Wirtschaft
Dieter Zetsche
Dieter Zetsche(Foto: dpa)

Vertrag nur um drei Jahre verlängert: Zetsche wird zum Kurzläufer

Daimler-Chef Zetsche wird auch nicht jünger. Der Aufsichtsrat verlängert den Vertrag des Topmanagers deshalb nur um drei statt sonst üblicher fünf Jahre. "Gute Unternehmensführung" soll der Grund sein, heißt es von den Aufsehern. Doch Insider berichten von einem Postenpoker hinter den Kulissen.

Dämpfer für Daimler -Chef Dieter Zetsche: Der Aufsichtsrat des Autokonzerns verlängerte den Vertrag des Konzernlenkers überraschend nur um drei Jahre. Das 20-köpfige Gremium beschloss einstimmig, dass Zetsche den Konzern und dessen größte Sparte Mercedes-Benz Pkw zunächst bis Ende 2016 weiter führen soll. Die Kürze der Zeit macht es dem Manager nun schwerer, die von ihm verkündete Aufholjagd auf BMW und Audi selbst zum Erfolg zu führen.

Zudem kommt es in der Führungsetage der beiden größten Konzernsparten zu einem überraschenden Wechsel: Truck-Chef und Daimler-Vorstand Andreas Renschler sowie der für Produktion und Einkauf bei Mercedes-Pkw sowie für Transporter zuständige Daimler-Vorstand Wolfgang Bernhard tauschen ihre Posten ab April dieses Jahres. Ihre Verträge laufen jeweils bis ins Jahr 2018.

Der Vertrag des 58-jährigen Forschungschefs Thomas Weber wurde vom Aufsichtsrat ebenfalls um nur drei Jahre bis Ende 2016 erneuert. "Aus Gründen der guten Unternehmensführung hat sich der Aufsichtsrat entschlossen, Vorstandsverträge bei Wiederbestellungen nur noch um drei Jahre zu verlängern, wenn die Vorstände 60 Jahre alt sind oder dieses Alter während der Laufzeit des Vertrages erreichen", sagte ein Sprecher. Mehrere mit den Personalien bei Daimler vertraute Personen hatten fest damit gerechnet, dass Zetsche einen Vertrag für weitere fünf Jahre erhalten werde. Der Manager wird im Mai 60 Jahre alt, sein bisheriger Vertrag lief bis Ende dieses Jahres.

Kontinuität wahren

Aufsichtsratschef Manfred Bischoff sagte, die langfristige Ausrichtung der Unternehmensführung sei ein "ganz entscheidender Faktor". Mit der Fortschreibung der Verträge von Zetsche und Weber werde Kontinuität gewahrt. Zetsche könne "ein Gespür für Autos mit fundiertem Ingenieurswissen und unternehmerischem Denken vereinen". Der Vorstand haben einen klaren Plan, um die Leistung von Daimler zu steigern. Daimler hatte 2012 beim operativen Gewinn aus dem laufenden Geschäft einen Rückgang verbucht, obwohl der Autobauer rund um den Globus so viele Fahrzeuge wie nie zuvor verkaufte und einen Rekorderlös einfuhr.

Für die Arbeitnehmerseite im Aufsichtsrat sagte der stellvertretende Vorsitzende Erich Klemm, Daimler müsse seine Strategie gemeinsam mit den Arbeitnehmervertretern entwickeln, um erfolgreich zu sein. "Die jetzt beschlossenen Änderungen im Vorstand erleichtern diesen Dialog", sagte der Gewerkschafter und Konzernbetriebsratschef. Zuletzt hatte der Betriebsrats vor allem mit Zetsches Vertrauten Bernhard über Kreuz gelegen, unter anderem bei der Produktionsplanung im größten Pkw-Werk Sindelfingen. Zetsche steht seit 2006 an der Spitze von Daimler, schon seit Herbst 2005 ist er Chef von Mercedes Pkw.

Bei Investoren war zuletzt vereinzelt Kritik am Daimler-Management laut geworden, da der Aktienkurs den aufwärts tendierenden Märkten hinterherhinkt. Fondsmanager Henning Gebhardt von DWS sagte, "in Anbetracht des gemischten Erfolgs des Daimler-Managements begrüßen wir, dass der Aufsichtsrat den Vertrags des Vorstandschefs nur um drei Jahre verlängert hat". Grundsätzlich sollten Vertragsverlängerungen künftig mit Zielsetzungen für die Unternehmensführung verknüpft werden. Damit ließe sich verlorengegangenes Vertrauen wiederherstellen. An der Börsen verloren Daimler-Papiere gut zwei Prozent.

Investoren kreiden Zetsche an, dass er von Prognosen in den vergangenen Jahren immer wieder abrückte. Zuletzt hatte er ab 2013 bei Mercedes Pkw Benz eine nachhaltige Umsatzrendite von zehn Prozent versprochen, trotz Pkw-Rekordverkäufen dieses Renditeziel aber im Spätsommer vergangenen Jahres zum wiederholten Male einkassiert und ein Sparprogramm angekündigt. Damit soll Mercedes spätestens 2020 an den deutlich profitableren Konkurrenten BMW und Audi vorbeiziehen, die zuletzt mit zweistelligen Margen davonzogen.

Rennen um Zetsches Job beginnt

Mit den Personalien vertraute Insider lieferten mehrere Erklärungen für die Beschlüsse: Die Arbeitnehmer im Aufsichtsrat hätten eine Fortschreibung von Zetsches Vertrag um mehr als drei Jahre verweigert und der Wiederbestellung nur zugestimmt, wenn Renschler und Bernhard ihre Posten tauschten, hieß es in den Kreisen. Die Arbeitnehmerseite wolle Bernhard lieber auf dem Abstellgleis sehen, die Hoffnung auf eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit Truck-Chef Renschler bei der Kernsparte Mercedes Pkw sei größer.

Mit dem Personalkarussell sei das Rennen um eine Nachfolge Zetsches in wenigen Jahren eröffnet worden, hieß es in den Kreisen weiter. Als dritter Kandidat für den Chefposten am Steuer von Daimler könne auch der Ende vergangenen Jahres als Verantwortlicher für das China-Geschäft in den Vorstand geholte Manager Hubertus Troska gelten. Troska soll auf dem Boommarkt China für mehr Schwung im Pkw-Verkauf sorgen, da Mercedes-Benz dort wegen konkurrierender Vertriebs-Firmen 2012 hinterher fuhr. Mit den Personalentscheidungen sei Zetsche als Daimler-Chef "nicht alternativlos", verlautete aus den Kreisen.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen