Wirtschaft
Zu Wochenbeginn hatte hatte Russlands Zentralbank700 Millionen Dollar für Stützungskäufe ausgegeben.
Zu Wochenbeginn hatte hatte Russlands Zentralbank700 Millionen Dollar für Stützungskäufe ausgegeben.(Foto: picture alliance / dpa)

Erneute Millionen-Intervention: Zentralbank versucht Rubel zu stoppen

Russlands Notenbank greift wieder mit Stützungskäufen in den Markt ein, um den Verfall des Rubel aufzuhalten. Eigentlich wollte sich die Zentralbank zurückhalten, um die Währung den Kräften des Marktes zu überlassen. Ihr erneutes Eingreifen hat Erfolg, aber: wie lange?

Der Rubel hat am Mittwoch Kurs auf eine Erholung genommen. Ein Dollar verbilligte sich binnen Minuten um bis zu zwei Prozent auf 52,75 Rubel, nachdem er am Morgen noch auf einem Rekordhoch von 54,91 Rubel notiert hatte. Aktuell steht der Dollar bei 53,18 Rubel.

Händlern zufolge ist die Bewegung auf eine erneute Intervention der russischen Zentralbank zurückzuführen. "Die Frage ist, welche Limits sich die Zentralbank nun setzt", sagte ein Händler. Zu Wochenbeginn hatte sie 700 Millionen Dollar für Stützungskäufe ausgegeben. Im Vergleich zu den früheren täglichen Interventionen, die oft bei mehr als zwei Milliarden Dollar lagen, fiel die Summe damit überschaubar aus.

Die Furcht vor einer deutlichen Schwäche der russischen Wirtschaft hatte die Talfahrt des Rubel zuletzt beschleunigt. Der jetzige Eingriff war die erste Intervention, nachdem die Zentralbank entschieden hatte, den Wechselkurs dem Spiel der Marktkräfte zu überlassen.

"Die russische Zentralbank ist im Markt"

Am Mittwoch griff die Zentralbank erneut in den Markt ein, weil die Währung im Sog der fallenden Ölpreise weiter nachgab. Am Morgen zog der Wechselkurs jedoch plötzlich an. "Die russische Zentralbank ist im Markt", sagte Pavel Demeshchik, ein Händler bei der ING Bank in Moskau, nachdem der Rubel sich in drei Minuten von 54,75 auf 52,79 zum Dollar befestigte.

Nachdem die Zentralbank fast 30 Milliarden Dollar zur Stabilisierung des Wechselkurses aufgewendet hatte, stoppte sie am 10. November ihre regelmäßigen Interventionen. Sie behielt sich jedoch das Recht vor, jederzeit in den Markt einzugreifen, wenn die Finanzstabilität gefährdet ist und eine Panik droht.

Eine Reihe von Regierungsvertretern hat bereits erklärt, dass der Rubel überverkauft sei, nachdem er in diesem Jahr schon rund 40 Prozent an Wert eingebüßt hat. Finanzminister Anton Siluanow sagte am Dienstag, der gegenwärtige Rubel-Kurs stehe für einen Ölpreis von deutlich unter 60 Dollar pro Barrel. Der Ölpreis liegt derzeit aber etwas über 70 Dollar. Diese verbale Intervention verfehlte jedoch ihre Wirkung, nicht zuletzt weil das Wirtschaftsministerium seine Wachstumsprognosen empfindlich nach unten korrigierte und eine Rezession für das nächste Jahr vorhersagte.

Die russische Regierung erklärte am Dienstag, sie erwarte wegen der Sanktionen des Westens und stark fallender Ölpreise einen Konjunktureinbruch. Das Bruttoinlandsprodukt dürfte im kommenden Jahr voraussichtlich um 0,8 Prozent schrumpfen.

Quelle: n-tv.de

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