Wirtschaft
Handwerk hat gefrorenen Boden: Je nach Witterungsbedingung fluten in der kalten Jahreszeit Zehntausende Fachkräfte saisonal in die Arbeitslosenstatistik.
Handwerk hat gefrorenen Boden: Je nach Witterungsbedingung fluten in der kalten Jahreszeit Zehntausende Fachkräfte saisonal in die Arbeitslosenstatistik.(Foto: picture alliance / dpa)

Januar-Wert bestätigt den Trend: Zahl der Arbeitslosen sinkt

Gemessen am Dezember-Wert schwillt die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland kräftig an: Die Bundesagentur zählt fast 240.000 mehr Erwerbslose als vier Wochen zuvor. Im Vergleich zum Januar 2015 jedoch zeichnet sich ein positiver Trend ab. BA-Chef Weise klingt zufrieden.

Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland ist im Januar im Vergleich zum Vormonat um 239.000 auf 2,92 Millionen gestiegen. Das sind 111.000 Erwerbslose weniger als vor einem Jahr, wie die Bundesagentur für Arbeit mitteilte. Die Arbeitslosenquote sprang - wie zu Jahresbeginn üblich - um 0,6 Punkte auf 6,7 Prozent.

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"Die gute Entwicklung am Arbeitsmarkt hat sich zum Jahresbeginn fortgesetzt", kommentierte der Chef der Bundesagentur für Arbeit, Frank-Jürgen Weise, die Daten. "Aus jahreszeitlichen Gründen ist die Arbeitslosigkeit im Januar zwar gestiegen, saisonbereinigt gab es aber erneut einen deutlichen Rückgang."

In der Berechnung ohne saisonale Effekte kam die Bundesagentur für Arbeit demnach im Januar auf 2,732 Millionen Menschen in Deutschland ohne Arbeit. Das sind 20.000 weniger als im Dezember. In Westdeutschland sank die um jahreszeitliche Einflüsse bereinigte Erwerbslosenzahl um 9000, in Ostdeutschland um 11.000.

Im Vorfeld befragte Ökonomen deutscher Großbanken hatten mit Blick auf die kalte Witterung nach dem Jahreswechsel bereits mit einem kräftigen Anstieg der Arbeitslosenzahlen im Monatsverlauf gerechnet: "Im Dezember haben die Firmen wegen des milden Wetters witterungsbedingt kaum Stellen abgebaut", erklärte zum Beispiel BayernLB-Volkswirt Stefan Kipar. "Das holen viele Firmen jetzt nach." Der Saisoneffekt sei im Januar wegen des witterungsbedingten Abbaus von Stellen auf dem Bau, im Garten- und Landschaftsbau und in der Gastronomie besonders stark ausgeprägt.

(Hinweis für Mobilnutzer: Die Infografik zur Arbeitslosenquote finden Sie hier.)

Flüchtlingseffekt erst im Sommer

Was die weitere Entwicklung auf dem deutschen Arbeitsmarkt angeht, so zeigen sich die Fachleute fast durchweg optimistisch. Bis zum Sommer werde die Zahl der Erwerbslosen saisonbereinigt weiter sinken, prognostizieren die Bank-Volkswirte, die den Arbeitsmarkt im Hinblick auf die konjunkturelle Entwicklung im Blick halten. Erst dann müsse man in Deutschland wegen der wachsenden Zahl arbeitsloser Flüchtlinge mit einem leichten Anstieg der Erwerbslosen rechnen.

Die Volkswirte korrigierten damit ihre in den vergangenen Monaten etwas pessimistischeren Prognosen leicht. Gestützt wurde der zuversichtliche Ausblick von neuen Daten der Bundesagentur zur Arbeitskräftenachfrage. Danach gab es zum Jahresbeginn so viele freie Stellen wie nie zuvor, wie die Nürnberger Bundesbehörde zu Wochenbeginn unter Berufung auf ihren aktuellen Stellenindex BA-X mitgeteilt hatte. Der Indikator für den Umfang unbesetzter Stellen sei im Januar mit 211 Punkten auf ein Rekordniveau gestiegen; dies seien vier Punkte mehr als im Dezember 2015. Die Bundesagentur führt die wachsende Arbeitskräftenachfrage auch auf den Flüchtlingsstrom zurück.

Zahlreiche offene Stellen

Viele der mit der Unterbringung oder Betreuung von Asylbewerbern beauftragten Betriebe suchten verstärkt nach Mitarbeitern, berichtete die Bundesagentur. "So ist insbesondere die Zahl der gemeldeten Stellen in der öffentlichen Verwaltung und bei Wach- und Sicherheitsdiensten in den letzten Monaten stark gestiegen."

Daneben seien noch andere Wachstumsbranchen im Dienstleistungssektor für den Stellenschub verantwortlich. So sei zum Beispiel aktuell jede fünfte freie Stelle im Gesundheits- und Sozialwesen und im Handel zu besetzen. Aber auch die Industrie und die ihr zuarbeitenden Dienstleister suchten verstärkt nach neuen Mitarbeitern, berichteten die BA-Experten. Ein Drittel der Vakanzen werde von Zeitarbeitsunternehmen gemeldet.

Quelle: n-tv.de

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