Wirtschaft
In der Türkei steuert die Währung auf ein Rekordtief. Der Ansturm auf die Wechselstuben ist groß.
In der Türkei steuert die Währung auf ein Rekordtief. Der Ansturm auf die Wechselstuben ist groß.(Foto: picture alliance / dpa)

Finanzsystem droht Schieflage: Zentralbank will Geld in der Türkei halten

Die türkische Lira steuert auf ein Rekordtief zu. Um die Stabilität des Finanzsystems zu gewährleisten, greift die Zentralbank zu einer unpopulären Maßnahme. Die Geschäftsbanken müssen mehr Devisenreserven im Land parken.

Die türkische Zentralbank verschärft ihre Auflagen für Devisenreserven der Geschäftsbanken. Die Stabilität des Finanzsystems soll so gestärkt werden, denn ein globaler Ausverkauf an den Finanzmärkten der Schwellenländer drückt die türkische Lira aktuell nahezu auf ein Rekordtief. Als Nebeneffekt leiden einheimische Firmen unter steigenden internationalen Zahlungsverpflichtungen.

Durch die Maßnahme müssen die Kreditinstitute jetzt statt 13 rund 18 Prozent ihrer in Devisen gehaltenen und innerhalb eines Jahres fälligen Einlagen auf Konten der Währungshüter parken. Für Einlagen mit einer Laufzeit von bis zu zwei Jahren hob die Notenbank die Reserveverpflichtung um 2 Prozentpunkte auf 13 Prozent an. Die Änderungen treten ab dem 13. Februar in Kraft. Dadurch erhofft sich die Zentralbank um 3,2 Milliarden US-Dollar höhere Devisenreserven auf ihren Konten.

Die Lira ging im Dezember mit den Währungen anderer Schwellenländer auf Tauchkurs. Sie verbilligte sich zum Dollar um rund 5 Prozent auf 2,345 Lira. Händler erwarten, dass die US-Notenbank Fed ihre Leitzinsen dieses Jahr heraufsetzt und damit Geldanlagen im Land der unbegrenzten Möglichkeiten im Vergleich zu solchen in aufstrebenden Nationen attraktiver werden. Seit Ausbruch der Finanzkrise im Jahr 2008 hatte die ultralockere Geldpolitik der Fed zu einer Kapitalschwemme in Schwellenländern geführt. Das nützte diesen Märkten: Der Wachstumsmotor sprang an und Finanzlöcher konnten gestopft werden.

Hohe Auslandsschulden

Die türkische Zentralbank habe sich zu den aktuellen Maßnahmen mit Blick auf eine Stärkung der Finanzstabilität durchgerungen, erklärten die Währungshüter. Zugleich hätten sie die jüngsten Entwicklungen an den globalen Märkten berücksichtigt. Gleichzeitig verringerten die Zentralbanker um ihren Präsidenten Erdem Basci ihre Reserveauflagen für Deviseneinlagen, die innerhalb von drei Jahren auslaufen, von 11 auf 8 Prozent. Das Ziel: Es soll ein Anreiz geschaffen werden, Gelder längerfristig am Bosporus anzulegen.

Angesichts einer Auslandsverschuldung zum Ende des dritten Quartals von fast 400 Milliarden Dollar - gerade einmal 5 Milliarden Dollar weniger als zum Rekordstand im zweiten Quartal - sahen sich die türkischen Währungshüter aber auch gezwungen, kräftigen Devisenabflüssen vorzubeugen.

Die Politiker tüftelten an ihren Reserveverpflichtungsmechanismen. Nach den neuen Vorgaben können türkische Geschäftsbanken US-Dollar in Lira umtauschen, um damit bis zu 60 Prozent der geforderten Reserven vorzuhalten, die in türkischer Währung vorliegen müssen. Die Banken müssen dabei 1,20 Dollar für jede Lira einzahlen, um ihr Umtauschrecht zur Hälfte auszuschöpfen. Zuvor galt ein Wert von 1,40 Dollar für jede Lira.

Zugleich führten die Währungshüter mehr Reserve-Optionstranchen ein. Dank dieser Maßnahme sollen rund 2,4 Milliarden Dollar zusätzlich losgeeist werden. Mit dem Schritt soll Banken und Unternehmen geholfen werden, die sich in atemberaubenden Ausmaß im Ausland verschuldet haben.

Quelle: n-tv.de

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