Wirtschaft
Video

Mercedes steckt in der Krise: Zetsche träumt von Sternstunde

Von Thomas Badtke

Am Erfolg der Kernmarke Mercedes hängen Wohl und Wehe des Daimler-Konzerns. Doch ein Einbruch beim Ergebnis macht den Stuttgartern hier schwer zu schaffen. Das hat mehrere Gründe, und die muss Daimler-Chef Zetsche in den Griff bekommen, warnt n-tv.de-Autoexperte Helmut Becker.

"Wir glauben, dass wir mit Mercedes-Benz die weltweit stärkste Automobilmarke haben." An diesem Satz wird sich Daimler-Chef Dieter Zetsche die nächsten Jahre messen lassen müssen. Auf der Detroit Auto Show schwärmte er so von der Kernmarke des Konzerns, als ob die Ertragsperle des Konzerns noch immer die weltweit führende Premiummarke sei. Dem ist aber nicht so.

Mercedes hat den Spitzenplatz schon lange an BMW verloren. Seit 2011 fährt auch die VW-Tochter der Stuttgarter Konkurrenz davon - weltweit und vor allem auf dem boomenden chinesischen Markt. Zu spüren bekommt das der Daimler-Konzern deutlich: Im vergangenen Jahr brach der operative Konzerngewinn aus dem laufenden Geschäft um zehn Prozent auf 8,1 Mrd. Euro ein. Die Pkw-Sparte Mercedes-Benz Cars war dafür hauptverantwortlich. Schwache Geschäfte in China, hohe Ausgaben für neue Fahrzeugmodelle, der Ausbaus der Produktionsstätten im In- und Ausland ließen das Ergebnis von 5,2 Mrd. auf 4,4 Mrd. Euro schrumpfen.

Becker: "Klare Modellstruktur fehlt"

Wie drastisch die Lage aber wirklich ist, zeigt der Aktienkurs. Der legt nach den Zahlen zwar leicht zu, verharrt aber in etwa auf dem Niveau von vor sieben Jahren. Damals hatte Dieter Zetsche die Leitung des Konzerns übernommen - und war in Personalunion auch auf den Chefsessel bei Mercedes-Benz geklettert. Seitdem ist offenbar - wenn man den Aktienkurs zugrunde legt - nicht viel Positives passiert.

Stattdessen klaffen bei Mercedes-Benz Lücken in der Angebotspalette, in die die Konkurrenten aus München und Ingolstadt flüssig vorstoßen. Daimler kann derzeit beispielsweise keinen kompakten Geländewagen anbieten wie etwa Audi mit dem Q3 und BMW mit dem X1. Stattdessen bringen die Stuttgarter Nischenmodelle wie etwa ein viertüriges Kombi-Coupe auf den Markt und halten im Gegensatz zum Premium-Weltmarktführer BMW auch weiter am teuren Formel-1-Engagement fest.

"Der Modellpolitik fehlt eine eindeutige Struktur" kritisiert n-tv.de-Autoexperte Helmut Becker. "Konservativ und qualitativ absolut hochwertig: Dafür stand der Name Mercedes früher", betont er. "Heute hat sich der Konzern in der Modellpolitik verzettelt", sei zum "Hersteller von me-too-Produkten geworden". Die klare Linie, die BMW und Audi mit 3er und 5er sowie A3 und A4 verfolgten, fehle bei Mercedes. Becker fordert deshalb ein Umdenken und eine "klare Modell- und Segmentstruktur".

Zetsche: "Haben Momentum eingebüßt"

Aber die Modellpolitik ist nicht das einzige Problem bei Mercedes: In China - dem größten Automarkt der Welt - fährt die Marke mit dem Stern den beiden Oberklasse-Rivalen seit Jahren hinterher. Was auch daran liegt, dass sich BMW und Audi früher in den dortigen Markt gewagt haben.

Mit zwei konkurrierenden Vertriebsgesellschaften für Import-Fahrzeuge und vor Ort gebauten Mercedes-Modellen stellte sich Daimler beim Autoverkauf bis zuletzt zudem selbst ein Bein. Erst nach monatelangen Verhandlungen bekamen die Stuttgarter im Dezember grünes Licht für die Zusammenlegung des Vertriebs. Rabatte für die in die Jahre gekommene Luxuslimousine S-Klasse verwässerten die in China gewöhnlich hohen Margen zusätzlich.

"Es ist offensichtlich, dass wir nach Jahren, in denen wir in China - später eingesetzt - die höchsten Wachstumsraten hatten und aufgeholt haben, jetzt im letzten Jahr das Momentum dort eingebüßt haben", räumt Zetsche gegenüber n-tv ein. Gleichzeitig verspricht er, die "Produktoffensive noch effizienter" zu gestalten. "Das heißt, die Mittel noch effektiver einsetzen."

Das muss Daimler auch, denn der Konzern produziert in seinen Werken teurer als die Wettbewerber, die den Stuttgartern bei den Pkw-Verkaufszahlen immer weiter enteilen. Die Schwaben brauchen im Schnitt mit deutlich mehr als 30 Stunden länger als die Konkurrenten, bis ein Neuwagen vom Band rollt.

Das Gute: Daimler hat die Probleme erkannt: "Wir sind zuversichtlich, ab 2014 unsere relative Position voranbringen zu können", sagt Daimler-Chef Zetsche. Im kommenden Jahr werde Daimler zeigen, dass das Ziel Marktführerschaft bei Premium-Pkw bis 2020 "realistisch" sei. Aber die Konkurrenz, das weiß man auch an der Börse, schläft nicht.

Bilderserie

Quelle: n-tv.de

Video-Empfehlungen
Empfehlungen