einem Brief an die Karstadt-Belegschaft grundsätzlich wohlwollend zum Konzept von Triton geäußert. "Triton steht unterm Wunschbaum und rüttelt", sagte Verdi-Vorstandsmitglied Margret Mönig-Raane dagegen der "Financial Times Deutschland". "Würden wir uns auf deren Wünsche einlassen, könnte Triton mit Teilverkäufen Kasse machen, und von Karstadt würde am Ende nur ein Gerippe übrig bleiben."

Ende Mai fällt der Hammer

Klaus Hubert Görg kämpft bei Kommunen um den Erlass der Grundsteuer.
Klaus Hubert Görg kämpft bei Kommunen um den Erlass der Grundsteuer.(Foto: picture-alliance/ dpa)

Triton hat nur noch bis 28. Mai Zeit, Vermieter und Verdi vom eigenen Konzept zu überzeugen. Drei Tage später muss das zuständige Gericht in Essen entscheiden, ob die Bedingungen des Insolvenzplans erfüllt sind, der Karstadt weitgehend entschulden soll. Dazu gehört neben einem Käufer auch der Verzicht von 94 Städten auf Steuern von bis zu 140 Millionen Euro, die durch die Bilanzsanierung anfallen würden. Von 15 Kommunen fehlt bisher die Zustimmung, Görg hat ihnen eine Frist bis 25. Mai gesetzt.

Für den Fall, dass Triton als Käufer ausfällt, haben sich die Vermieter der meisten Häuser, das "Highstreet"-Konsortium um die US-Investmentbank Goldman Sachs, selbst ein Angebot für Karstadt vorbehalten, um ihre Mieten zu retten. Auch die Vermieter dürften im Zuge der Auffanglösung von der Belegschaft aber weitere Einschnitte fordern, wie es in Finanzkreisen hieß. Highstreet prüft Kreisen zufolge schon die Bücher von Karstadt. Seit Anfang der Woche ist auch ein dritter Interessent dabei, die Zahlen von Karstadt zu sichten. Ein konkretes Angebot habe dieser aber noch nicht vorgelegt, sagte Görgs Sprecher.

Quelle: n-tv.de

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