"Mister Puma" kontrolliert nicht mehrZeitz zieht sich zurück
Stühlerücken im Verwaltungsrat des Sportartikelherstellers Puma: Der frühere Unternehmenschef Zeitz verlässt das Gremium. Er gilt als "Mister Puma", er hat die Marke zu einem der wachstumsstärksten und profitabelsten Sportartikel-Hersteller gemacht.
Der ehemalige Puma-Chef Jochen Zeitz scheidet aus dem Verwaltungsrat des Sportartikelherstellers aus. Zeitz habe sein Amt als Mitglied und Vorsitzender des Verwaltungsrats mit Wirkung zum Ablauf des 30. November niedergelegt, teilte Puma mit. Zeitz bleibe aber weiterhin Mitglied des Verwaltungsrats der Puma-Eigners PPR. Der Puma-Verwaltungsrat werde am 23. Oktober einen Nachfolger für Zeitz wählen.
Zeitz hatte seinen Rückzug bereits angekündigt. Zeitz ist eng mit der Geschichte von Puma verwoben, er gilt als "Mister Puma". 1993 hatte er den Vorstandsvorsitz übernommen und Puma in seiner 18-jährigen Amtszeit von einem maroden Unternehmen zu einem Konzern mit drei Mrd. Euro Umsatz aufgebaut.
Doch seit etwa fünf Jahren läuft es nicht mehr rund. Innovative Produkte fehlen, der Umsatz steigt zwar, doch auf Kosten des Gewinns. Die Puma-Zahlen sind zuletzt so schlecht gewesen, vor allem in Europa, dass der jetzige Verwaltungsratschef sogar öffentlich Druck auf den von ihm selbst ausgesuchten Nachfolger Franz Koch ausübte - ein in Deutschland sehr ungewöhnlicher Vorgang.
Angriff ist die beste Verteidigung
In der Firmenzentrale in Herzogenaurach heißt es hinter vorgehaltener Hand, Zeitz versuche sich von Koch abzugrenzen und so sein Lebenswerk zu retten. Branchenexperten betonen, dass Koch unter der Aufsicht von Zeitz nicht so frei agieren kann, wie es nötig wäre, um die Trendwende zu schaffen.
"Für Zeitz ging es fast 20 Jahre bei Puma immer nur steil nach oben", zitiert die Nachrichtenagentur Reuters eine Person aus seinem Umfeld. Er sei Manager des Jahres geworden, trage das Bundesverdienstkreuz und sei über Jahre einer der bestbezahlten Firmenchefs des Landes gewesen. Die Kritik am Unternehmen und auch seiner Person nach der jüngsten Gewinnwarnung sei er nicht gewöhnt. Er wolle nicht mehr für die schwachen Zahlen in Verantwortung genommen werden.
Also sei er in die Offensive gegangen. "Wir alle können mit Pumas Entwicklung in diesem Jahr nicht zufrieden sein", erhöhte er in einem Interview mit dem "Manager-Magazin" den Druck auf Koch, der nach den 18 Jahren von Zeitz an der Firmenspitze seit Mitte 2011 im Amt ist. Zusammen mit dem französischen Luxusgüterkonzern und Puma-Großaktionär PPR sei er sich einig, dass Koch nun dringend handeln müsse, um wieder bessere Ergebnisse zu erzielen.
Einen solch öffentlichen Rüffel gibt es in deutschen Konzernen nicht oft. Im Zeitz-Umfeld wird der Vorgang heruntergespielt. Zeitz wolle sich nicht aus der Verantwortung stehlen, er habe zum Ende seiner Amtszeit zusammen mit Koch, dem damaligen Strategiechef, schon Veränderungen eingeleitet.
Mehr Investitionen nötig?
Puma-Mitarbeiter, die Koch nahestehen, sagen, man müsse ihm mehr Zeit geben. "Die Produkte haben zwei Jahre Vorlaufzeit." Erst 2013 würden die ersten Neuheiten auf den Markt kommen, die Kochs Handschrift tragen. Zeitz wolle kaschieren, dass am Ende seiner Amtszeit einiges liegengeblieben sei. Ähnlich wird es in der Branche gesehen: "Zeitz hat Puma genial gedreht von einer Pleite-Firma zu einem hochprofitablen Unternehmen. Das ist seine Lebensleistung", sagt ein hochrangiger Manager aus der Branche. "Er hat aber am Ende nicht rechtzeitig gegengesteuert."
Puma habe viele Jahre weniger als die Marktführer Nike und Adidas in neue Produkte investiert, in absoluten Zahlen sowieso, aber auch relativ - auch weil PPR ein Interesse an hohen Margen hatte. Die Produkte seien daher oft nicht so gut wie die der Konkurrenz, vor allem im Leistungssportbereich. Trotzdem habe Puma seine Schuhe und Shirts über Jahre mit einer deutlich höheren Rohertragsmarge verkauft. "Das geht nur solange die Produkte sehr begehrt sind." Puma habe jetzt aber im Lifestyle viel mehr Konkurrenz als früher - und seit Jahren keine wegweisende Innovation mehr auf den Markt gebracht.
Um dies zu ändern, brauche es mindestens drei Jahre, so der Experte weiter. Koch müsse, um wieder mehr Erfolg zu haben, dringend in Forschung und Entwicklung sowie neue Sponsorenverträge wie zuletzt mit Borussia Dortmund investieren. Das werde zunächst aber viele Millionen kosten - Geld, das eigentlich gerade knapp ist. Im Handel heißt es unterdessen, die Kollektion für 2013 sei zwar besser geworden, an Nike und Adidas könne Puma aber nicht herankommen. Der Abverkauf werde zunächst schwach bleiben.
Kochs Hauptproblem: Er kann nicht so, wie er vermutlich gerne würde. "Wie bei einem Regierungswechsel müsste eigentlich alles auf den Prüfstand", sagt einer, der das Unternehmen seit langem kennt. Das gehe mit Zeitz an der Verwaltungsratsspitze aber nicht. Koch habe daher einen undankbaren Job. "Zeitz hält geschickt den Deckel drauf, so dass der alte Glanz nicht zerstört wird." Bislang hält auch PPR noch still, Zeitz pflegt seit Jahren überaus enge Beziehungen zu PPR-Chef Francois-Henri Pinault.