Wirtschaft
Unternehmen lagern vermehrt  Tätigkeiten an schlechtbezahlte Selbständige aus.
Unternehmen lagern vermehrt Tätigkeiten an schlechtbezahlte Selbständige aus.(Foto: picture alliance / dpa)

Linke fordert Mindesthonorare: Zehntausende Selbstständige brauchen Hartz IV

Die Zahl der Selbstständigen, die ihr Einkommen mit Hartz IV aufstocken, hat sich in den vergangenen Jahren fast verdoppelt. Viele Betroffene machen das möglicherweise aus purer Not.

Immer mehr Selbstständige in Deutschland können nicht allein von ihrer Arbeit leben. Die Zahl der Selbstständigen, die ergänzend Hartz IV bekommen, verdoppelte sich seit 2007, wie aus einer Antwort der Bundesagentur für Arbeit und des Statistischen Bundesamtes auf die Anfrage einer Linken-Politikerin hervorgeht. 2007 waren demnach 66.910 Selbstständige ergänzend auf Arbeitslosengeld II angewiesen, im vergangenen Jahr mussten fast 118.000 Selbstständige ihr Einkommen mit Hartz IV aufstocken.

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Über ein besonders geringes Einkommen verfügen Selbstständige ohne Beschäftigte, sogenannte Solo-Selbstständige. Netto waren es bei ihnen im vergangenen Jahr im Mittel 1496 Euro pro Monat, wie aus den Daten hervorgeht. Dabei handelt es sich um den Median. Das ist der Mittelwert, der in einer Auflistung von nach der Größe sortierten Zahlenwerten - wie etwa den Verdiensten von Selbstständigen - genau in der Mitte steht. Selbstständige mit Beschäftigten kamen der Auflistung des Statistischen Bundesamtes zufolge auf ein monatliches Nettoeinkommen von 2701 Euro.

Die Daten zeigen zudem, dass es inzwischen deutlich mehr Selbstständige ohne Beschäftigte gibt als mit Beschäftigten. Während die Zahl der Selbstständigen ohne Beschäftigte im Mai 2000 mit 1,84 Millionen fast genauso hoch lag wie die Zahl der Selbstständigen mit Kollegen, ist die Differenz im Laufe der Jahre deutlich gewachsen. Im Mai 2000 gab es demnach noch 1,8 Millionen Selbstständige mit Beschäftigten. Im Jahresdurchschnitt 2014 waren es 1,84 Millionen. Dagegen gab es im vergangenen Jahr 2,34 Millionen Selbstständige ohne Beschäftigte.

Unfreiwillig in die Selbständigkeit

Die Anfrage hatte die Vizefraktionschefin der Linken im Bundestag, Sabine Zimmermann, gestellt. Vor allem für die Solo-Selbstständigen wertete sie den Schritt in die Selbstständigkeit als Anzeichen dafür, dass es zu wenige sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze gebe und Unternehmen immer häufiger Jobs auslagerten. "Oft war die Entscheidung zur Selbstständigkeit keine freiwillige", erklärte Zimmermann.

Die Linken-Politikerin forderte die Bundesregierung auf, die Rahmenbedingungen für Selbstständige zu verbessern. Sie regte unter anderem an, über die Einführung eines "Mindesthonorars" für Solo-Selbstständige zu diskutieren. Der Beitrag zur Krankenversicherung für Geringverdiener müsse zudem reduziert werden; die Beiträge zur Arbeitslosenversicherung müssten sich am realen Einkommen orientieren, forderte Zimmermann.

Quelle: n-tv.de

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