Wirtschaft
Rezession? Der Rückgang der Wirtschaftsleistung Ende 2012 war nur eine Ausnahme.
Rezession? Der Rückgang der Wirtschaftsleistung Ende 2012 war nur eine Ausnahme.(Foto: picture alliance / dpa)

Nach "sagenhaftem" ZEW kommt Ifo: Deutsche Rezession vom Tisch

Das schwache Abschlussquartal 2012 der deutschen Wirtschaft ist nur ein Ausrutscher: Der ZEW-Index - Deutschlands wichtigstes Konjunkturbarometer - weist auf eine deutliche Erholung hin, geschürt vor allem von einem unerwartet optimistischen Ausblick der Finanzexperten. Anleger feiern die Zahlen und freuen sich auf den nächsten wirtschaftlichen Statusbericht.

Die Konjunkturaussichten für Deutschland bewerten Finanzprofis so optimistisch wie seit fast drei Jahren nicht mehr und schüren damit die Hoffnungen, dass das schrumpfende Bruttoinlandsprodukt (BIP) zum Jahresende 2011 nur eine Wachstumsdelle gewesen ist. Das ZEW-Barometer für die Entwicklung in den kommenden sechs Monaten kletterte im Februar um 16,7 auf 48,2 Punkte, teilte das Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) zu seiner Umfrage unter rund 300 Anlegern und Analysten mit. Mit dem dritten Anstieg in Folge erreichte das Barometer den höchsten Wert seit April 2010. Ökonomen hatten lediglich mit einem Plus auf 35,0 Punkte gerechnet.

"Die Finanzmarktexperten haken das schwache vierte Quartal 2012 ab", sagte ZEW-Präsident Wolfgang Franz. "Nach ihrer Auffassung bläst der Gegenwind aufgrund der Euro-Krise der deutschen Wirtschaft weniger stark ins Gesicht als noch vor wenigen Monaten." Wenn dies in den nächsten Monaten so bleibe, dürfte die Konjunktur "moderat an Fahrt gewinnen". Die Lage bewerteten die Experten allerdings etwas schlechter: Dieses Barometer sank um 1,9 auf 5,2 Punkte.

Das Bruttoinlandsprodukt war im vierten Quartal mit 0,6 Prozent so stark eingebrochen wie seit dem Höhepunkt der weltweiten Finanzkrise Anfang 2009 nicht mehr. Die ZEW-Umfrage signalisiert eine Rückkehr zu Wachstum zu Jahresbeginn, womit eine Rezession verhindert würde.

Märkte und Analysten reagieren

Nach Ansicht von Nord/LB-Volkswirt Mario Gruppe hat die ZEW-Umfrage "überzeugt". Damit stünden die Zeichen gut, dass auf die Zahlen zum ifo-Geschäftsklima freundlich ausfallen. "Das wohl wichtigste Stimmungsbarometer für die deutsche Volkswirtschaft hatte zuletzt wiederholt eine gesamtwirtschaftliche Verbesserung angedeutet. Dieser Trend sollte nun bestätigt werden können", sagte Gruppe.

Auch die Bundesbank rechnet damit, dass die deutsche Wirtschaft im ersten Quartal 2012 wieder wachsen wird. Im vierten Quartal 2012 war die Wirtschaft um 0,6 Prozent gegenüber dem Vorquartal geschrumpft. In ihrem aktuellen Monatsbericht gehen die Währungshüter davon aus, dass die Produktion nach dem kräftigen Rückgang Ende 2012 wieder anziehen wird. Zudem hoffen sie, dass die Unternehmen im Jahresverlauf wieder mehr investieren werden.

Der unerwartet deutliche Anstieg regte die Anleger am Aktien- und Devisenmarkt zu Käufen an. Der Euro weitete seine Gewinne auf 1,3370 von 1,3350 Dollar aus. Der Dax behauptete das kurz vor der Veröffentlichung erreichte Niveau von 7695 Zählern, bröckelte dann aber leicht auf 7583 Zähler ab, womit er immer noch 0,7 Prozent im Plus lag.

"Diejenigen, die den ZEW-Index nicht abgewartet, sondern vorher Aktien gekauft haben, liegen richtig", lautete das erste Fazit eines Händlers zum überraschend starken ZEW-Index. Dieser habe mit einem Sprung nach oben auf gut 48 Punkte die Konsensprognose von 35 um "sagenhafte 13 Zähler überboten". Nun dürften am Markt auch die Schätzungen für den Ifo-Index am Freitag kräftig nach oben geschraubt werden, war sich der Händler sicher.

Ökonomen erwarten für das Ifo-Geschäftsklima eine leichte Aufhellung auf 104,7 Indexzähler nach 104,2 Punkte im Vormonat. Das Münchner Ifo Institut befragt monatlich rund 7000 Manager und Geschäftsführer nach ihren Einschätzungen zur aktuellen Lage und zur künftigen Entwicklung.

Quelle: n-tv.de

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