Wirtschaft
Weiß die Aktionäre hinter sich, muss aber dennoch bald gehen: Xstrata-Chef Mick Davis.
Weiß die Aktionäre hinter sich, muss aber dennoch bald gehen: Xstrata-Chef Mick Davis.(Foto: REUTERS)

Großfusion mit Glencore: Xstrata-Aktionäre sagen "Ja"

Es ist ein Milliarden-Deal, der den Handel mit Rohstoffen wohl für immer verändern wird: Zwei Giganten der Branche reichen sich die Hand, um zu einem neuen Riesenkonzern zu verschmelzen. In einem kleinen Städtchen in der Schweiz geben die Aktionäre die Bahn frei für das Megaprojekt "Glenstrata".

Reist mit dem Auto nach Zug: Glencore-Chef Ivan Glasenberg bei der Ankunft.
Reist mit dem Auto nach Zug: Glencore-Chef Ivan Glasenberg bei der Ankunft.(Foto: REUTERS)

Die Aktionäre des Bergbaukonzerns Xstrata haben der umstrittenen und milliardenschweren Großfusion mit dem Rohstoffriesen Glencore zugestimmt. In der entscheidenden Abstimmung bei der außerordentlichen Aktionärsversammlung im schweizerischen Alpenstädtchen Zug am Zugersee votierten rund 90 Prozent der versammelten Xstrata-Anteilseigner für den Zusammenschluss beider Unternehmen zu einem neuen Giganten des weltweiten Rohstoffgeschäfts. Wenige Stunden zuvor hatten die Glencore-Aktionäre die Pläne mit noch größerer Mehrheit abgesegnet.

Ob der "Mega-Deal des Jahres" perfekt gemacht und der neue Konzern "Glencore Xstrata International plc" Anfang 2013 an den Start gehen kann, hängt nun von den Wettbewerbsbehörden ab. Die EU-Kommission will dazu am kommenden Donnerstag eine erste Stellungnahme abgeben. Auch Kartellwächter in China - weltgrößter Abnehmer für Rohstoffe - sowie die Behörden in Australien und Südafrika können die Verwirklichung des Plans noch verhindern oder zumindest weiter verzögern.

Mit dem neuen Unternehmen - in der Branche kurz "Glenstrata" genannt - würde der weltweit erste voll integrierte Rohstoffriese entstehen, bei dem die gesamte Wertschöpfungskette vom Abbau über den Handel bis zur Lagerung und dem Transport unter einem Firmendach konzentriert ist. Der Konzern mit einem Börsenwert von rund 90 Mrd. Dollar würde nach Einschätzung Schweizer Experten zum weltweit viertgrößten Unternehmen bei metallischen Rohstoffen aufsteigen, nach Berechnungen der Deutschen Rohstoffagentur DERA von zum insgesamt fünftgrößten Rohstoffkonzern.

Glencore hatte den Xstrata-Aktionären eigene Aktien im Verhältnis 3,05 zu 1 zum Tausch angeboten. Der Rohstoffkonzern hatte damit im September ein anfängliches Angebot von 2,8 Aktien aufgebessert, um unzufriedene Xstrata-Aktionäre umzustimmen und die Fusion doch noch möglich zu machen. Als treibende Kraft hinter dem Zusammenschluss gilt Glencore-Chef Ivan Glasenberg.

180 Mio. Euro Prämie sind zu viel

Eine Schlappe mussten die Verantwortlichen beider Unternehmen bei den geplanten "Halteprämien" für rund 70 Top-Manager von Xstrata einstecken. Sie sollten sich auf umgerechnet rund 180 Mio. Euro belaufen. Eine entsprechende Resolution ließen die Xstrata-Aktionäre durchfallen. Mit den umstrittenen Prämien sollte eine Abwandern wichtiger Xstrata-Manager verhindern werden. Die Halteprämie erschien den Anteilseignern offenbar als zu großzügig bemessen.

Xstrata-Verwaltungsratschef John Bond zog die Konsequenzen aus der Niederlage und kündigte nach der Sitzung seinen Rücktritt an, sobald der Zusammenschluss abgeschlossen sei. Er warf den Aktionären vor, mit der Ablehnung der Zahlungen das neue Unternehmen unnötigen Risiken auszusetzen. Unabhängig davon muss Xstrata-Chef Mick Davis laut Fusionsplan ein halbes Jahr nach der Übernahme das neue Unternehmen verlassen. An die Spitze tritt dann der bisherige Glencore-Chef Ivan Glasenberg.

Seinen Hauptsitz hat der in London gelistete Rohstoffhändler Glencore in Baar im Schweizer Kanton Zug. Der Schweizer Bergbaukonzern Xstrata verwaltet seine Geschäfte von seiner Zentrale in Zug aus. Der Ort gilt aufgrund seiner ungewöhnlich niedrigen Steuersätze als Steueroase innerhalb der Schweiz.

Quelle: n-tv.de

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