Wirtschaft

Spuren der Konjunktur-Schwäche: Zahlungsmoral sinkt, Insolvenzen steigen

Mehr Firmenpleiten, sinkende Zahlungsmoral: Die schwächelnde Konjunktur wird 2015 offenbar ihre Spuren in Deutschland hinterlassen. Nur eine Delle oder doch ein langfristiger Trend?

Im dritten Quartal waren Schuldner im Schnitt 13,25 Tage im Verzug.
Im dritten Quartal waren Schuldner im Schnitt 13,25 Tage im Verzug.(Foto: picture alliance / dpa)

Die Zahl der Firmenpleiten in Deutschland wird nach Einschätzung des Kreditversicherers Euler Hermes im kommenden Jahr erstmals seit längerem wieder zulegen. Ein Grund für den erwarteten Anstieg gegen den weltweiten Trend um zwei Prozent auf knapp 25.000 Fälle sei eine gesunkene Zahlungsmoral, sagte Euler-Hermes-Chefökonom Ludovic Subran.

2014 waren in Deutschland etwa sechs Prozent weniger Firmen in die Pleite gerutscht als im Jahr zuvor. In den vergangenen fünf Jahren sank die Zahl der Unternehmensinsolvenzen stetig. Subran zeigte sich zuversichtlich, dass es sich bei der Entwicklung 2015 lediglich um eine "kurzfristige Delle" handele. Bereits im kommenden Jahr rechnet der Experte voraussichtlich wieder mit einer Stabilisierung.

In anderen westeuropäischen Ländern wie Spanien, Italien, Portugal, Griechenland, Dänemark oder Großbritannien rechnet der in über 50 Ländern vertretene Kreditversicherer für das Jahr 2015 mit einem Rückgang der Unternehmensinsolvenzen. Weltweit geht das Unternehmen von einem Minus von drei Prozent aus. Neben Deutschland seien aber auch in Luxemburg, Österreich, Finnland, Belgien sowie in China mehr Insolvenzen zu erwarten.

Schuldner lassen sich mehr Zeit

Angesichts der schwächelnden Konjunktur zahlen viele Schuldner in Deutschland nach Beobachtung der Wirtschaftsauskunftei Creditreform ihre Rechnungen zunehmend zögerlich. "Die Schleifspuren in der Konjunktur haben auch Spuren bei der Zahlungsmoral hinterlassen", sagte Creditreform-Sprecher Michael Bretz.

Im Durchschnitt waren säumige Schuldner im dritten Quartal dieses Jahres nach Berechnungen von Creditreform 13,25 Tage in Verzug. Im Vergleichszeitraum des Vorjahres waren es noch 12,84 Tage. Wirklich bedrohliche Zahlungsausfälle seien derzeit jedoch eher rückläufig, sagte Bretz. Bei den kleinen Rechnungen lasse man es dagegen eher schleifen.

Noch immer könne mit einem Anteil von 81,9 Prozent (Vorjahr 83,2 Prozent) die große Mehrheit der mittelständischen Unternehmen über ein weitgehend gutes Zahlungsverhalten ihrer Kunden berichten. Mehr als jedes fünfte Unternehmen (21,1 Prozent) blieb sogar ganz ohne Forderungsverluste. Mit oft existenzbedrohenden Ausfällen von mehr als einem Prozent des Umsatzes musste dagegen jedes dreizehnte Unternehmen (7,4 Prozent) kämpfen.

Quelle: n-tv.de

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