Wirtschaft
"Für den Fall einer Eskalation haben wir das auf dem Radarschirm", sagt Fed-Chefin Yellen zum Krim-Konflikt.
"Für den Fall einer Eskalation haben wir das auf dem Radarschirm", sagt Fed-Chefin Yellen zum Krim-Konflikt.(Foto: Reuters)

Fed hat Konflikt auf "Radarschirm": Krim birgt "geopolitischen Zündstoff"

Die US-Notenbank fährt ihr Anleihekaufprogramm weiter zurück. Sorgen vor einer baldigen Zinsanhebung machen sich an den Märkten breit. Aber Fed-Chefin Yellen hat auch ein Auge auf die Krim-Krise: Eine Eskalation hätte weitreichende Folgen.

Die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) fährt ihr Anleihekaufprogramm zurück und erteilt Zinserhöhungen in diesem Jahr eine Absage, aber das Wichtigste: Die Fed beobachtet den Krim-Konflikt mit Argusaugen - aus gutem Grund: Die Krise birgt nach Ansicht der neuen Fed-Chefin Janet Yellen geopolitischen Zündstoff. "Wir haben ein Auge darauf", betonte sie auf ihrer ersten Pressekonferenz als Fed-Präsidentin. Der für die Zinsen zuständige Offenmarktausschuss habe das Thema erörtert.

Video

Derzeit hat der Konflikt laut Yellen keine bedeutenden Folgen für die US-Konjunktur. Es seien auch keine größeren Rückwirkungen auf die globale Finanzwirtschaft absehbar. Doch ganz offensichtlich gebe es geopolitische Gefahren: "Für den Fall einer Eskalation haben wir das auf dem Radarschirm." 

Obama lehnt militärisches Eingreifen ab

Nach dem Anschluss der Krim haben russische Einheiten mit der Stürmung des ukrainischen Marinehauptquartiers auf der Halbinsel militärisch Fakten geschaffen. Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen fürchtet nun, dass Russland seine aggressive Politik fortsetzt. "Meine Hauptsorge ist, dass das nicht aufhören wird", sagte Rasmussen. Er sehe die Krim als ein Element in einem größeren Modell einer langfristigen Russlandpolitik - oder zumindest der Strategie von Russlands Präsident Wladimir Putin.

US-Präsident Barack Obama hat indes ein militärisches Engagement in der Ukraine ausgeschlossen. Dazu werde es nicht kommen, sagte er dem Sender KNSD. Auch die Menschen in der Ukraine würden dies nicht für richtig halten. Stattdessen würden die USA ihre diplomatischen Bemühungen forcieren. Sein Vize Joe Biden warnte, Russland sei auf dem Weg in die politische und wirtschaftliche Isolation. Die USA kündigten bereits weitere Sanktionen an.

Die Krim-Krise sei ein Weckruf für Europa, sagte Investment-Ikon George Soros. Die EU müsse politisch vereint dem Putin entgegentreten, so Soros am Rande einer Buch-Vorstellung in Berlin.

"Hochschaukeln der Strafmaßnahmen"

Zahlreiche deutsche Konzerne halten davon bislang nichts. Die Chefs mehrerer Großkonzerne warnen vor harten Wirtschaftssanktionen gegen Russland. Diese beinhalteten die "Gefahr eines gegenseitigen Hochschaukelns der Strafmaßnahmen", sagte der Co-Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank, Jürgen Fitschen, der "Bild". Er mahnte, über einen langen Zeitraum aufgebaute wirtschaftliche und politische Beziehungen sollten nicht zerrüttet werden.

Auch Adidas-Chef Herbert Hainer betonte in dem Blatt die engen ökonomischen Verbindungen Deutschlands und Russlands. Er hoffe auf eine diplomatische Lösung des Konflikts. "Gerade weil wir in Russland und der Ukraine Marktführer sind, dort mehr als 11.000 Mitarbeiter beschäftigen, verfolgen wir die Entwicklung mit großer Sorge", fügte Hainer hinzu.

Auch Deutsche-Bahn-Chef Rüdiger Grube rief zur Zurückhaltung auf. "Diese Schritte müssen vorher detailliert überlegt werden. Vorher sollte jeder Schritt wahrgenommen werden, um die Situation auf diplomatischer Ebene zu deeskalieren," sagte Grube.

Ob und wann Wirtschaftssanktionen verhängt werden, ist völlig offen. In der EU-Kommission heißt es, dass "für alle Eventualitäten" bereits interne Vorbereitungen liefen. Allerdings sei es gerade nicht das Ziel der EU, weitere Sanktionen gegen Russland zu verhängen. Es gehe vielmehr darum, dass die Regierung in Moskau in der Ukraine-Krise einlenke. Der Westen wirft Putin vor, die ukrainische Halbinsel Krim illegal annektiert zu haben, was dieser zurückweist.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen