Wirtschaft
Getümmel im Logistikzentrum: Zalando-Mitarbeiter schicken die bestellte Ware auf die Reise.
Getümmel im Logistikzentrum: Zalando-Mitarbeiter schicken die bestellte Ware auf die Reise.(Foto: dpa)

"Anlaufverluste nehmen wir in Kauf": Zalando erreicht die Milliarde

Dieses Wachstumstempo versetzt selbst erfahrene Start-Up-Experten in ehrfürchtiges Staunen: Der Berliner Internet-Händler Zalando dehnt sein Geschäft mit Schuhen und Bekleidung immer weiter aus. Im Heimatmarkt steht Zalando kurz vor den schwarzen Zahlen.

Online direkt zum Kunden: Zalando kurbelt den deutschen Versandhandel an.
Online direkt zum Kunden: Zalando kurbelt den deutschen Versandhandel an.(Foto: dpa)

Der deutsche Online-Händler Zalando wächst rasant, fährt aber aufgrund hoher Investitionen weiterhin Verluste ein. Der Umsatz übertraf 2012 erstmals die Marke von einer Milliarde Euro. In diesem Sommer will der Anbieter für Schuhe und Modeartikel ein zweites großes Logistikzentrum in Mönchengladbach eröffnen. Das erste Zalando-Zentrum betreibt der Versandhändler seit Mitte Dezember in Erfurt.

Im vergangenen Jahr konnte Zalando seinen Umsatz von 510 Mio. Euro im Jahr 2011 auf insgesamt 1,15 Mrd. Euro mehr als verdoppeln. Darin nicht eingerechnet sind nach Unternehmensangaben all jene Artikel, die die Kunden wieder zurückschickten. Als Online-Schuhverkäufer muss Zalando mit einer erheblichen Menge an Rückläufern rechnen. In der Praxis zeigt sich, dass ungefähr jede zweite Bestellung nach der Ankunft beim Kunden den Rückweg antritt.

Enormer Rücklauf

Die Kosten für Rücksendungen könne Zalando verkraften, zeigte sich Geschäftsführer Rubin Ritter gelassen. "Die Retourenquote liegt bei zirka 50 Prozent. Das ist Teil des Geschäftsmodells, das ist im Businessplan einkalkuliert." Zalando bietet als reiner Internet-Händler inzwischen etwa 150.000 Produkte an. Abgesehen von Schuhen und Bekleidung liefert Zalando auch Haushaltsartikel, Einrichtungsgegenstände für die Wohnung, Sportgeräte sowie Kosmetik.

Den vorläufigen Zahlen für 2012 zufolge lag das Minus beim Betriebsergebnis vor Zinsen und Steuern bei etwa 90 Mio. Euro. Im Jahr zuvor hatte Zalando noch einen Vorsteuerverlust von 60 Mio. Euro ausgewiesen. In der Kernregion Deutschland, Österreich und Schweiz kam die Zalando GmbH im Jahr 2012 demnach auf ein ausgeglichenes Ergebnis. Angaben zum Nettoergebnis veröffentlicht Zalando nicht.

"Strategie beim Eintritt in neue Märkte"

Im fünften Jahr nach dem Start wäre ein Reingewinn ein greifbares Zeichen für den Erfolg: Zalando wurde erst 2008 gegründet. Durch seine Ausrichtung, sein aggressives Wachstum und seine Präsenz in der TV- und Online-Werbung konnte das junge Unternehmen in den vergangenen Jahren die gesamte Textil-Versandhandelsbranche gründlich durcheinanderwirbeln. Konkurrenten wie der deutsche Branchenriese Otto beobachten den Aufstieg der Berliner sehr genau. Schon jetzt ist klar: Als direkter Vertriebsweg gewinnt der Internethandel nicht nur in den jüngeren Zielgruppen immer mehr an Bedeutung.

Zalando beliefert rund 10 Millionen Kunden in 14 europäischen Ländern. Im vorigen Jahr kamen sieben Staaten hinzu: Spanien, Schweden, Finnland, Dänemark, Norwegen, Polen und Belgien. An eine Expansion in weitere Regionen ist vorerst nicht gedacht: "Wir sind jetzt in allen wichtigen Märkten Europas vertreten. Darauf wollen wir uns konzentrieren", sagte Co-Geschäftsführer David Schneider. "Anlaufverluste nehmen wir in Kauf, sie sind Teil unserer Strategie beim Eintritt in neue Märkte", ergänzte Ritter. Entscheidend sei, dass sich die Margen bereits in allen Regionen positiv entwickelten.

Finanziell sei Zalando gut aufgestellt, betonte Schneider. "2012 ist unsere Eigenkapitalquote auf über 50 Prozent gestiegen, von 39 Prozent im Jahr zuvor. Wir verfolgen einen starken Wachstumskurs und haben als Ausgleich dafür immer eine sehr konservative Bilanzstruktur gewählt", betonte Ritter. Der schwedische Investor AB Kinnevik ist derzeit größter Anteilseigner mit 35 Prozent. Zweitgrößter Gesellschafter sind die Samwer-Brüder, die wohl bekanntesten deutschen Internet-Investoren, mit 29 Prozent.

Quelle: n-tv.de

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